Der Software gewordene LSD-Trip

«Dyad» ist ein Indie-Game mit schmaler Prämisse: Alles was du tun must, ist durch eine Röhre voller Neon-Gewitter zu rasen und Lichtpunkte zu greifen. Das ist aufregend und meditativ zugleich – bloss Epileptiker sollten hier besser wegschauen.

Eine computergenerierte Farbexplosion.

Bildlegende: Farbexplosion: Wer lange genug ins Bild schaut kann kein Segelschiff erkennen. ][ Games Inc.

Wenn ein Game allenthalben mit einem LSD-Trip verglichen wird, dann hat es zumindest auf visueller Ebene wohl etwas richtig gemacht. Und tatsächlich: «Dyads» Regenbogen-Gewitter und Neon-Explosionen wirken so hypnotisch, als hätte sich Jackson Pollock in einer «Tron»-Welt austoben dürfen.

Dabei ist das Spiel im Kern kein knallbuntes Halligalli, sondern eine fast schon meditative Angelegenheit: Highscores gelingen am besten, wenn du ganz ruhig vor dem Computer sitzt, in den Bildschirm schaust als könntest du dort meilenweit sehen, und alles um dich herum vergisst – am besten auch, dass du überhaupt spielst.

Pärchenterror

Ein Tunnelblick ist nötig, im besten Sinn des Wortes: Jeder Level von «Dyad» führt dich durch eine Röhre, in der du dich um die eigene Achse drehen kannst. In der Röhre sind türkis- und orangefarbene Lichtpunkte, die du mit einer Art Laser-Greifarm packen kannst.

Am besten immer zwei gleichfarbige Punkte nacheinander, denn das gibt Tempo (der Lateiner weiss: «Dyas» bedeutet «Zweiheit»). Und Tempo ist etwa in den Levels wichtig, die besonders schnell absolviert werden müssen. Andere heissen dich möglichst viele Lichtpunkte sammeln oder allen Hindernissen ausweichen.

Drei Sterne deluxe

Knallst du trotzdem in ein Hindernis, verlierst du kein Leben, wirst aber auf der Strecke ein Stück zurückgesetzt. Frühe Levels lassen sich so auf Anhieb durchlaufen. Später – mit jedem der 27 Levels kommen neue Aufgaben und Ziele hinzu – sind oft mehrere Anläufe nötig.

Vor allem, wenn du eine Etappe mit Bestleistung – drei Sterne! – absolvieren willst, um neue Herausforderungen freizuschalten.

Der musikalische Greifarm

«Dyad» ist nicht nur grafisch eine Freude. Der Sound (komponiert hat David Kanaga) steht den Farbspielen in nichts nach. Und er ist mehr als schöner Beiklang: Gleichfarbene Lichtpunkte machen auch die gleichen Töne, wenn du sie mit dem Greifarm packst. Wenn du rasend schnell durch die Röhre jagst, kannst du dich also auch an diesen Klängen orientieren.

Und je schneller du wirst, ja mehr du vergisst, überhaupt ein Spiel zu spielen, desto mehr hast du das Gefühl, der Neon-Greifarm sei dein Musikinstrument, die Wände des Tunnels das Notenblatt und die Lichtpunkte die Musiknoten, die du spielst. – Habe ich übrigens schon erwähnt, dass «Dyad» in seinen besten Momenten meditativ wirkt?

Hindernis oder Energiefeld?

Allerdings: Zuweilen treibt es die knallfarbene Grafik des Games zu bunt: Unter der bunten Hightech-Knalligkeit leidet die präzise Steuerung, all die Neonblitze und Farbschlieren nehmen die Sicht.

Dann fragst du, durch den Tunnel rasend: «Ist das dort vorne nun ein Hindernis, dem ich ausweichen muss, oder ein Energiefeld, das ich aufsam... BUMM! ...OK, es war wohl doch ein Hindernis.»

Konsequenter Kontrollverlust

Wenn das Resultat manchmal mehr vom Zufall abhängt als von guten Reflexen und genauer Steuerung, dann kommst du dir als Spieler machtlos vor. Das ist besonders frustrierend in einem Game, dessen langfristiger Reiz in der Perfektion liegt – in der Suche nach Bestzeiten, nach drei Sternen für alle Levels.

Andererseits ist der Kontrollverlust immerhin konsequent: Wenn ein Game sich schon alle Mühe gibt, wie Software gewordenes LSD zu wirken, dann kann niemand erwarten, dort jederzeit alles im Griff zu haben.

«Dyad» gibt es für PC und Playstation 3. Das Game ist für alle Altersklassen freigegeben.

It's Not a Tape, Bro!

It's Not a Tape, Bro!

Werbung mal lustig: Zum PC-Start von «Dyad» haben die Macher den Game-Trailer noch einmal überarbeitet. Damit daraus auch wirklich der coolste Trailer evar wird.