Religiöse Apps: Von der mobilen Bibel zum Gebets-Netzwerk

Von der handschriftlichen Bibel über die Erfindung des Buchdruckes bis zur Radio- und TV-Predigt: Die Geschichte der Religion ist stark beeinflusst durch technische Erfindungen. Wie sieht das im Zeitalter der Smartphones aus?

Die Bibel für unterwegs auf dem Handy oder auf dem Tablet gibt es in verschiedenen Varianten, in unzähligen Sprachen, Übersetzungen und Interpretationen. Meistens werden diese Apps dem Namen nicht so ganz gerecht, denn ausser Suchfunktion bieten sie kaum mehr als eine gedruckte Ausgabe des «Buches der Bücher» – sie sind eher vergleichbar mit elektronischen Büchern.

Profi-App mit Moral

Etwas weiter geht da die App YouVersion Bible, die für alle Plattformen verfügbar ist und durch professionelle Machart auffällt. Neben Notizen und Lesezeichen bietet diese App auch sogenannte Bibel-Lesepläne, Sammlungen von Bibelstellen zu ausgewählten Themen wie «Vergebung» oder «Sexualität», jeweils mit einer kurzen Einleitung versehen.

Ein Priester im gelben Gewand blickt auf sein Mobiltelefon.

Bildlegende: Religion und Technik: Scheinbar ein Gegensatz Keystone

Gerade durch diese Kommentare wird aber schnell klar, welche Haltung die Macher der App zu diesen Themen haben. Als Einleitung zum Leseplan «Sexualität» schreiben die Autoren etwa: «Gott erwartet von uns, dass wir rein bleiben, dass wir uns auf Seinen Geist verlassen und uns in Selbstbeherrschung üben.»

Das Nachschlagewerk

Zu einer anderen Kathegorie gehören Apps, die  als Nachschlagewerk dienen: Von der historische Kartensammlung aus biblischen Zeiten zu einem Stammbaumverzeichnis der biblischen Protagonisten bis zu einer Datenbank der katholischen Heiligen kann man jetzt alles jeder Zeit mit sich führen und unterwegs benützen.

Soziale Netzwerke

Sozial und technisch auf dem neusten Stand sind Apps, die gemeinsames Beten koordinieren, wie zum Beispiel die Webseite und Android App Prayer to Share. Mit dieser Applikation können Gebete veröffentlicht und geteilt werden. Man erhält so einen Einblick in das Schicksal Unbekannter, vom Liebesdrama bis zur unheilbaren Krebserkrankung, was manchmal schwer zu ertragen ist.

Fremde Menschen mit ihren Anliegen können so ins eigene Gebet miteinbezogen werden, was man über diese Apps auch vermerken kann - der «Like»-Button wird hier zum «Ich bete für Dich»-Button.

Wer steckt dahinter?

Das Angebot an Apps zum Thema Glauben ist gross. Viele Apps sind gratis, einige kosten, wobei sich die Preise im üblichen Rahmen bewegen. Die Motivation der Macher ist nicht immer klar, etwa bei einer Gratis-App, die eine Gebetssammlung zur Verfügung stellt, bei der Werbung für Auto-Occasionen eingeblendet wird.

Bei anderen Apps stehen Gruppierungen dahinter, die ihre eigene Haltung zum Glauben und Interpretation der Bibel verbreiten möchten. Wer das ist, bleibt häufig unklar. Man tut deshalb gut daran, Apps zuerst kritisch zu betrachten.

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Den Beitrag zu Religions-Apps hören Sie am Karfreitag Nachmittag auf SRF 1.