Immer frische Kräuter aus dem digitalen Gärtchen

Pfannenfertige Mini-Indoor Plantagen für die Küche liefern frische Kräuter und Gemüse das ganze Jahr – und das alles mit wenig Pflege. Kann man so eine Plantage nicht selbst basteln? Wir wagen ein Experiment: Salat aus der eigenen Hydrokultur.

Unter den Hobby-Gärtnern scheint sich einzig beim Hanfanbau die Hydrokultur kritiklos durchgesetzt zu haben. Das wird schnell klar, wenn man nach Informationen und Zubehör für dieses Verfahren sucht: Von Anleitungen zum Cannabis-Anbau über Dünger und Lampen bis zur fertigen Anlage für mehrere tausend Franken – im Netz ist alles zu haben.

Dem Gemüse hingegen, das nicht aus dem klassischen Gartenbau stammt, haftet ein negatives Image an. Es gilt als wässerig im Geschmack, die Produktionsweise als unnatürlich. Hobby-Gärtner, die ihren Salat in einer Hydrokultur ziehen, sind, wie man so sagt, dünn gesät.

Salat aus der eigenen Hydrokultur

Wir möchten wissen, wie viel Technik es für die eigene Salat-Hydrokultur braucht – und ob das Gemüse tatsächlich schlechter schmeckt. Wir wagen deshalb ein Experiment und basteln uns eine Hydrokultur.

Dazu haben wir uns folgende Ausrüstung besorgt:

  • Eine lichtundurchlässige Box mit Deckel
  • Pflanzentöpfe für Hydrokulturen
  • Eine Aquariumpumpe mit Schlauch und Ausströmstein
  • Dünger

Die Bastelanleitung findet sich im Video – doch keine Eile. Bevor es losgehen kann, müssen zuerst die Salat-Samen zum Keimen gebracht werden. Und das braucht seine Zeit.

Der Kräutergarten à la Nasa

Gerät mit Lampe, in dem drei verschiedene Kräuter wachsen.

Bildlegende: Click and Grow: Verspricht das ganze Jahr hindurch frische Kräuter und Gemüse. Click and Grow

Wer nicht warten mag oder wem das Basteln einer Hydrokultur zu aufwändig ist, der kann auch auf fertige Systeme zurückgreifen, zum Beispiel auf den «Smart Herb Garden» von «Click and Grow», der auf den ersten Blick simpel aussieht.

Das digitale Kräutergärtchen aus Kunststoff besteht aus einem rechteckigen Behälter und zwei LED-Lämpchen. Im Preis enthalten sind sechs Becher mit verschiedenen Kräuter- und Gemüsesorten, darunter Basilikum oder Tomaten. Im Beet ist Platz für drei Pflanzen, die man nach Angaben des Herstellers während etwa fünf Monaten ernten kann.

Das Anpflanzen – vielleicht müsste man eher von Inbetriebnahme sprechen – gestaltet sich einfach. Man füllt Wasser in den Behälter, schliesst ihn an das 220Volt-Stromnetz an und drückt schliesslich drei Becher mit den Pflanzen in den Behälter. Dadurch wird ein Loch in den Boden gebohrt, was ein schönes Klick-Geräusch verursacht – daher der Name «Click and Grow».

Von nun an werden die Pflanzen von unten mit Wasser und von oben mit Licht versorgt – und das sehr ausgiebig. Die beiden LED-Leuchten geben während 16 Stunden am Tag sehr viel Licht ab. Das scheint den Pflanzen gut zu bekommen, denn man kann buchstäblich zusehen, wie sie wachsen.

Anders als Produkte wie etwa «Herb:ie 23» (siehe Box rechts) ist der «Smart Herb Garden» keine echte Hydrokultur. Die Pflanzen gedeihen in einem Medium, von dem der Hersteller sagt, dass es sich nicht um normale Erde handelt – sondern um Nanopartikel die aus der NASA–Forschung stammten und die die Versorgung mit Sauerstoff gewährleisten.

Kaufen oder selbst bauen

Wir dagegen möchten lieber die Eigenbau-Variante ausprobieren. Der Grundstein für den Salat aus der selbst gebastelten Hydrokultur ist gelegt; wir haben ein fertiges System in Betrieb genommen. Ob unsere Box tatsächlich funktioniert? Und welcher Salat schmeckt wie? Mehr dazu an dieser Stelle in den kommenden Wochen.

Hydrokultur im Taschenformat

Zwei Kästen mit Kräutern, darüber eine Lichtquelle.

Herb:ie 23

Herb:ie 23 ist ein fertiges System für den Anbau von Kräutern und Salat. Das Produkt sieht sehr ähnlich aus wie der «Smart Herb Garden», basiert aber auf einem anderen Prinzip. Es ist eine Hydrokultur. Damit die Pflanze ausreichend versorgt wird, muss das Wasser mit Dünger und über eine Pumpe mit Sauerstoff angereichert werden.