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Capital Bra, der momentan erfolgreichste Rapper Deutschlands
Legende: Capital Bra, der momentan erfolgreichste Rapper Deutschlands laut.de
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Musik-Blog Capital Bra: Ein Böller ohne Nachhall

Capital Bra hat in Deutschland mehr Nummer-Eins-Hits als die Beatles. Sein Erfolg ist unbestritten. Doch um diesem besondere Bedeutung beizumessen, bin ich definitiv zu wenig 20 und zu fest davon überzeugt, dass sich gute Popmusik durch Nachhaltigkeit auszeichnet.

Wenn du Capital Bra liebst, dann bist du schätzungsweise zwischen 15 und 25. Du weisst, dass «Bratan» Bruder heisst und nennst Capital Bra kurz «Capi». Du interessierst dich kaum für Erklärungsversuche zum Phänomen Capital Bra. Schliesslich spürst du es. Und wenn du jetzt tatsächlich noch am Lesen bist, wechselst du wohl demnächst auf die Social-Media-Kanäle des momentan erfolgreichsten deutschen Rappers. Denn die Chancen stehen gut, dass der Berliner da gerade einen neuen Song auf die Welt loslässt.

Gregi Sigrist

Gregi Sigrist

Musikjournalist für Pop/Rock von Schweizer Radio und Fernsehen

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Im Musik-Blog schaut er auf, unter und hinter aktuelle Musikthemen und ihre Nebengeräusche.

Zu seinen Musik-Blogs

Andere haben vielleicht Fragen wie: Wer ist dieser Capital Bra überhaupt? Wieso folgen dem drei Millionen Menschen auf Instragram? Oder: Wie konnte dieser Senkrechtstarter in den deutschen Single-Charts mehr Nummer-Eins-Platzierungen verbuchen als sonst wer?

Wer ist Capital Bra?

Geboren vor 24 Jahren als Vladislav Balovatsky in Sibirien. Mit sieben kommt er nach Berlin, später auf die schiefe Bahn. Verbüsst ein paar Jugendstrafen. Schulabbruch. Erkämpft sich Credibility im Untergrund. Wird Mainstream. So lesen sich geglückte Berliner Strassen-Rap-Karrieren.

Was hat Capital Bra?

Abgesehen von einem ziemlich ausgewieften Social-Media-Verständnis, welches auf Quantität, Timing und ein bisschen Provokation aufbaut, punktet Capital Bra mit dem Spiel zwischen Kalkül und Unberechenbarkeit. Er hat den Wahnsinn in den Augen und Feuer im Arsch.

Er weiss, dass er in jeglicher Hinsicht an der Oberfläche bleiben muss, um gesehen, gehört und verstanden zu werden und setzt das gnadenlos um. Somit ist er ganz sicher ein Spiegel der gegenwärtigen Gesellschaft – mitnichten aber ein sinnierender Reflektor.

Was hat Captal Bra nicht?

Tiefgang. Capital Bra hat definitiv nicht den Anspruch, Songs für die Ewigkeit zu schreiben. Er ist Dealer und Junkie zugleich. Als Dealer vertickt er Musik, Posts und Instagram-Stories. Zum Junkie wird er durch die totale Abhängigkeit des Echos seiner Schnellschüsse.

Ausserdem hat Capital Bra keine Zeit. Seine Musik ist kein Wein, der reifen kann. Er produziert Energy-Drinks. Öffnen. Rein damit. Zuckerschub. Next! Er weiss, dass er nachliefern muss – bevor seine Fans im Zuckerloch landen.

Gummibärchen sind nur lecker, solange man sich ständig neue in den Mund steckt. So funktioniert das auch mit Capital Bras Musik. Wobei ich anmerken muss, dass ich definitiv mehr Gummibärchen essen kann, als ich Capital Bra-Songs ertrage.

Wieso funktioniert das?

Capital Bra packt keine komplexen Themen an. Er vermittelt Stimmungen und setzt textlich, musikalisch und visuell auf erbarmungslose Redundanz. An Trivialität sind Capital Bras Ansätze kaum zu überbieten. Würde er einen Imbiss eröffnen – gäbe es Burger und Bier oder eben Energy-Drinks und Donuts.

Aber Achtung. Was er dabei nicht vergessen würde, wäre jedem Produkt noch eine identitätsstiftende Zutat zu verpassen. In Capital Bras Fall ist das sicher seine vor Authentizität strotzende Spitzbübigkeit. Diese, gepaart mit einem eher hilflosen Wortschatz und Satzbau, verzeiht ihm offensichtlich auch textliche Glatteis-Ausflüge.

Wohin führt das?

