Mega viel Speicherplatz für mega wenig Geld

Ein Jahr nach der spektakulären Razzia auf seinen File-Sharing-Dienst Megaupload, meldet sich Kim Dotcom zurück. Mit Mega will der gebürtige Deutsche Kim Schmitz Diensten wie Dropbox oder Google Drive Konkurrenz machen.

Ein beleibter Mann steht inmitten einer Gruppe von Models in Polizeiuniformen.

Bildlegende: Models statt Polizisten: Bei der Mega-Präsentation spielt Kim Dotcom seine Verhaftung vor einem Jahr nach – allerdings mit schönerem Personal. Reuters

Der Ansturm auf Mega scheint gewaltig: Auch Tage nachdem die Seite am 19. Januar online ging, ist sie oft nur schwer zu erreichen. 100.000 Nutzer sollen sich allein in der ersten Stunde registriert haben, am Ende des Tages sprachen die Macher schon von einer halben Million angemeldeten Nutzern. Mittlerweile soll deren Zahl auf über 1 Million gewachsen sein.

Das sind gewaltige Zahlen für einen Dienst, der eigentlich nichts anderes bietet als bestehende Angebote wie Dropbox, Google Drive oder Microsoft SkyDrive: Der User kann seine Dateien auf die Server von Mega laden und danach von überall her darauf zugreifen und sie mit anderen Teilen. Doch während es bei Dropbox und Co. vor allem um persönliche Dokumente, Arbeitsunterlagen oder Fotos geht, scheint Mega die grossen Files im Visier zu haben: Filme zum Beispiel oder Musikalben.

Viel Speicherplatz für wenig Geld

Giraffen-Statuen auf Kim Dotcoms Anwesen in Neuseeland.

Bildlegende: Klotzen, nicht kleckern I: Giraffen-Statuen auf Kim Dotcoms Anwesen in Neuseeland. Reuters

Entsprechend gross ist der Speicherplatz, den Mega seinen Benutzern zur Verfügung stellt: 50 Gigabyte sind gratis, wer mehr will, zahlt: 10 Euro im Monat für 500 Gigabyte zum Beispiel, oder gleich 4 Terrabyte für 30 Euro im Monat. Im Vergleich zur Konkurrenz ein unschlagbares Angebot. Dropbox etwa bietet seinen Benutzern 2 Gigabyte gratis, wer 500 Gigabyte, will zahlt 50 Dollar im Monat.

Mit diesem Geschäftsmodell ist Mega um den Faktor 20 billiger als die Konkurrenz. Wie sich das für die Betreiber rechnen soll, ist fraglich. Allerdings ist noch nicht klar, wie viele zusätzliche Einnahmen Mega generieren wird, etwa durch Werbung.

Verschlüsselte Dateien

Kim Dotcom, der Mann hinter Mega, ist eine der schillerndsten Figuren der Internetbranche. 1974 in Kiel als Kim Schmitz geboren, wurde er mit seinem Dienst Megaupload zum Schreckgespenst von Filmstudios und Musikbranche. Im Gegensatz zu Megaupload soll bei Mega aber alles mit rechten Dingen zugehen und der Dienst keine File-Sharing Plattform sein.

Zwar kann der Benutzer seine Daten auch hier mit anderen tauschen, doch um sie lesen zu können, ist nicht nur der Link dazu nötig, sondern auch ein Schlüssel, um sie zu entschlüsseln. Die Betreiber betonen, dass sie keine Ahnung haben, was alles auf ihren Servern lagert, da die Files schon beim Heraufladen verschlüsselt werden. Allerdings: Schon kurz nach dem Start von Mega hat in Fachkreisen eine Diskussion begonnen, wie sicher diese Veschlüsselung wirklich ist.

Ein eigennütziger Robin Hood

Die Popularität von Mega (und zuvor auch Megaupload) hat in nicht geringem Mass auch mit der Figur Dotcom/Schmitz selbst zu tun. Mit markigen Sprüchen und bizarren Posen ist er zum Liebling der Medien geworden, denen selbst ein übergewichtiger Paradiesvogel lieber ist, als ein mediengeschulter Manager, der die immergleichen PR-Phrasen drischt.

Dotcom inszeniert sich als tapferer Kämpfer gegen die Hollywood-Studios und den langen Arm der US-Justiz. Dabei ist er in seinem Geschäftsgebahren alles andere als uneigennützig: Die Profite von Mega-Upload setzte Dotcom kaum für den Kampf für ein freies Internet ein, sondern leistete sich in Neuseeland eine Luxusvilla mit protziger Einrichtung und Limousinenpark.

«Police in Helicopter»

Sechs Tänzerinnen in Militäruniform und kurzem Rock stehen vor einer Videoleinwand, auf der Kim Dotcom zu sehen ist, wie er in ein Mikrophon spricht.

Bildlegende: Klotzen, nicht kleckern II: Kim Dotcom/Schmitz lässt die Razzia auf sein Anwesen nachstellen – inklusive «Polizistinnen» in kurzen Röcken. Reuters

Dass er bei seinen Fans nun trotzdem als eine Art Robin Hood gilt, hat auch mit dem Vorgehen seiner Gegner zu tun: Nicht nur hat ihn der neuseeländische Geheimdienst unerlaubterweise abgehört (wofür sich Premierminister John Key später entschuldigte); bei der auf Drängen des FBIs durchgeführten Razzia kamen auch Polizisten zum Einsatz, die schwer bewaffnet aus Helikoptern abgeseilt wurden.

Diesen exzessiven Polizeieinsatz nahm Dotcom bei der Präsentationsfeier von Mega gleich selbst auf die Schippe: Er liess die Razzia nachstellen: mit falschen FBI-Helikoptern und Tänzerinnen in sexy Militäruniformen.