Albumcheck: Hurts «Surrender»

Hurts mögen's immer noch am liebsten episch, bombastisch, pathetisch – wer dieses Album beim Zähneputzen oder Geschirrspülen hört, kommt sich komisch vor.

Die Band Hurts

Bildlegende: Früher schwarze Kleider und Düstersound, heute Weiss und «Some Kind of Heaven»: Hurts. Facebook

Albumcheck: Hurts - «Surrender»

Was gefällt:
1. Der Song «Lights»: Eleganter Zeitlupen-Funk mit bezauberndem zweistimmigem Gesang. 2. «Wings»: Eine wohlig-kitschige Mitsingnummer. Der erste Vorweihnachtssong des Jahres. 3. «Wish»: Eine Ballade mit zarten hohen Gesangspassagen.
Was überrascht:
Nach der Single «Some Kind of Heaven» dürften einige Fans erleichtert (oder enttäuscht oder überrascht) feststellen, dass das Album keineswegs fröhlicher ist als die früheren.
Was irritiert:
1. Wie schnell die Refrains kommen – meist bevor Spannung aufkommen kann. 2. Dass «Nothing Will Be Bigger Than Us» nach Avicii klingt. 3. Der allzu pathetische Aussenseiter-Song «Rolling Stone». Ein solcher Titel weckt andere Erwartungen als eine triefende Solche-Geschichten-schreibt-das-Leben-Bombast-Ballade.
Was fehlt:
1. Ein richtig schlank produzierter Song als Kontrast. 2. Ein Song in einem etwas bescheideneren, alltäglicheren Tonfall. Ein Song, den du auch in banalen Situationen wie beim Geschirrspülen oder Zähneputzen hören kannst, ohne dir dabei komisch vorzukommen, weil die Musik unpassend viel Bedeutungsschwere an dich heranwuchtet. 3. Die unendliche, erhabene Kälte von früher: Kein Moment auf diesem Album ist so nah am Gefrierpunkt wie vor fünf Jahren die Single «Wonderful Life».
Was ist zuviel:
Der letzte Song «Policewoman». Klingt wie eine Satire, schafft es aber nicht, dass man ihn beim Hören als solche auffasst. Und klingt darum grotesk.