Die erste Social-Media-WM

Als die WM 2010 in Südafrika angepfiffen wurde, war erst der harte Kern der Netzgemeinde live dabei. Beim Kickoff in Brasilien ist das Twittern, Posten und Liken zum Volkssport geworden. Stars posten Selfies und Trainer twittern ihre Aufstellung. Nur die Russen stehen abseits.

iPhone mit

Bildlegende: Jeder Schnappschuss ein Treffer: Selfie von Lukas Podolski mit Bundeskanzlerin Merkel. SRF

Was war das vor vier Jahren noch beschaulich: Zum Eröffunungsspiel der WM wurden damals rund 300'000 Tweets in die Welt geschickt. Beim Anpfiff in Brasilien ist diese Zahl explodiert.

Über 12 Millionen Nachrichten wurden rund um das Spiel der Brasilianer gegen Kroatien registriert, bei Facebook gab es 140 Millionen Interaktionen zu dem Match.

Der erste Superheld von Brasilien

Keine Frage: Der Ball ist im Netz! Und dort wurde der Niederländer Robin van Persie nach seinem spektakulären Flugkopfball gegen Spanien zum ersten Superhelden der WM.

Der unumstrittene Social-Media-Superstar ist aber Cristiano Ronaldo. 86 Millionen Fans hat er auf Facebook und 27 Millionen Follower auf Twitter.

Zum Vergleich: Für Xherdan Shaqiri interessieren sich auf Facebook 1,2 Millonen Menschen. Und auch ein Lionel Messi kommt «nur» auf 58 Millionen.

Spott für Ronaldo

Keiner polarisiert so wie Ronaldo – dafür ergiesst sich über den der portugiesischen Weltfussballer nach Niederlagen auch regelmässig der meiste Spott. Für die Netzgemeinde war sein jämmerlicher Freistoss in die 1-Mann-Mauer Philipp Lahm ein gefundenes Fressen.

Besser erging es in der ersten WM-Woche Italiens Mario Balotelli, der sich ebenfalls gut damit auskennt, entweder Held oder Sündenbock zu sein. Nach seinem Tor im ersten Spiel wird er mal wieder als «Super Mario» gefeiert.

Natürlich haben auch die Politiker erkannt, dass man im Glanz der Sieger ganz einfach ein paar Sympathiepunkte sammeln kann. So zeigte sich zum Beispiel der amerikanische Vize-Präsident Joe Biden mit dem US-Team in der Kabine.

«Angie» als Maskottchen

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist längst so etwas wie das Maskottchen des deutschen Teams.

Nicht alle sehen die Netz-Aktivitäten der Spieler gerne. Bei den Russen wünscht Trainer Fabio Capello, dass das Handy aus bleibt: «Tweets können Probleme verursachen, wenn sie nicht eindeutig geschrieben werden. Daher habe ich meine Spieler gebeten, darauf zu verzichten.»

Nigerias Trainer Stephen Keshi dagegen twittert seine Mannschaftsaufstellung gleich selbst in die Welt – und ist damit deutlich näher am Puls der Zeit.

Schweizer planschen

Die Schweizer wurden abseits des Platzes vor allem mit diesem Video auffällig: Flanke Shaqiri, Seitfallzieher Drmic – und platsch. So macht man die Gegner nass!