Monster bei Nacht, Teenager bei Tag

Andere Länder, andere Spielsitten: Im japanischen Rollenspiel «Persona 4 Golden» läuft vieles nicht so, wie wir das von westlichen Games gewohnt sind. Hier sitzt die Hauptfigur nämlich tagsüber in der Schule, erledigt Hausarbeiten und arbeitet in einem Nebenjob. Trotzdem toll.

Ein Screenshot des Computerspiels «Persona 4 Golden»

Bildlegende: Persona 4 Golden Freunde im Kampf – der links mit den Knopfaugen nervt. Screenshot

Es dauerte ganze zwei (!) Stunden, bis ich bei «Persona 4 Golden» mehr tun konnte als auf ein Knöpfchen zu drücken und meine Figur eine vorgegebene Antwortmöglichkeit wählen zu lassen. Zwei Stunden also, bis ich zum ersten Mal meine Persona in den Kampf schickte. Ein erhabener Moment, als wären alle meine kindlichen Allmachtsphantasien auf einmal wahr geworden. Und dazu spielte eine Metal-Band.

Schere, Stein, Monsterkampf

Eine Persona ist eine Art Geisterwesen, eine Facette der Persönlichkeit der Spielfigur, die sich vor dem Kampf beschwören lässt um in den Labyrinthen von Persona gegen Monster zu kämpfen. Personas können ganz verschieden aussehen, wie ein riesiger Roboter-Samurai etwa oder wie eine zarte Fee. Und sie haben unterschiedliche Stärken und Schwächen, die es im Kampf gezielt einzusetzen gilt.

Gekämpft wird wie bei Schere-Stein-Papier. Turn-based heisst das auf Englisch. Erst ist der Spieler dran und legt seinen nächsten Zug fest (ein Angriff, eine Verteidigung, etc.), dann folgen die Gegner und schliesslich der Kampf, bis eine der beiden Seiten keine Lebenspunkte mehr hat. Eine Spielmechanik, die man ausserhalb von Japans Rollenspielen kaum mehr findet. Hier ist sie elegant genug umgesetzt, um nicht antiquiert zu wirken.

Mysteriöse Morde, ein albtraumhaftes Labyrinth

Die Story: Unsere Spielfigur zieht für ein Jahr zu Onkel und Cousine aufs Land. Der Onkel ist Polizist und mit einer grausigen Mordserie beschäftigt. Die Opfer hängen kopfüber an Fernsehantennen, immer wenn sich der unheimliche Nebel über der Stadt lichtet.

Als eine Mitschülerin so zugerichtet gefunden wird, mache ich mich zusammen mit meinen Freunden auf die Suche nach dem Täter. Bald wird klar, dass die Morde mit dem Midnight Channel zusammenhängen, einer geheimnisvollen Welt hinter dem Fernsehbildschirm. Dort liegen albtraumhafte Labyrinthe, in denen ich gegen Monster kämpfe (die sogenannten Schatten) und versuche, das Geheimnis der Mordserie zu lüften.

Social Links helfen im Kampf

Je mehr man kämpft, desto mehr Erfahrung sammelt die Figur und desto stärker wird auch die Persona, beziehungsweise deren Personas, denn die Spielfigur hat die Fähigkeit, gleich mehrere solcher Avatare zu beschwören, sie miteinander zu mischen und so neue Personas mit neuen Fähigkeiten zu schaffen.

Auch ausserhalb des Labyrinths können Erfahrungspunkte gesammelt werden: Wenn die Spielfigur in der Schule sitzt, einem Hobby nachgeht oder in einem Teilzeit-Job arbeitet. Dabei schliesst sie neue Bekanntschaften – Social Links heisst das im Game – die über die Zeit stärker werden und zu neuen Verbündeten im Kampf gegen die Schatten führen.

Nach 100 Stunden ist noch nicht Schluss

So ist «Persona 4 Golden» eigentlich zwei Spiele auf einmal: Ein klassisches Japan-Rollenspiel bei Nacht und eine Teenager-Simulation bei Tag. Solche Simulationen – Romane im Anime-Stil, deren Handlung durch die Entscheide des Spielers mitbestimmt werden – sind in Japan äusserst beliebt. In unseren Breitengraden kennt man sie kaum.

Die Mischung aus fast schon banalen Alltagstätigkeiten, spannend geschriebener Horrorgeschichte und ungewohntem Spielerlebnis macht «Persona 4 Golden» zu einem ganz besonderen Spielerlebnis. Und einem ausgesprochen ausgiebigen: Als ich nach zwei Stunden erstmals mehr machte, als ein Knöpfchen zu drücken, warteten noch 100+ Spielstunden auf mich.

«Persona 4 Golden» gibt es für Playstation Vita. Das Game ist ab 16 Jahren freigegeben.