Kunst gegen die Internetzensur

«Tools for the next Revolution». Unter diesem Titel zeigt das Kunsthaus Langenthal Werke der beiden Schweizer Künstler Christoph Wachter und Matthias Jud. Sie stellen Werkzeuge bereit, um die Zensur im Internet zu umgehen – und machen sie so sichtbar.

Die beiden Künstler stehen hinter einem Ihrer Objekte und lachen.

Bildlegende: Matthias Jud (links) und Christoph Wachter. Workshops sind Teil ihrer Projekte. Lucius Müller/SRF

«Tools for the next Revolution» – Werkzeuge für die nächste Revolution. Unter diesem Titel zeigt das Kunsthaus Langenthal vom 30. Mai bis zum 7. Juli Werke der beiden Schweizer Künstler Matthias Jud und Christoph Wachter. Ihre Kunst befasst sich mit der Freiheit von Information und besteht unter anderem selbst aus Computer-Programmen.

Viele Menschen in unseren Breitengraden glauben, das Internet sei ein freier Kommunikationsraum. Ein Irrglaube, wie Christoph Wachter betont. Zusammen mit Matthias Jud konzentriert er desshalb sein künstlerisches Schaffen seit über einem Jahrzent darauf, Zensur im Internet aufzuzeigen.

«  Uns interessiert die Nutzung des Internet in stark zensierten Situationen mit einem starken politischen Regime. »

Christoph Wachter

Hierzulande sind die Auswirkungen dieser Zensur noch unauffällig. Doch in Ländern mit totalitären Tendenzen wird die Meinungs- und die Informationsfreiheit der Menschen grundlegend beschnitten. Diesen Menschen stellen die beiden Künstler Werkzeuge zur Verfügung, um die Zensur zu umgehen und um bestehende Machtkonstitutionen zu unterwandern.

Auf einer Holzlafette sind zwei Lehre Belchbüchen angebracht, die ein WiFi Signal verstärken.

Bildlegende: WiFi-Richtantenne im Eigenbau erhöht die Reichweite des qaul.net Lucius Müller/SRF

Open Source gegen Zensur

Die Ausstellung im Kunsthaus Langenthal zeigt, dass diese Werkzeuge funktionieren. In den Räumen stehen selbstgebastelte WiFi-Antennen, die Computer und Handys zu einem selbständigen, drahtlosen Netzwerk verbinden, dem «qaul.net». «qaul» ist arabisch und bedeutet Rede, Wort oder Spruch. Die Software, die das qaul-Netz antreibt, stellen die Künstler als Open Source Code für alle gängigen Computer- und Handy-Betriebssysteme zur Verfügung. Ist sie einmal installiert, verbinden sich diese Geräte selbständig untereinander – unabhängig von staatlich kontrollierter Infrastruktur.

Kunst oder Cyber-Aktivismus?

qual.net ist keine Konzeptkunst; schon jetzt verbindet es Menschen in Konfliktregionen, in denen Kommunikations-Infrastruktur ausgefallen ist oder absichtlich gestört wird, wie etwa im kriegszerrütteten Syrien. Genauere Informationen zum dortigen Stand des Projektes möchten die Künstler nicht preisgeben, aus Angst, die Menschen vor Ort zu gefährden.

«  Ich glaube, das Museum ist der richtige Ort, um diese grundlegenden Fragen zu verhandeln. »

Christoph Wachter

Die Ausstellung «Tools for the Next Revolution» wirft gezielt die Frage auf, wo die Grenze zwischen Kunst und politisch motiviertem Cyber-Aktivismus verläuft.
Die Antwort bleibt dem Betrachter überlassen – und genau dafür braucht es die Begegnung im Kunstraum.