«Monster Hunter 3 Ultimate»: Dieser Titel sagt alles

Ein Spiel, das präzise hält, was der Titel verspricht: Wir jagen Monster, in der ultimativen Version.

Ja, manchmal ist es einfach – wie damals, als Seife noch «Seife» hiess und nicht «Soft Touch Cream Beauty Moment». In «Monster Hunter» machen wir genau das, was der Titel sagt: Wir jagen Monster. So simpel ist die Mechanik: Monster finden und bekämpfen. Stärkeres Monster finden und bekämpfen.

Messerscharfer Fokus

Wir tun das im Rahmen von Quests, Aufträgen einer Jäger-Gilde. Diese Aufträge gibt es in drei Geschmacksrichtungen: Entweder eine Anzahl Dinge sammeln (Fleisch, Hörner, Knochen); ein bestimmtes Monster erlegen oder eines einfangen. Wir dürfen dabei weder zu oft sterben noch eine Zeitlimite überschreiten, die allerdings grosszügig bemessen ist.

Jägerin mit Hut und Begleitern in den farbenfrohen Gassen einer Hafenstadt.

Bildlegende: In der Hafenstadt shoppen. Capcom

Darum herum können respektive müssen wir unsere Ausrüstung verbessern oder Essen und Kräuter besorgen. Doch auch das ist kein Selbstzweck, denn es dient ausschliesslich dazu, stärkere Monster bekämpfen zu können. Um einen schönen Helm zu schmieden, jagen wir also bestimmte Viecher und sammeln ihre Knochen. Oder wir sammeln Pilze und Kräuter, um daraus Stärkungs- und Heiltränke zu brauen – Verpflegung für die Jagd.

Wir können solche Aufträge alleine oder online zusammen mit anderen angehen. Die Monster sind dann etwas stärker und die Belohnungen besser.

Sperriger Einstieg

Im Gegensatz zu anderen Spielen dieser Art erhalten wir für die Monster-Kämpfe nicht Erfahrungspunkte (XP). Während dort mehr Kämpfe mehr Punkte und so eine stetig stärkere Spielfigur bedeuten, passiert hier kein automatischer Fortschritt über die Zeit. Stattdessen haben die Quests eine gewisse Schwierigkeitsstufe, die unserem Jäger-Rang entsprechen muss. Wenn wir sie schaffen, steigen wir auf und schalten so den Zugang zu schwierigeren Monstern frei.

Wir müssen also die Spielmechanik lernen. Welche Waffe, etwa Bogen, Schwert oder Lanze, passt am besten zu unserem Spielstil? Wie muss ich die Angriffe timen? Wie muss ich mich zum Monster positionieren? Wie verhält sich das Viech? Lernen und meistern führt zum Ziel, einfach Zeit reinpumpen nicht.

Das macht besonders den Einstieg in das Spiel etwas sperrig. Wir kämpfen nicht nur mit den Monstern, sondern mit der Kamera, mit der Bewegung, damit, dass wir ständig daneben hauen und unsere Flanken exponieren.

Befriedigung durch Kompetenz

Doch genau das macht den Reiz des Spiels aus. Wenn wir beginnen, uns etwas kompetenter zu fühlen, wenn ein schwieriges Monster endlich liegt, dann ist die Befriedigung umso grösser. Das ist der Kern des Spielerlebnisses: Eine kleine Rahmenhandlung gibt es zwar, aber die ist eigentlich irrelevant.

Ein Jäger in roter Rüstung flüchtet vor einem aufgebrachten Schlammvieh.

Bildlegende: Den hätten wir vielleicht nicht reizen sollen. Capcom

Nein, die Monster sind die Hauptattraktion des Spiels. Und sie sind schlicht grossartig gestaltet. Sie verhalten sich abwechslungsreich, sehen beeindruckend monsterig aus. Ihre Schreie und Animationen vermitteln glaubwürdig das Gefühl, mit einem echten Biest zu kämpfen. Die Kämpfe sind aufregende, dynamisch und anspruchsvoll. Also genau so, wie man das von einem Spiel mit dem Titel «Monster Hunter» erwarten würde – was aber natürlich leichter erwartet als umgesetzt ist.

Nicht entdecken, sondern abhaken

Andere mögliche Beschäftigungen vermeidet das Spiel bewusst. So hätte man auch die Welt erkunden können. Doch wir bewegen uns nicht wirklich frei in der Natur. Die Karten sind unterteilt in Gebiete. Zwischen diesen Gebieten bewegen wir uns durch «Türen», die jeweils ein kurzes Nachladen erfordern. Obwohl wir also draussen herum pirschen, bewegen wir uns faktisch in Räumen, nicht in einer offenen Welt.

