«Ohlala»: Du zahlst, ich leiste dir Gesellschaft

Eine neue App erleichtert bezahlte Dates – ob es dabei auch um Prostitution geht, wollen die Betreiber nicht wissen. Im Juni kommt die App in die Schweiz.

Ein Mann und eine Frau sitzen beim romantischen Dinner - die Frau denkt an Geld, der Mann an die Zeit, die er mit der Frau verbringt. Was nach dem Essen passiert, bleibt den beiden überlassen.

Bildlegende: «Ohlala» verspricht bezahlte Dates zwischen Männern und Frauen – die Männer posten, die Frauen antworten. Collage SRF/Colourbox

Das Prinzip ist simpel: Ein Mann füllt ein Online-Profil aus und listet auf, was er von einem Date erwartet. Seine Wünsche, die Dauer und die Bezahlung. Bei «Ohlala» registrierte Frauen können innerhalb von 21 Minuten auf die Anfrage reagieren und mit dem Mann in Kontakt treten. Erst dann können beide miteinander chatten, sich verabreden und die Details klären. Und bis zu diesem Zeitpunkt sieht der Mann überhaupt nichts von den Frauen, die auf der Plattform angemeldet sind.

«  Uns interessiert nicht, was bei einem Date geschieht. »

Pia Poppenreiter
Gründerin und CEO von «Ohlala»

Das ist der Clou von «Ohlala», der bisherige Strukturen auf den Kopf stellt. In der gängigen Konstellation bieten sich Frauen an, die Männer wählen aus. Bei «Ohlala» ist es umgekehrt: Die Frauen wählen aus, was ihnen zusagt. «Bezahlte Dates» nennt dies Pia Poppenreiter, Gründerin und CEO von «Ohlala». Vehement wehrt sie sich gegen das Etikett, ihr Dienst fördere die Prostitution.

«Wir machen keine Webapp, die Freier an Sexarbeiterinnen vermittelt. Deswegen können wir auf keinen Fall bestätigen, dass wir Freier und Prostituierte in Kontakt bringen», so Poppenreiter. «Ohlala» wolle grundsätzlich nicht wissen, was bei den Rendezvous geschehe, die sie vermittelt – das sei eine Privatangelegenheit. Egal, ob Kuscheln, Theaterbesuch oder Sex.

«  Es gibt keinen Unterschied zu einer Escort-Seite »

Rebecca Angelini
Mediensprecherin der Fachstelle für Frauenhandel und Frauenmigration (FIZ)

Selbst wenn sich Pia Poppenreiter gegen den Vorwurf wehrt, die Sexarbeit zu fördern – Sex kann Teil dieser bezahlten Dates sein, die «Ohlala» vermittelt. «Ich sehe keinen Unterschied zu einer Escort-Seite, und das ist eine Form der Prostitution», sagt denn auch Rebecca Angelini, Mediensprecherin der Fachstelle für Frauenhandel und Frauenmigration (FIZ).

Daran sei aber auch nichts Verwerfliches: «So lange eine Frau selbstbestimmt die Dienstleistung anbietet, selber ihr Geld verwaltet, selber entscheidet, mit wem sie sich trifft und wie weit sie geht: Das ist eine selbstbestimmte Form der Sexarbeit, der Prostitution. Daran ist nichts Negatives», erklärt Angelini.

Sobald aber Drittpersonen dahinter stünden, die die Frau kontrollierten, ihr Geld verwalteten und ihre Selbstbestimmung wegnähmen, dann handele es sich um Ausbeutung. Und solche Mechanismen kämen überall vor; die könne auch eine App wie «Ohlala» nicht verhindern. Trotzdem sieht sie die App im allgemeinen Trend, in dem sich die Sexarbeit befindet: weg von der Öffentlichkeit und hin zu digitalen Formen, die weniger sichtbar seien.

Mehr Sicherheitsvorkehrungen und ein Bezahlsystem

Missbrauch versucht «Ohlala» zu verhindern: Profile lassen sich verifizieren, neue Nutzerinnen und Nutzer müssen sich mit einer Telefonnummer identifizieren. Und was ist mit den gesamten Daten, die «Ohlala» über ihre Nutzerinnen und Nutzer hält?

Schliesslich zeigte der Hack des Seitensprungportals «Ashley Madison», wie heikel und begehrt solche Daten sein können. Pia Poppenreiter bekräftigt, die Sicherheit der Daten wäre von Anfang an wichtig gewesen – führt dies aber nicht weiter aus.

Der Dienst steckt aber noch in den Anfängen: Er ist kostenlos und noch verdient Poppenreiter nichts an der Plattform. Mit ihrem fünfzehnköpfigen Team hat sie also viel vor. Bislang verläuft der Bezahlvorgang bei einem Date auch noch in bar – Frauen müssen also vertrauen und nötigenfalls darauf bestehen, ihr Geld auch wirklich zu bekommen. Ein Schwachpunkt.

Ein Bezahlsystem ist deswegen in Planung. Damit könnte «Ohlala» auch über eine Kommission Geld verdienen, falls Dates erfolgreich vermittelt werden. Und eines Tages soll es auch möglich sein, dass Frauen nach Dates mit Männern suchen können.

Ab Juni in Zürich

Der Dienst läuft offenbar gut: Seit August 2015 ist «Ohlala» in Deutschland präsent und existiert mittlerweile in acht verschiedenen Städten. Rund 40‘000 Personen nutzen die Webapp.

Anfang März gelang der Sprung in die USA, die Webapp startete in New York und hat dort bereits zehntausend Nutzerinnen und Nutzer. Das, obwohl die USA ein schwieriges Pflaster ist, denn mit Ausnahme vom Bundesstaat Nevada ist die Prostitution verboten. Die Plattform hat in den USA deswegen auch viel grössere Wellen geworfen als in Europa. Trotzdem hätten sie keine Probleme gehabt, erklärt Poppenreiter, «wir haben natürlich Anwälte, wie jedes andere Startup auch».

Auch ein Ableger in der Schweiz ist geplant: Im Juni soll «Ohlala» nach Zürich kommen.

Sendehinweis

Wie «Ohlala» funktioniert ist am Donnerstagnachmittag auf SRF3 zu hören.