Digital am Sonntag, Nr. 74: Edward Snowden

Das Thema dieses Wochenende ist klar: das prächtige Interview mit Edward Snowden im Magazin «Wired».

Entspanntes Lesen in bequemen Sesseln.

Bildlegende: Lesen und nachdenken über: Edward Snowden. Gaetan Bally/Keystone, Wired, Montage SRF

Diese Woche muss ich nicht lange überlegen, welchen Artikel ich euch ans Herz legen möchte: Für die Oma aller Internet-Magazine «Wired» führt James Bamford ein ausführliches Interview mit Edward Snowden.

James Bamford: «Edward Snowden: The most wanted man in the world»

Das ist für «Wired» ein spektakulärer Coup. Denn James Bamford ist ein preisgekrönter Autor und NSA-Spezialist, der den Geheimdienst seit den 80er-Jahren beobachtet und immer wieder mit Buchveröffentlichungen piesackt. «Wired» konnte im NSA-Skandal bis jetzt, wie die meisten, nur das Original-Reporting anderer wie dem «Guardian» oder «The Intercept» von Glen Greenwald verfolgen. Das muss geschmerzt haben. Jetzt melden sie sich eindrücklich zurück.

Und Snowden liefert dann auch gleich mehrere saftige Details, die man alle so noch nicht kannte. «Wired» ergänzt das Portrait deshalb mit weiteren Artikel und auch andere Blogs sprangen auf.

«MonsterMind»

Die NSA soll ein Programm namens «MonsterMind» entwickelt haben, das automatisiert auf Angriffe auf kritische Netzwerkinfrastruktur antworten können soll. Also eine Software, die Angriffe erkennt und selbständig «zurückschiesst». In einem separaten Artikel fasst «Wired» das Programm und seine potentiellen Gefahren zusammen.

Dieses Programm ist eine gefährliche Idee, weil es möglicherweise der Politik die Kontrolle über eine Antwort auf einen Angriff entzieht. Dass die NSA überhaupt ernsthaft so etwas bauen könnte, sagt viel über die inneren Gedankengänge eines Geheimdienstes aus, dem seit 9/11 kaum noch Schranken gesetzt wurden.

Kim Zetter, «Meet MonsterMind, the NSA Bot That Could Wage Cyberwar Autonomously»

NSA hängt Syrien ab

Das Tech-Blog «Ars Technica» findet die Behauptung Snowdens im «Wired»-Artikel spannend, dass der grossflächige Internet-Ausfall in Syrien Ende November 2012 nicht etwa dem Assad-Regime zuzuschreiben sei. Sondern dass es die NSA gewesen sei, die in einem «oh shit moment» das Netzwerk Syriens beschädigt habe. Eigentlich habe die NSA lediglich den Verkehr aus Syrien umleiten wollen, um ihn abhören zu können. Dabei sei ein Fehler unterlaufen, der zum Ausfall führte. Solche Fehler machen das oben genannte «MonsterMind» noch bedrohlicher.

Sean Gallagher, «Snowden: The NSA, not Assad, took Syria off the Internet in 2012»

Versteckte Hinweise nicht gefunden

Und dann kann es sich Snowden nicht verkneifen, auch ein bisschen den Macker raushängen zu lassen. Er sagt, er habe Hinweise hinterlassen für die NSA, welche Dokumente er entwendet habe. Die NSA sei aber nicht in der Lage, diese Hinweise zu finden.

Bamford zitiert Snowden so:

«  [Snowden] hoped, the agency would see that his motive was whistle-blowing and not spying for a foreign government. It would also give the government time to prepare for leaks in the future […]. But he believes the NSA's audit missed those clues and simply reported the total number of documents he touched — 1.7 million. […] ‹I figured they would have a hard time,› he says. ‹I didn't figure they would be completely incapable.› »

Andy Greenberg, «Snowden: I Left the NSA Clues, But They Couldn’t Find Them»

Am Wochenende hat man Zeit. Deshalb stellen wir hier jeden Freitag die Artikel zu Digital-Themen zusammen, die wir lesens- und bedenkenswert finden. Setzt euch zu uns in die bequemen Sessel dieser «chambre de réflexion digitale»!

Habt auch ihr einen Tipp? Sagt es uns.