Das wirkt sehr altertümlich und verhindert das Gefühl, eine lebendige Welt auf eigene Faust zu entdecken. Die Gebiete sind sogar nummeriert und Quests beziehen sich auf diese Nummer, z.B. «Die Raubtiere sind im Gebiet 6». Das unterstützt die Wirkung einer To-Do-Liste: Fange Monster X in Gebiet Y, sammle Z Objekte. Check, nächster Quest.

Sammeln und abhaken – das sind menschliche Grundbedürfnisse, die «Monster Hunter» direkt anspricht. Es sind die gleichen Bedürfnisse, die uns in «World of Warcraft» Erfolge oder Daily Quests erledigen lassen, die den Erfolg von Pokémon begründen. Abhaken gibt eine klare Struktur, schafft Ordnung in einer chaotischen Welt, gibt das befriedigende Gefühl, etwas erreicht und abgeschlossen zu haben.

Tri G HD Ultimate

«Monster Hunter 3» hat eine ziemlich verworrene Publikationsgeschichte: In Japan erschien «Monster Hunter Tri» schon im August 2009, noch für die Wii. Ein halbes Jahr später kam die Wii-Version auch nach Europa. Im Dezember 2011 erschien dann in Japan eine erweiterte Version (mehr Waffen, mehr Monster, neue Gegenden)  für die 3DS, unter dem Namen «Monster Hunter Tri G». Dann wurde die Grafik für die HD-Auflösung aufgemöbelt, die Wii-U-Version erschien unter dem Namen «Monster Hunter 3G HD Ver.» im Dezember 2012. Und nun haben es diese 3DS- und Wii-U-Versionen gleichzeitig auch zu uns geschafft, unter dem etwas vereinfachten Titel «Monster Hunter 3 Ultimate».

Felswände mit groben Texturen lassen das Alter des Spiels erahnen.

Bildlegende: Solche Felsen sind keine Augenweide. Capcom

Die Grafik der Wii-U-Version ist zwar in HD, kann aber stellenweise nicht verbergen, dass wir es hier eigentlich mit einem dreieinhalbjährigen Wii-Spiel zu tun haben. Fels- und Gras-Texturen beispielsweise sind nicht gerade eine Augenweide. Dafür können Spielstände zwischen der 3DS und der Wii U frei ausgetauscht werden, für Jagdausflüge unterwegs.

Auch ausserhalb Japans?

Die «Monster Hunter»-Serie war bis jetzt fast ausschliesslich in Japan erfolgreich. Über 22 Millionen Exemplare wurden bisher verkauft. Im Westen hat es bis jetzt kaum Klick gemacht, was Hersteller Capcom mit «Monster Hunter 3 Ultimate» nun zu ändern hofft.

Ich bin nicht sicher, ob das klappt. Erste Zahlen sind zwar nicht schlecht, «Monster Hunter 3 Ultimate» ist etwa in Grossbritannien auf Platz 7 der Verkaufshitparade eingestiegen, vor beispielsweise «Sim City». Die Wii-U-Version machte gar rund die Hälfte aller verkauften Spiele für diese Plattform in dieser Woche aus.

Doch «Monster Hunter» ist ein messerscharf fokussiertes Spiel: Es geht darum, starke Monster zu erledigen. Es ist anspruchsvoll, wir müssen die Spielmechanik selber lernen, begreifen, welche Waffe am besten zum eigenen Spielstil passt, gezielt an der Ausrüstung arbeiten, diszipliniert die eigenen Fähigkeiten verbessern und das Verhalten des Monsters lernen. Es nimmt uns dafür nicht an der Hand. Die Belohnung für diese Arbeit ist eine tiefe Befriedigung, wenn das Riesenmonster liegt. Doch der Weg dorthin ist lang und steinig – und wohl schwierig zu akzeptieren für Spieler, die konstante Belohnungsmaschinen gewohnt sind.

«Monster Hunter 3 Ultimate» weiss genau, was es will und setzt es absolut konsequent um. Dafür verdient es Respekt – auch wenn es so wohl ein breiteres Publikum opfert.

«Monster Hunter 3 Ultimate» gibt es für die Wii U und die 3DS. Es ist ab 12. Das Haikiew ist hier.