Fach-Chinesisch: Rotkäppchen in Juristendeutsch

Die Geschichte vom Rotkäppchen und dem bösen Wolf ist packend aber in einfachen Worten geschrieben. Zwei Juristen haben sich aber die Mühe gemacht, Gebrüder Grimm in Juristendeutsch zu übersetzen.

Die Figur des Wolfes aus dem Märchen "Rotkäppchen" liegt in der Ausstellung "Märchentiere" im Naturmuseum St. Gallen als Grossmutter verkleidet im Bett.

Bildlegende: Die Figur des Wolfes aus dem Märchen "Rotkäppchen" liegt in der Ausstellung "Märchentiere" im Naturmuseum St. Gallen... Keystone

Als in unserer Stadt wohnhaft ist eine Minderjährige aktenkundig, welche infolge ihrer hierorts üblichen Kopfbedeckung gewohnheitsrechtlich «Rotkäppchen» genannt zu werden pflegt. Vor ihrer Inmarschsetzung wurde die R. seitens ihrer Mutter über das Verbot betreffs Verlassens der Waldwege auf Kreisebene belehrt.

Sie machte sich infolge Nichtbeachtung dieser Vorschrift strafbar und begegnete beim Überschreiten des diesbezüglichen Blumenpflückverbotes einem polizeilich nicht gemeldeten Wolf ohne festen Wohnsitz. Dieser verlangte in unberechtigter Amtsanmassung Einsicht in den zum Transport von Konsumgütern dienenden Korb und traf zwecks Tötungsabsicht die Feststellung, dass die R. zu ihrer verwandten und verschwägerten Grossmutter eilends war. Da bei dem Wolf Verknappungen auf dem Ernährungssektor vorherrschend waren, beschloss er, bei der Grossmutter der R. unter Vorlage falscher Papiere vorstellig zu werden. Da dieselbe wegen Augenleidens krankgeschrieben war, gelang dem Wolf die diesfällige Täuschungsabsicht, worauf er unter Verschlingung der Bettlägerigen einen strafbaren Mundraub ausführte.

Bei der später eintreffenden R. täuschte er seine Identität mit der Grossmutter vor, stellte der R. nach und durch Zweitverschlingung derselben seinen Tötungsvorsatz unter Beweis. Der sich auf einem Dienstgang befindliche Förster B. vernahm verdächtige Schnarchgeräusche und stellte deren Urheberschaft seitens des Wolfsmaules fest. Er reichte bei seiner vorgesetzten Behörde ein Tötungsgesuch ein, welches zuschlägig beschieden wurde. Daraufhin gab er einen Schuss auf den Wolf ab. Dieser wurde nach Empfangnahme der Kugel ablebig. Die Beinhaltung des Getöteten weckte in dem Schussgeber die Vermutung, dass der Leichnam Personen beinhaltete. Zwecks diesbezüglicher Feststellung öffnete er unter Zuhilfenahme eines Messers den Kadaver zur Einsichtnahme und stiess hier auf die noch lebende R. nebst Grossmutter.

Durch die unverhoffte Wiederbelebung bemächtigte sich der beiden Personen ein gesteigertes, amtlich nicht zulässiges Lebensgefühl. Der Vorfall wurde von den Gebrüdern Grimm zu Protokoll gegeben.

von Dr. Isabelle Thormann (Dr. Thormann Wirtschaftsenglisch u. WUIK)
RAin Jana Hausbrandt (Kanzlei Heiser/Nessig/Hausbrandt)