Review: «Mario Kart 8»

Das Kart-Rennspiel von Nintendo ist seit über zwanzig Jahren perfekt. Auch diese achte Ausgabe macht nichts falsch, lässt uns stattdessen auf grossartigen neuen Strecken rasen. Das Spiel ist brutal und ungerecht – und genau deswegen so gut.

Life's a bitch and then you die.

Und wenn du da liegst in deinem Saft und du gen Himmel schaust und das Schicksal verfluchst und dich fragst, warum ich, warum immer ich, dann fährt Luigi an dir vorbei und starrt dich eiskalt nieder.

Du hast verloren. Nicht weil du es verdient hättest. Nicht weil du etwas falsch gemacht hast. Einfach so. Du verlierst. Er gewinnt. Das Leben ist nicht fair.

Die unglaubliche Serie, die nicht abreisst

«Mario Kart» ist ein Phänomen. Es ist wohl eines der ganz wenigen Spiele, das alle kennen. Über 100 Millionen Exemplare der Serie wurden in den letzten zwei Jahrzehnten verkauft. Und jede Ausgabe ist gut. «Mario Kart» ist immer einer der wichtigsten Titel für die Plattform, auf der sie erscheint: seit dem Super Nintendo Entertainment System, über die N64 und die DS – und jetzt auf der Wii U. Mit 1,2 Millionen verkauften «Mario Kart 8» am ersten Wochenende ziehen sogar die Verkäufe dieser bis jetzt eher gefloppten Konsole an.

Das ist eine unglaubliche Erfolgsserie, und als Game-Kritiker wartet man irgendwie darauf, dass sie abreisst. Dass Nintendo ein «Mario Kart» verbockt. Nun, auch diese achte Ausgabe tut uns diesen Gefallen nicht. Die ist – wieder – perfekt.

Drei Runden Chaos

Die Rennstrecke hoch oben auf farbigem Kirchenfensterglas.

Bildlegende: Regenbogen-Boulevard: Schon immer meine Lieblingsstrecke. Nintendo

Für die drei unter euch, die unter einem Stein leben und noch nie ein «Mario Kart» gespielt haben: Wir fahren drei Runden in knallbunten Gokarts. Wenn wir durch glitzernde Glasboxen mit Fragezeichen durchfahren, erhalten wir zufällig einen Gegenstand, der uns einen kleinen Vorteil verschafft und den Gegnern das Leben schwer macht. Beispielsweise eine Banane, die wir hinter uns auslegen können, damit der nachfolgende Kart ins Schleudern gerät. Oder einen roten Stachelpanzer, der einen Gegner vor uns sucht und über den Haufen wirft. Wir können schubsen, im Windschatten fahren und durch die Kurven driften. Wir machen das allein gegen elf computergesteuerte Gegner unterschiedlicher Schwierigkeitsstufen. Oder gegen menschliche Fahrer, zu zweit auf dem Sofa oder online.

Auch wer ältere «Mario Kart»-Versionen kennt, hat dennoch Gründe, diese neue Ausgabe zu spielen. Es sind weniger die neuen Gegenstände wie der Bumerang oder die fleischfressende Pflanze, die man in einem Topf vor sich herfährt und die Münzen und Gegner in der Nähe auffrisst. Und wir können nicht mehr zwei Gegenstände gleichzeitig aufnehmen (siehe Box).

Die wichtigen Neuerungen sind stattdessen: sehr flexible Karts; Replay-Funktion; und die schlicht grossartigen Strecken.

Karts für jeden Fahrstil

Wir können uns einen Kart aus Chassis, Rädern und Fallschirm frei zusammenstellen und damit seine Eigenschaften (Beschleunigung, Spitzentempo, Gewicht etc.) sehr präzise unserem bevorzugten Fahrstil anpassen. Fahren wir gerne leicht und schnell vorne weg? Rammen wir lieber im Nahkampf Gegner aus dem Weg? Jede Kombination ist möglich, sowohl Extreme als auch hybride Kompromisse.

Toll ist auch die Replay-Funktion. Die besten Momente des Rennens werden dramatisch in Slow Motion gezeigt und verdichten das Rennen so auf kleine Geschichten der Rivalität. Der Modus hat online bereits zu Unmengen an Videos und animierten GIFs geführt, die besonders spektakuläre Momente eines Rennens darstellen oder den eiskalten Blick Luigis veräppeln, wenn er Gegner überholt.

