Digital am Sonntag, Nr. 8: Drohnen of Duty

Am Wochenende hat man Zeit zum Lesen. Deshalb stellen wir hier jeden Freitag die Artikel zu Digital-Themen zusammen, die wir lesenswert finden.

Entspanntes Lesen in bequemen Sesseln.

Bildlegende: Es muss nicht immer Zeitung sein. Gaetan Bally/Keystone

Drohnen für Journalisten

Nicht nur Barack Obama ist ein Fan von Drohnen. Auch Journalisten könnten sie sich in Zukunft zunutze machen. In den Journalismus-Lehrgängen der Unis von Nebraska und Missouri wurden experimentelle Kurse aufgenommen, in denen Studenten lernen, wie Drohnen zu journalistischen Zwecken eingesetzt werden können. Neal Ungerleider beschreibt für das Wirtschafts-Magazin Fast Company ein Beispiel: Eine Drohne könnte mit Luftbildern die Auswirkungen einer Dürre illustrieren. Oder Wasserproben aus einem Fluss sammeln. Das Werkzeug ist umstritten:

« [T]he idea of drone journalism has raised concerns from both civil libertarians and legislators. There is fear the same technology could be employed by overzealous police departments, private investigators, and peeping toms – and some politicians are simply afraid of […] paparazzi being able to deploy flying cameras at will. »

Datenschutz: Schützen oder Verhindern?

Michael Seemann beschäftigt sich im Blog «Ctrl+Verlust» schon länger mit der Realität, dass wir immer mehr die Kontrolle über unsere Daten verlieren – und warum das, entgegen der verbreiteten Meinung, gut sei. Nun stellt er die «Gretchenfrage Big Data» und meint, dass der Datenschutz (der ja strenge Kontrolle von personenbezogenen Daten fordert) nicht mehr beschützt, sondern beschränkt – und dass wir uns deshalb strengen Datenschutz in Zukunft schlicht nicht mehr leisten können. Eine provokante These, die er zum Beispiel mit der Notwendigkeit des Smart Grid begründet (diesbezüglich hat ja bereits auch unser Schweizer Datenschützer den Warnfinger hochgehalten). Weil wir uns der Realität stellen müssten, dass unsere Ressourcen beschränkt sind, dürfe die Privatsphäre nicht mehr das höchste Gut sein. Sondern müsse aufgegeben werden, um unsere Ressourcen intelligenter nutzen zu können:

« Wir können uns nicht leisten, auf regenerative Energie zu verzichten. Dafür aber brauchen wir intelligente Stromnetze, die in Echtzeit Strom dorthin schicken, wo er gebraucht wird. »

Wie ein richtig schlechtes Spiel entsteht

Ich kann mich nicht erinnern, wann das letzte Mal ein Spiel dermassen einhellig und kraftvoll in der Luft zerrissen wurde wie «Aliens: Colonial Marines». Jason Schreiber ergründet nun im Game-Blog Kotaku, wie das Spiel so schlecht werden konnte. Es scheint eine gifitge Mischung aus Bürokratie, zu vielen Köchen, zu unterschiedlichen Firmenphilosophien und Termindruck gewesen zu sein:

« With three companies involved in decision-making, bureaucracy was inevitable. […] Another issue: incompatible management styles. […] While [they] knew that they didn't have enough time to fix this disaster of a project, […] they felt like they couldn't ask for another extension. Not after seven years. »

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Matt Matthews analysiert für das Industrie-Blog Gamasutra die US-amerikanischen Verkaufszahlen der Top-Hits der letzten beiden Konsolen-Generationen. Während zur Zeit von Playstation 2 und Xbox die «Grand Theft Auto»- und «Madden NFL»-Serien dominierten, ist die Generation der Playstation 3 und Xbox 360 fest in den Händen von «Call of Duty». Die Plätze 1, 2, 4, 5 und 8 belegt die Serie, mit geschätzt fast 65 Millionen verkauften Exemplaren total. Nur die Wii konnte diese Phalanx durchbrechen. Matthews beobachtet einen grossen Graben:

« This chart hammers home just how bifurcated the market has become […]. On the one hand you have two HD platforms, […] that largely play host to M-rated combat titles which are defined by their cutting-edge graphics and online multiplayer. On the other you have E-rated games by Nintendo that focus on family-and-friends local multiplayer and cartoon-style graphics. »

Die Dominanz von «Call of Duty» untermauert auch eine These, die ich beim Erscheinen von «Call of Duty: Modern Warfare 2» formuliert habe: Amerika benutzt diese Kriegsspiele auch, um die traumatische Erfahrung des dauerhaften Kriegszustandes seit 9/11 zu verarbeiten.