Telefonieren über WLAN: mehr Empfang, weniger Roaming

Mit Wi-Fi-Calling können Smartphones normale Telefon-Gespräche auch ohne Handy-Antenne abwickeln; es genügt ein Internet-Zugang über WLAN. Das soll in erster Linie bei Empfangsproblemen innerhalb von Gebäuden Abhilfe schaffen. Gleichzeitig spart man damit Roaming-Kosten.

Bild eines WLAN-Routers mit Smartphone, das Wi-Fi-Calling-fähig ist.

Bildlegende: Das WLAN wird zur Handyantenne, wenn Sie das möchten. Reto Widmer / SRF

Die Handy-Netzabdeckung in der Schweiz gehört zu den besten weltweit. Trotzdem ist sie gerade innerhalb von Gebäuden oft mässig gut. Besonders ärgerlich ist das, wenn der Empfang in den eigenen vier Wänden schwächelt. Mit einem Smartphone und einem Netzbetreiber, die beide Wi-Fi-Calling unterstützen, gibt es nun eine Lösung: Wir können mit dem Handy telefonieren wie gewohnt – aber über WLAN. Dabei muss der WLAN-Anschluss nicht vom selben Anbieter sein wie das Handynetz.

Keine Roaming-Gebühren bei Telefonie

Salt hat den Anfang gemacht und rechnet Gespräche, die über ein WLAN geführt werden, gleich ab wie Telefonate im Schweizer Mobilfunknetz von Salt – auch dann, wenn sich der WLAN-Zugang im Ausland befindet. Das gleiche gilt für SMS. Wer also mit Salt im Ausland telefoniert, spart mit Wi-Fi-Calling die Roaming-Kosten. Mit dieser kundenfreundlichen Regelung ist Salt allerdings die Ausnahme unter den Telekomanbietern.

Auch Swisscom will bald starten

Ein Screenshot des Samsung S5 mit Häkchen bei "Wi-Fi Calling" und oben in der Leiste hat es ein neues Verbindungssymbol.

Bildlegende: Aktivierte Wi-Fi Calling-Funktion auf dem Samsung S5 mit neuem Verbindungs-Symbol oben. Screenshot

Noch in diesem Sommer will auch Swisscom Wi-Fi-Calling einführen. Dann werden auch hier Gespräche über WLAN gleich abgerechnet wie Telefonate über eine Handy-Antenne. Allerdings beschränkt die Swisscom Wi-Fi-Calling auf WLAN-Netze in der Schweiz. Ihre Kunden können damit keine Roaming-Gebühren einsparen.

Wann Sunrise mit Wi-Fi-Calling nachziehen wird, bleibt offen. Man prüfe die technische Entwicklung intern, heisst es dort.

Technische Tücken und das Warten auf neue Geräte

Aber auch wenn selbst Sunrise die Technologie eingeführt haben wird, gibt es einen kleinen Haken: Nur die allerneusten Handy-Modelle sind für Wi-Fi-Calling ausgerüstet.

So funktioniert Wi-Fi-Callling bei Salt bis jetzt nur mit dem Samsung S5. Unterstützung für das Samsung S6 soll als nächstes folgen. Die iPhone Modelle 5c, 5s, 6 und 6 Plus, sowie Geräte von HTC, Windows und weiteren Herstellern sind technisch Wi-Fi-Calling-fähig.

Wichtig zu wissen: Telefongespräche, die man über WLAN beginnt, brechen ab, wenn man sich aus dem Empfangsbereich des WLAN-Senders bewegt. Erst wenn auch die Handynetze reine Voice-over-IP-Netze sind (siehe Kasten), die beiden Technologien also zusammengewachsen sind, können Gespräche ohne Unterbrechung zwischen WLAN- und 4G-Netzen weitergegeben werden.

Bei der Swisscom heisst das dann «Advanced Calling». Die Liste der Smartphones, die das heute schon können, ist aber noch viel kürzer.

Abhörsicher? Ja, sagen die Telcos

Wie gut sind Gespräche über WLAN davor geschützt, abgehört zu werden – besonders in öffentlichen WLAN-Netzen, die schlecht abgesichert sind? Die Telekomfirmen geben an, dass zur Absicherung die gleiche Verschlüsselung zum Einsatz komme wie bei Telefonaten über ihre Mobilnetze: Die Daten werden mit IPSec vom Telefon zum Provider übertragen, was gängigen Sicherheitsanforderungen genügt.

Die technischen Bedingungen

Damit Wi-Fi-Calling funktioniert, müssen die Anbieter IP-Telefonie im Handynetz einführen. Gespräche werden dann nicht mehr nur über das 2G/3G-Netz abgewickelt, sondern als Datenpakete über beliebige Verbindungen. Swisscom hat den Schritt bereits bei der Einführung von VoLTE (Voice over LTE) gemacht, der Telefonie über das 4G-Netz.

Infoseiten der beiden CH-Anbieter