Achterbahn statt flacher Rundkurs

Das Glanzstück der achten Ausgabe sind aber die Strecken. Wie üblich gibt es neue Strecken, 16 sind es diesmal. Dazu kommen bekannte Strecken aus älteren Versionen, die neu interpretiert werden, noch einmal 16. Vielleicht eine oder zwei mag ich nicht sonderlich, alle anderen sind auf ihre Art spannend. Das allein ist schon eine beachtliche Leistung.

Mario auf Motorrad vor einem Korkenzieher und Looping.

Bildlegende: Da hinten geht's dann hoch. Hui! Nintendo

In «Mario Kart 8» sind diese Strecken – erstmals in HD-Grafik – nicht nur knallbunt, detailreich und damit grossartig anzusehen. Sondern sie sind auch sehr dreidimensional. Dort ein Looping, da eine Steilwandkurve oder ein Korkenzieher, hier Sprünge in luftigen Höhen, dort Unterwasserabschnitte. Oft fühlen wir uns weniger auf einer Gokart- als auf einer Achterbahn (Ha! Acht!).

Computergegner gibt es in drei Schwierigkeitsgraden, den Klassen 50cc, 100cc und 150cc. Während ich in den ersten beiden fast immer ungehindert zum Sieg fuhr, springt der Schwierigkeitsgrad in der 150cc-Klasse deutlich an. Dort müssen wir hart kämpfen, die Strecken gut kennen, die Gegenstände strategisch ideal einsetzen, jeden Drift und Boost optimal nutzen, keine Fahrfehler mehr begehen.

Brutale Rennen online

Was uns dann für die hammerharte Frustbarriere der Online-Rennen vorbereitet. Da werden Siege plötzlich zu absoluten Ausnahmen. Stattdessen rasen uns die Gegner um die Ohren und bombardieren uns mit Bananen und Stachelpanzern, dass wir mehr schlingern als fahren.

Eine überhängende Steilwandkurve mit Wario und Wendy.

Bildlegende: Wheeee! Nintendo

In der Lobby zwischen den Rennen kann man sich mit den Gegnern unterhalten, indem man per Knopfdruck einen Satz aus einigen vorgegebenen Optionen auswählt. Ich muss zugeben, dass ich meistens nur einen von zwei Sätzen schreien wollte: «Ihr verdammten Arschlöcher!» oder «Haaaaa! Fuck all y'all!». Wohlweislich steht weder der eine noch der andere zur Auswahl.

Online müssen wir uns auf ganz, ganz schlimme Momente gefasst machen. Wir waren eigentlich ganz gut unterwegs und haben uns schon Chancen auf eine Medaille ausgerechnet. Doch zwei Kurven vor der letzten Zieldurchfahrt trifft uns ein roter Stachelpanzer, jemand rammt uns zur Seite, wir hängen an einer Bande fest, werden gleich noch einmal geschubst und so innert weniger Sekunden fünf Plätze nach hinten durchgereicht.

Die unfaire Sau überwinden

Das ist zwar im Grunde schon fair, weil alle gleichlange Spiesse haben. Aber es fühlt sich nie fair an. Wir sind in diesem Moment nie selber schuld. Im Gegenteil: Wir haben das Gefühl, alle Gegner hätten sich gegen uns – warum nur gerade uns? – verschworen. Es tut weh, jedes Mal.

Luigi blickt eiskalt nach hinten.

Bildlegende: Wem gefriert da nicht das Blut in den Adern? Nintendo

Um so süsser ist es, wenn wir nicht einstecken, sondern austeilen. Von dieser brutalen Dynamik lebt «Mario Kart». Das ist kein faires Spiel, weil das Leben nicht fair ist.

Andere Spiele versuchen genau deswegen, möglichst fair zu sein. Sie stellen nachvollziehbare, gerechte Regeln auf, die konsequent durchgesetzt werden. Sie verführen uns, diese ungerechte Welt zu verlassen und in eine bessere zu flüchten.

Nicht «Mario Kart 8». Es kommt zwar herzig daher, ist aber mit Abstand das brutalste Spiel von Nintendo. Es ist gnadenlos ungerecht und genau deswegen so gut: Wenn wir diese Sau überwinden, ist das unübertrefflich süss.

«Mario Kart 8» ist für Wii U. Das Haikiew ist hier.

Nicht mehr zwei Gegenstände

So war es bisher: Wir konnten einen Gegenstand aufnehmen, diesen aus dem Kart halten, aber noch nicht auslösen; dazu einen zweiten Gegenstand aufnehmen.

Das geht jetzt nicht mehr. Überraschenderweise fehlte mir diese strategische Option nicht. Es verkürzt die Strecke, auf der wir Gegenstände einsetzen können, aber vereinfacht dafür die Handhabung.