Flugunglück: Soll man Bilder von Opfern und Angehörigen zeigen?

Schweizer Boulevardmedien zeigten nach dem Absturz der Germanwings-Maschine unter anderem ein Klassenfoto von tödlich verunglückten Jugendlichen. Wird uns der Absturz damit menschlich näher gebracht oder ist das pietätsloser Voyeurismus?

Trauerkerzen vor dem Joseph-König-Gymnasium in Haltern am See

Bildlegende: Trauerkerzen vor dem Joseph-König-Gymnasium in Haltern am See: Beim Germanwings-Absturz starben 16 Schülerinnen und Schüler sowie zwei Lehrerinnen der Schule. Keystone

Journalisten von «20 Minuten», «Blick» und SRF haben zu dieser Frage unterschiedliche Haltungen. Hier sind ihre Statements:

«  Die Bilder zu zeigen, schafft meiner Meinung nach mehr Nähe. Es sind Menschen wie du und ich. Man will wissen: Was sind das für Leute und wie ist es für die Angehörigen? Man kann nicht nur technisch-distanziert über ein solches Unglück berichten. Es ist ein sehr emotionales Ereignis. Abgesehen davon ist es nahe bei uns passiert und mit einer Maschine, mit der wir wahrscheinlich schon geflogen sind.  »

Marcel Zulauf
Mitglied der Chefredaktion von «20 Minuten»

«  Die Öffentlichkeit trauert bei derlei Tragödien mit. Der «Blick» holt mit seinen Beiträgen diese Trauer sowie die Betroffenheit der Leserschaft ab. Dass im verunglückten Germanwings-Flugzeug eine ganze Schulklasse ums Leben kam, macht diese ohnehin schon schreckliche Tragödie noch viel schlimmer. Sich am Flughafen umarmende Angehörige oder eben auch Bilder von Opfern geben den Tragödien ein Gesicht. »

Tobias Gysi
Fotochef «Blick»

«  Es gehört ein Stück weit dazu, dass man Trauer abbildet. Man kann sie aber auch anders darstellen, etwa mit Blumen, Zettel oder Kerzen, die aufgestellt werden. Das sind Bilder, die wir in erster Linie bringen wollen. Bei Nahaufnahmen von trauernden und verzweifelten Menschen stellen wir uns die Frage, wo dabei der News-Wert ist. Darum verzichten wir in der Regel auf solche Bilder.  »

Gregor Meier
Nachrichtenchef und stellvertretender Chefredaktor TV von SRF

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