RoboCup 2017 Schweizer Roboterbauer: «Wir wollen Weltmeister werden!»

Zweimal haben es die Studenten der Höheren Fachschule für Technik Mittelland am RoboCup auf den zweiten Platz geschafft. Jetzt wollen sie den Erzrivalen der Technischen Universität Aachen endlich den Weltmeistertitel wegschnappen. Wir haben mit den Roboter-Bauern über ihre Siegeschancen geredet.

Sechs junge Männer in weissen T-Shirts legen sich die Arme auf die Schultern.

Bildlegende: Das «Team Solidus» der Höheren Fachschule für Technik Mittelland mit Joshua Heller (dritter von rechts). SRF / Reto Widmer

Joshua Heller ist optimistisch: «Wenn man zweimal Vizeweltmeister wurde, will man auch einmal Weltmeister werden. Und in diesem Jahr sollte das möglich sein». Ob es klappt, entscheidet sich vom 27. bis 30 Juli in Japan. Dort findet der 21. RoboCup statt. In Nagoya.

Junge Männer am Computer, einer fasst sich mit beiden Händen an den Kopf.

Bildlegende: Programmieren bis zum Umfallen, aber gut geschriebene Software ist für den Erfolg der Roboter entscheidend. SRF / Reto Widmer

Heller und seine 5 Kollegen von der Fachschule für Technik Mittelland (HFTM) werden dort als «Team Solidus» die Schweiz vertreten – als einziges Team ohne universitären Hintergrund wohlgemerkt.

Der RoboCup begann 1997 als Roboterfussball-Wettkampf und wird seither jährlich an wechselnden Orten auf der ganzen Welt ausgetragen. Seit einigen Jahren treten die Roboter nicht mehr nur auf dem Fussballfeld gegeneinander an.

In der «Rescue Robot League» messen sich die Maschinen zum Beispiel an Aufgaben, die es bei Katastropheneinsätzen zu bewältigen gibt. Im letzten Jahr nahmen 3500 Leute aus 45 Ländern am Wettkampf teil. In Nagoya dürften es ähnlich viele werden.

Roboter müssen flexibel sein

«Team Solidus» tritt in der «Logistics» an, die es seit 2012 gibt. In dieser Liga geht es um die Entwicklung von Robotern, die in einer industriellen Produktionsanlage selbstständig handeln können. Jedes Team hat drei Roboter, die eine Produktionskette bilden müssen.

Ein Kasten und eine Maschine stehen auf einem Fussboden, im Hintergrund junge Männer am Computer.

Bildlegende: Der Roboter (hinten links) muss alleine zur Maschine (Bildmitte) finden, ohne anderen Robotern in die Quere zu kommen. SRF / Reto Widmer

«Das funktioniert wie in der echten Industrie», sagt Joshua Heller. «Der Roboter geht bei einer Maschine ein fertiges Teil holen und bringt es zur nächsten, die es dann weiterverarbeitet».

Die Roboter müssen dabei autonom fahren und auch sonst alles selber machen. Sie müssen so programmiert sein, dass sie flexibel reagieren können. Denn wo die einzelnen Maschinen auf dem Spielfeld stehen werden, wissen die Teams nicht im Voraus.

Und die Roboter müssen auch aufpassen, dass sie den Robotern des gegnerischen Teams nicht in die Quere kommen, die auf demselben Spielfeld unterwegs sind.

Gelerntes in die Praxis umsetzen

In den letzten zwei Jahren gewann jeweils das Team der Technischen Universität Aachen den Titel und verwies die Schweizer auf den zweiten Rang. Die Deutschen können auch dieses Jahr vom Vorwissen profitieren, denn wie die meisten Teams treten sie am RoboCup wieder in der Besetzung des Vorjahres an. Die Technische Universität Aachen ist vergleichbar mit der ETH Zürich.

Das Team Solidus ist dagegen «nur» Fachhochschule und wird jedes Jahr mit neuen Schülern des zweiten Studienjahres besetzt. Die bereiten sich während gut eines halben Jahres auf den Wettkampf vor und setzen dabei das, was sie im Unterricht lernen, an den Wettkampfrobotern gleich in die Praxis um.

«Wir müssen sehr viel von unserer Freizeit investieren», sagt Joshua Heller. Immerhin: Das Projekt gilt als Diplomarbeit zum Abschluss des zweijährigen Vollzeit-Studiums für Systemtechnik. Und wenn sie diesmal gegen die potenten Deutschen gewinnen, wird das wirklich eine ganz grosse Leistung sein.