Stell dir vor es ist eine Computeranimation – und keiner bemerkts

Im Kino steht heute ausser den Hauptdarstellern oft nur noch der Greenscreen vor der Kamera. Fliegende Superhelden, riesige Raumschiffe und sogar Statisten und ganze Strassenzüge kommen aus dem Computer – vom Zuschauer meist unbemerkt. Wir haben die eindrücklichsten Beispiele gesammelt.

Ein Bild zeigt, wasim Film «Deadpool» aus dem Computer kommt und was echt ist.

Bildlegende: Links was gefilmt wurde, rechts was als CGI dazukam: Bei «Deadpool» spielte der Computer die eigentliche Hauptrolle. Vimeo/Atomic Fiction

Eine Rastergrafik zeigt in roten, orangen und gelben Pixeln die Sicht von Yul Brynners mechanischem Revolverhelden aus dem Film «Westworld».

Bildlegende: Diese Rastergrafik war die erste Computeranimation im Kino. Youtube/SRF

Es fing alles ganz harmlos an: Im Sci-Fi-Western «Westworld» von 1973 war zum ersten Mal eine computergenerierte 2D-Animation im Kino zu sehen. Sie war in grober Rastergrafik gerechnet und zeigte in roten, orangen und gelben Pixeln die Sicht von Yul Brynners mechanischem Revolverhelden.

Vier Jahre später ging Regisseur George Lucas mit «Star Wars» einen Schritt weiter und zeigte die erste animierte 3D-Grafik aus dem Computer: Eine 40 Sekunden lange Drahtgitter-Animation des Todessterns. Das Video unten zeigt die Animation, die im Film auf einer Leinwand im Hauptquartier der Rebellentruppen zu sehen ist:

«Star Wars» (1977)

Nach «Star Wars» begann der eigentliche Siegeszug der Computer Generated Imagery, kurz CGI. Und George Lucas wurde mit seiner Produktionsgesellschaft Lucasfilm und dem dazugehörenden Effekt-Studio Industrial Light & Magic zur treibenden Kraft der CGI-Revolution. So brachte Lucasfilm im Jahr 1985 auch den ersten vollständig computeranimierten Darsteller auf die Leinwand, einen gläsernen Ritter im Film «Young Sherlock Holmes». Für den Effekt war kein geringerer als der spätere «Toy Story»-Regisseur John Lasseter verantwortlich

Young Sherlock Holmes (1985)

So ein Kunststück war damals ein wahrer Publikumsmagnet, ebenso wie der Flüssigmetall-Terminator in «Terminator 2: Judgement Day» (1991) oder der T-Rex in «Jurassic Park» (1993). Heute hat sich die Aufregung gelegt. Nur der CGI-Effekte wegen geht wohl niemand mehr ins Kino. Die Zuschauer haben sich an die Technologie gewöhnt. Im schlimmsten Fall sind sie ihr gar überdrüssig geworden.

«Jurassic Park» (1993)

Doch wenn wir uns über CGI ärgern, dann immer nur über die schlecht gemachten Effekte: Seltsam kraftlose Explosionen etwa oder Sprünge von Superhelden, bei denen die Physik ausser Kraft scheint. Dass heute in vielen Filmen ganze Hintergründe oder Menschenmengen aus dem Computer kommen, nehmen wir gar nicht mehr wahr – weil sie sich diese Bilder kaum vom echten Material unterscheiden lassen.

Ein animiertes GIF zeigt, wie die Sprünge von Superhelden ohne die Hilfe des Computers aussehen – lächerlich, einfach nur lächerlich!

Bildlegende: Ohne CGI-Effekte springt auch Thor nur wie ein kleiner Junge. Imgur

Ein Beispiel: Als George Lucas' «Star Wars»-Prequel «Episode I – The Phantom Menace» 1999 ins Kino kam, wurde es von Publikum und Kritikern als leblos kritisiert. Ein Schuldiger war schnell gefunden: die digitale Nachbarbeitung, die bei fast jeder Einstellung – Lucas selbst sprach von 95 Prozent – zum Einsatz kam.

Im neusten «Star Wars»-Film «The Force Awakens» von 2015 sind aber noch mehr Szenen am Computer entstanden oder dort nachbearbeitet worden. Bloss fällt das heute niemandem mehr als störend auf, weil die CGI-Technik in den vergangenen Jahren so grosse Fortschritte gemacht hat.

«Star Wars: The Force Awakens» (2015)

Gute CGI bedeutet also, dass die Leistung des Computers unbemerkt bleibt, der Effekt gar nicht mehr wahrgenommen wird. Wie das aussieht, zeigt etwa «Mad Max: Fury Road», wo Regisseur George Miller die echte Wüste mit Hilfe des Computers in eine höllischen Endzeitlandschaft verwandelt.

«Mad Max: Fury Road» (2015)

Oder die Weltraum-Robinsonade «The Martian», wo sich Matt Damon in einer Marslandschaft bewegt, die fast ausschliesslich am Rechner entstand – und trotzdem täuschend echt aussieht:

«The Martian» (2015)

Und eben erst trieb die Action-Komödie «Deadpool» den Einsatz von CGI auf die Spitze. In vielen Szenen des Films stand ausser Hauptdarsteller Ryan Reynolds nur noch der Greenscreen vor der Kamera. Oft wurde auch Deadpool selbst nicht mehr von Reynolds gespielt, sondern war vollständig animiert. Für eine der Auto-Verfolgungsjagden entstanden ebenso Fahrzeuge und ganze Strassenzüge am Computer.

«Deadpool» (2016)

Dass ein grosser Teil des Bildmaterials digital nachbearbeitet und mit computergenerierten Effekten ergänzt wird, gehört heute nicht nur bei Action- und Science-Fiction-Filmen zum guten Ton. Auch Hollywood-Dramen wie «The Life of Pi», «The Wolf of Wallstreet» oder «The Great Gatsby» setzen lieber auf Rechnerleistung statt echte Kulissen, wie die Beispiele unten zeigen.

Der Grund ist einfach: Auch wenn Computereffekte alles andere als billig sind – die vollständige Bearbeitung einer einzigen Einstellung kann um die 80'000 Dollar kosten – sind sie immer noch vergleichsweise günstig. Denn die Alternative ist, an realen Drehorten Häuser nachzubauen und Strassen zu sperren, echte Statisten zu bezahlen und zu verpflegen. Und das ist dann richtig teuer.

«The Life of Pi» (2012)

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«The Wolf of Wallstreet» (2013)

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«The Great Gatsby» (2013)