Graffiti: Von der Gosse in die Galerie

Vom Beton auf die Leinwand - die Graffiti-Szene hat sich stark verändert. Auch Redl, Sprayer und Rapper bei Radio 200000, hat den Schritt aus der Illegalität in die Kunstszene gewagt.

SRF Virus-Moderatorin Jaqueline Visentin und Redl von Radio 200'000

Bildlegende: Ein schönes Paar SRF Virus-Moderatorin Jaqueline Visentin und Redl von Radio 200'000 SRF VIrus

Die braven Bürger in Zürichs 70ern staunten nicht schlecht, als sie an ihren Hauswänden Zeichnungen von einfachen Strichmännchen entdeckten. Die Männchen waren das Werk von Harald Naegeli, dem «Sprayer von Zürich», der wenig später wegen Sachbeschädigung zu einer Geldstrafe und neun Monaten Haft verurteilt wurde.

Über 30 Jahre später existieren in derselben Stadt zahlreiche Galerien, in denen Graffiti und Street Art für die breite Masse ausgestellt werden. Einer, der heute mit seinen Bildern Geld verdient, ist Redl, Sprayer und Rapper bei Radio 200000. 1993 tauschte er Beton gegen Leinwand und gründete die Agentur «Comin’at’cha» (heute artworks.ch), worauf zahlreiche Aufträge folgten.

Dass Graffiti mittlerweile im Mainstream angekommen sind, zeigt auch der Blick ins Ausland: In Wien gibt es eine «Graffitistrasse», ein Graffitimuseum und ein Institut für Graffiti-Forschung. Lissabon stellt Sprayern Leinwände zur Verfügung, wo sie legal sprayen dürfen, und Berliner Schulen sollen künftig Graffiti-Unterricht erteilen.

Ist Grafitti unter diesen Umständen noch real? Redl findet: «Ja natürlich! Das beweist doch, dass Graffiti und Hip Hop in den letzten 40 Jahren vieles bewegt haben. Ausserdem: Eigentlich ist es doch egal, ob kreativer Output "real" ist oder nicht - Hauptsache, man macht überhaupt etwas!