Süsser die Hochzeitsglocken nie klingen ...

...als im grünen und blühenden Mai! Ausgebuchte Standesämter und hupende, mit Blumenkränzen geschmückte Nobelschlitten sind an der Tagesordnung. Aber wer sich ewig bindet, soll ja prüfen: Vor allem die folgenden beiden Bücher.

Ausschnitt des Covers von «Ich will heiraten!»

Bildlegende: Ausschnitt des Covers von «Ich will heiraten!» SRF

Buch-Tipp 1: «Der kleine Eheberater»

Ehemythos Nr. 1: Man muss dauernd glücklich sein.
Dazu schreiben die Autorinnen des «kleinen Eheberaters», Kerstin Holzer (in zweiter Ehe) und Claudia Jacobs (seit 21 Jahren in erster Ehe): «Zur Ehe gehören Durchhänger: Phasen des Zweifelns, der Langeweile, des Verdrusses. Stellen Sie sich nicht so an, halten Sie es einfach aus.»

Voilà, da haben wir schon die Stärke dieses Buches: Es bringt zwar nichts total Neues, dafür aber viele gesammelte Erkenntnisse frisch und pragmatisch auf den Punkt. Das Buch ist ein tolles Geschenk für Paare in Heiratslaune, vielleicht das nützlichste Geschenk, das man machen kann, wird das Paar doch von der «Paarfindung» an in acht Kapitel durch eine möglichst stressfreie Hochzeit, den Alltag, das Kinderhaben, ein existentes Liebeslebens und die Liebe mit Humor, im Streit und dem Alter begleitet.

Wer will, informiert sich in diesem Buch auch über Hochzeitsriten in anderen Ländern, passende Filme und Musik, liest Anekdoten über berühmte Liebespaare und die Scheidungsrate von Stars. Das ist unterhaltend, aber nicht das, was diesen kleinen Eheberater gross macht, seine Stärke liegt in der Aufrichtigkeit. Er ist wie eine Freundin, eine richtig gute Freundin, die in Krisensituationen die Ruhe bewahrt und einem auch mal die Leviten liest.

Zum Schluss eine tolle Nachricht aus dem Buch: Forscher der israelischen Bar-Ilan University verraten in einer Studie, dass man das Hormon Oxytocin (das in den Adern frisch Verliebter rauscht) im Blut wechselseitig hochhalten kann: Und zwar durch ein «hohes Mass an Gegenseitigkeiten und Berührungen». Also, lautet das Fazit in diesem entzückenden Ratgeber: «Wenn Sie verliebt bleiben wollen, benehmen Sie sich wie Verliebte!»

Kerstin Holzer & Claudia Jacobs: Der kleine Eheberater
Mosaik Verlag, 318 Seiten
ISBN: 978-3-442-39228-5

Buch-Tipp 2: «Ich will heiraten! Partnersuche auf Ägyptisch»
Ghada Abdelaal wurde 1978 im ägyptischen al-Mahalla al-Kubra geboren. Sie ist also 35 und damit eine alte Jungfer – so würde man sie auf jeden Fall in Ägypten nennen, und dagegen wehrt sie sich im Buch: «Es ist einfach ein Schimpfwort. Es wird aus Schadenfreude über eine gesagt, die man kennt oder vielleicht auch nicht. Besonders wenn man sie nicht kennt, o ja, dann ist das ein richtig toller Ausdruck, der alle amüsiert. Genauso wie man sich auch insgeheim freut, wenn einer im Bus bestohlen wird. Wenn einem selbst so etwas geschieht, ist es eine Katastrophe, aber wenn es einem anderen passiert, dann ist er ein Esel, ein Idiot und dumm, und deshalb ist er auch bestohlen worden.»

Sie kann sich wehren und sie kann schreiben. Ghada Abdelaal führt seit 2006 einen Blog, in dem sie ihre Erfahrungen bei der Partnersuche festhält (das Prozedere nennt sich «Salonhochzeit», dabei werden der Frau verschiedene Partner vermittelt und vorgestellt) und sich über die schwierigen Voraussetzungen einer Frau mokiert, die in Ägypten einen Mann sucht, muss sie doch jung und unberührt sein, der Mann hingegen darf ihm Vergleich dazu alles (sein.) Die Texte aus ihrem Blog  –  mit dem sie sich in Ägypten viele Freundinnen gemacht hat und der auch verfilmt wurde – sind in diesem salopp verfassten und sehr zugänglichen Buch gesammelt. Dazwischen finden sich engagierte Reflexionen der Autorin.

Der rote Faden des Buches bilden die Texte über die Hochzeitskandidaten. Sie fallen durch ihr irritierendes Verhalten auf und so amüsiert man sich beim Lesen dieses Buches, ohne aus den Augen zu verlieren, dass die Suchende in einer Zwickmühle steckt: Zum einen will sie einen Partner, mit dem sie eine gleichberechtigte Beziehung führen kann, zum anderen hat sie sich für die Tradition der Salonhochzeit entschieden, bei der nicht die Sorte Mann auftauchen wird, die sie interessiert. Einen Polizei-Offizier zum Beispiel, der beim Besuch bei den Eltern stolz sein goldenes Feuerzeug herumgibt  – nur um (was später auskommt)  Fingerabdrücke der Familie zu sammeln, um ihre Daten zu überprüfen - will sie natürlich trotz aller Verzweiflung nicht zum Mann ...