Das neuste Mitglied im Milliarden-Club

Webseiten mit mehr als einer Milliarde Benutzern sind ein exklusiver Club. Facebook gehört dazu, die Suchmaschine Google ebenfalls – und seit nun auch das Videoportal Youtube, das gestern seine aktuellen Benutzerzahlen bekannt gab.

Ein Besucher sitzt an der Fernsehmesse Mipcom in Cannes vor einem Fernseher mit YouTube-Logo.

Bildlegende: Ich bin auch ein TV-Sender: Ein Besucher sitzt an der Fernsehmesse Mipcom in Cannes vor einem Fernseher mit Youtube-Logo. Reuters

Die Youtube-Macher geben sich denn auch sichtlich Mühe, diese gewaltige Zahl eindrücklich zu illustrieren: Jede zweite Person, die das Internet nutzt, so heisst es im offiziellen Blog, besucht dabei auch Youtube. Bewohnten alle diese Leute zusammengerechnet ein Land – es wäre das drittgrösste der Welt hinter China und Indien.

Dank Apps überall dabei

Youtubes Mitgliederzahlen haben sich in den letzten 6 Jahren fast verzwanzigfacht. Das gewaltige Wachstum hat auch mit der technischen Entwicklung zu tun: In vielen Ländern ist der Video-Konsum per Internet dank immer schnellerer Netzanbindung zur Selbstverständlichkeit geworden.

Und weil in jedem Smartphone auch eine Kamera steckt, deren Inhalte mit wenigen Klicks den Weg ins Internet finden, wächst die Zahl der Youtube-Mitglieder und ihrer Filme gewaltig. Das Videoportal nutzt den Trend hin zum mobilen Internet und hat für fast alle Smartphone-Modelle eine App im Angebot.

Auch ein Musikservice

Youtube wächst aber auch, weil es die Seite schafft, mehr als eine blosse Videoplattform zu sein, sondern ein soziales Netzwerk. Seine Mitglieder können sich untereinander vernetzen und die gezeigten Videos leben nicht zuletzt auch von den Kommentaren anderer Benutzer.

Und für viele ist Youtube auch eine Art Musikservice. Laut einer Studie aus den USA nutzen zwei Drittel aller Teenager den Dienst, um neue Musik zu entdecken. Damit ist Youtube für sie wichtiger als das traditionelle Radio, iTunes oder CDs. Kein Wunder gibt es Gerüchte, das Portal plane einen eigenen Streaming-Service à la Spotify.

Werbeeinahmen decken Infrastrukturkosten

Als Google vor sechs Jahren Youtube und dessen damals knapp 50 Millionen Mitglieder übernahm, wurde der Kaufpreis von 1,76 Milliarden Dollar vielerorts als überrissen kritisiert. Diese Stimmen dürften nun verstummt sein.

Allein für das Speichern und Streamen seiner Videos muss Youtube zwar grosse Summen aufwenden, doch die Ausgaben für die Infrastruktur dürften heute von den Werbeeinnahmen mehr als gedeckt werden. Sämtliche der 100 wichtigsten Werbetreibenden im US-Markt sind Kunden bei Youtube. Und die Preise, die sie zahlen, steigen mit der Zahl der Mitglieder.

Das Fernsehen der Zukunft

Kommt dazu dass Youtube in Zukunft nicht mehr nur von den Werbeeinnahmen leben soll. Die Plattform ist dabei, sich als eine Art Fernsehsender der Zukunft zu positionieren, mit exklusiven Inhalten, die auch kostenpflichtig werden könnten.Wenn es darum geht, seine eine Milliarde Benutzer zu Geld zu machen, ist Youtube also besser aufgestellt als mancher Konkurrent.