Digital am Sonntag, Nr. 6: Cold Storage

Am Wochenende hat man Zeit zum Lesen. Deshalb stellen wir hier jeden Freitag die Artikel zu Digital-Themen zusammen, die wir lesenswert finden.

Entspanntes Lesen in bequemen Sesseln.

Bildlegende: Es muss nicht immer Zeitung sein. Gaetan Bally/Keystone

Den ganzen Kram, den keiner sehen will

Mike Rogoway ist für die Zeitung «The Oregonian» ins Hinterland von Portland gereist, nach Prineville. Er schreibt über ein neues Rechenzentrum, das Facebook dort baut. Und zwar eines mit einem ganz spezifischen Zweck: Es soll die Daten speichern, die wir nie benutzen. Also beispielsweise all die Fotos, die schon lange niemand mehr anschaut. «Cold storage» nennen sie das, und ich liebe die Vorstellung, dass in einem kleinen Städtchen inmitten verregneter Wälder die digitale Entsprechung der verstaubten Schublade mit den alten Familienfotos steht – halt nicht ein paar Dutzend Fotos, sondern hunderte von Millionen.

« Facebook says 82 percent of its traffic is focused on just 8 percent of its photos. Its cold storage facility is designed to create a more efficient way to store those photos that aren’t in heavy rotation. »

Kaida-Tipps gegen Drohnen

Der «Guardian» berichtet über eine Liste mit Tipps, wie sich Al-Kaida-Kämpfer vor Drohnen schützen sollen. Associated Press hat die Liste gefunden, auf abenteuerlichem Weg: In einem verlassenen Gebäude in Timbuktu, das zuvor von Jihadisten genutzt worden sei. Die Spannweite der Tipps ist gross: Technisch einfachste Mittel wie Verstecken unter Bäumen oder dem Rauch von brennenden Autoreifen sind drauf, ebenso wie Hochtechnologie:

« It is possible to know the intention and the mission of the drone by using the Russian-made «sky grabber» device to infiltrate the drone's waves and the frequencies. The device is available in the market for $2'595 and the one who operates it should be a computer-know-how. »

Überlastung als Ablenkungsmanöver

Sicherheits-Spezialist Brian Krebs beschreibt auf seinem Blog einen virtuellen Raubüberfall: Die Konten einer Baufirma bei einer kleinen kalifornischen Bank wurden gezielt geplündert; die Summe der Transaktionen beträgt eine knappe Million Dollar. Die Angreifer hatten Zugriff auf die Computer der Baufirma und nutzten deren E-Banking-Zugang, um an die Konten zu gelangen. Zusätzlich bombardierten sie die Bank mit unzähligen sinnlosen Abfragen, um deren IT-Abteilung zu beschäftigen und vom Raub abzulenken:

« Not long after putting through a batch of […] transfers […], the fraudsters initiated a DDoS attack against the bank's web site, effectively knocking it offline. [T]he cyberheist+DDoS approach matches the profile of cybercrime gangs using […] DDoS attacks […] to distract attention from high-dollar cyberheists. »

Revenge Porn

Joe Mullin vom Blog Ars Technica beschäftigt sich mit einer noch dunkleren Seite des Internets: Revenge Porn. Das sind Websites, wo zum Beispiel von Ex-Partnern pornographische Videos oder Fotos von Frauen hochgeladen werden, in der Regel ohne deren Wissen geschweige denn Einwilligung. Der Betreiber einer solchen Seite stellt sich aktuell der Öffentlichkeit und versucht in Interviews, sein Treiben zu rechtfertigen: Es handle sich lediglich um harmlose Unterhaltung. Das sehen die Opfer naturgemäss anders, und es deutet einiges auf niedere Motive hin. So sollen Namen und Adressen von Opfern publiziert worden sein, es soll Erpressungsversuche gegeben haben. Wenn sich diese nicht beweisen lassen, scheint es aber alles andere als leicht zu sein, juristisch gegen solche Seiten vorzugehen: Die USA stufen die freie Meinungsäusserung tendenziell höher ein als das Recht auf Privatsphäre und am eigenen Bild. Anwälte von Opfern probieren deshalb andere Strategien aus, etwa Verstösse gegen Urheberrecht oder:

« In addition to pursuing the copyright angle, [a lawyer] said he's working with two victims who say they were under 18 in photos that have been featured on [the site]. If that's true, [the site] might be liable under child pornography laws. »

Technik und Business der Playstation 4

In der Berichterstattung um die Ankündigung der Playstation 4 sticht die Website Eurogamer heraus: Chefredaktor Tom Bradwell führte ein ausführliches Interview mit Shuhei Yoshida, dem Präsidenten von Sony Computer Entertainment. Und schwärmt, wie sehr sich Yoshida im Gegensatz zu vielen anderen bemühe, echte Antworten zu geben:

« I've interviewed […] plenty of bigwigs over the years, but Yoshida […] is the only one who won't take every chance to spin or guide you back to the message. »

Und natürlich analysiert der Technik-Spezialist von Eurogamer, Richard Leadbetter, die bekannten Spezifikationen der PS 4. Er schwärmt vom vielen RAM, den der Grafik-Prozessor zur Verfügung haben wird (8 GB GDDR5), ist sonst aber eher verhalten – man werde wohl noch länger nur Demos sehen, die nicht auf der Konsole, sondern auf PCs laufen. Damit bleibt es schwer, das Potential der Maschine abzuschätzen.

« There's a sense that the power is there, that we've only seen the vaguest of hints of what it's truly capable of - and that it'll take time for game-makers to fully understand quite what to do with the new tools they have available. »