Zur Zeit an die Spitze der Hitparaden. Über längere Zeit natürlich auch in die Geschichtsbücher. Als Zahlen. Als Hitparaden-Rekorde. Als Phänomen einer Zeit, in welcher der künstlerische Ansatz vom Produktionstempo überrollt wird.

Ganz sicher nicht zu Pop-Klassikern. Trotz der teils ziemlich beeindruckenden Hooks, fehlt Capital Bra ein Song mit dem Potenzial zum Evergreen. Andererseits: Wie soll einer, der das Wort «Evergreen» in einen Blog über Capital Bra einbaut, eine Ahnung davon haben, was Capital Bra bei einem heute 20-Jährigen in 30 Jahren auslöst?

Was ich hingegen weiss, ist: Meine Eltern hätten sich in den 90ern nie im Leben ein Album der Fantastischen Vier angehört.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Dominik Hunn  (Doik)
    Die Rekorde lösen bei mir nur ein müdes Zucken in den Mundwinkeln aus. Eine Nummer 1 hat doch heute keinen Wert mehr - die Streaming-Flatrate hat man sowieso, also kann man sich solche musikalischen Energydrinks (wobei Energie bei mir eher mit Aggression gleichzusetzen wäre) auch 100x hintereinander anhören. Von der Nummer 1 kann sich der Künstler ja nicht mal was kaufen, und die entsprechenden Seiten in den Geschichtsbüchern werden auch keinen interessieren. Das Konzept Hitparade ist überholt!
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    1. Antwort von Dominik Hunn  (Doik)
      Und einmal mehr die Frage (auf Twitter gab's keine Antwort): Warum spielt Ihr den Blödsinn nun trotzdem, obwohl Ihr noch vor drei Monaten stringent dagegen argumentiert hattet (Watson-Artikel)? Bloss, weil der Kleinkriminelle nun den Song eines anderen oberflächlichen (aber doch immerhin nachhaltigen) Müllkönigs gecovert hat? Damit wäre seine Masche ja voll aufgegangen.
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    2. Antwort von silvia Deiss  (Dini mutter)
      Dominik ich hör in schon seit drei Jahren was für dagegen sein nur weil das nicht dein geschmack ist!
      Also was willst du
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  • Kommentar von Thomas Kaderli  (Thomas Kaderli)
    Mehr Hits als die Beatles, OK. Aber Qualität und Quantität sind nicht das gleiche. Die Beatles haben Musikgeschichte geschrieben und mit Ihrer Musik etwas bewegt und es ist Musik für die Ewigkeit. Die Musik von Capital Bra hat eine halbwertszeit von ca. 3 Monaten. Rechnen darf jetzt jeder selber.
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    1. Antwort von Gregi Sigrist (SRF)
      Lieber Thomas. Grundsätzlich sehe ich das auch so. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass wir hier zum einen von eingerahmter Popmusik sprechen, die man ins Museum hängen kann - bzw. über die es längst Austellungen in Museen gibt. Und zum anderen über aktuelle Popmusik - die jetzt gerade Millionen von Menschen bewegt. Ich denke spannend wird es, wenn wir Ansätze finden - was und wen Capital Bra bewegt und vor allem wie und wieso ... lg. Gregi
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    2. Antwort von silvia Deiss  (Dini mutter)
      Er hat mehr im leben erreicht als du.
      Er verdient Millionen und du ?
      Also würd ich ruhig sein
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    3. Antwort von Rob Widmer  (Rowid)
      War ja klar das sich hier so ein fan-girl meldet. Und das soll jetzt weder eine beleidigung, noch ein angriff oder der gleichen sein oder werden. Aber ihr kommentar silvia deiss zeigt es einfach worauf das ganze ziehlt. Es geht hier darum wie langlebig seine musik ist. Und dan kommen die typischen kommentare die man überall liest oder hört. Er verdient millionen, er hat mehr erreicht als du, was willst du, sei besser ruig etc. Zum ersten wiessen sie nicht was gregi sigrist schon erreicht hat
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    4. Antwort von Rob Widmer  (Rowid)
      Des weiteren wiessen sie nicht wieviel herr sigrist verdient, also würde ich kein urteil anhanden des grhalts fällen.
      Nebst dem macht herr sigrist seine arbeit meines erachtens top, was ich über einen musiker der 90% seiner musik mit autotunes macht nicht sagen kann. Aber da gehen die meinungen ganz klar auseinander. Was ja auch so sein darf. Nur bin ich halt der meinung, das ihr kommentar wie gesagt vollkommen die ziehlgruppe räpräsentiert. Denn besonders sachlich war der ja tatsächlich nicht.
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