Wer bist du, Chris von Rohr?

Auf die Laudatio, die Roger Köppel auf Wunsch von Krokus an den Swiss Music Awards gehalten hat, wollen wir nicht mehr näher eingehen. Musikredaktor Gregi Sigrist hat aber noch ein paar Fragen an das Sprachrohr der Solothurner Band.

Chris von Rohr an den SMA's 2015: Showbiz oder doch nur «e biz Show»?

Bildlegende: Chris von Rohr an den SMAs 2015: Showbiz oder doch nur «e biz Show»? SRF

Wer bist du Chris von Rohr? Wer bist du wirklich? Noch stelle ich mir diese Frage, doch der Zeitpunkt naht, an welchem sie mich schlicht und einfach nicht mehr interessiert.

Ich weiss, du bist mehr als der mediengeile und nach Aufmerksamkeit hechelnde Altrocker, der nach wie vor der Meinung ist, seine Band habe nie die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdient hat. Wo du auch immer in Erscheinung trittst, prügelst du den Leuten mit dem Vorschlaghammer ins Gesicht, dass…

a) …Krokus die erfolgreichste Band der Schweiz ist

b) …die Schweiz Krokus NIE den nötigen Respekt erwiesen hat

c) …jeder, der etwas anderes behauptet, ein Blockflötengesicht sei

Das Thema scheint auch mit der Ehrung durch den Outstanding Achievement Award an den Swiss Music Awards 2015 nicht erledigt. Und ich frage mich: Wie tief müssen die Verletzungen bei diesem 63jährigen Chris von Rohr sein, dass er nicht einfach zurücklehnen und geniessen kann, was all die Blockflötengesichter um ihn herum nie erlebt haben und erleben werden?

Wer bist du Chris von Rohr? Wer bist du, dass dir jedes Mittel recht ist, um im Gespräch zu bleiben? Es wirkt als hättest du Angst, die erfolgreichste Band der Schweiz könnte in Vergessenheit geraten, wenn das Kopftuch der Nation nicht überall in Erscheinung tritt, wo es gefragt wird oder sich ungefragt einmischt. Politisch immer rechter trittst du links auf der Überholspur aufs Pedal und realisierst wohl eher später (oder gar nicht mehr?), wen du bei deinem Höllenritt alles überfahren hast. Inzwischen kleben auch alte Krokus-Fans auf deiner Kühlerhaube, Chris.

Ist von Rohr ein Arschloch?

«Chris von Rohr ist ein Arschloch» schrieb Autor Bänz Friedli vor über zehn Jahren als Auftakt im Vorwort zu deinem Buch Bananenflanke. Geschlossen hat Friedli den Prolog mit «Bisch e geile Siech, Chris». Ich glaube immer noch, dass du eigentlich näher beim «geile Siech» als beim Arschloch bist Chris, doch ich kenne kaum noch jemanden, der diese Meinung mit mir teilt.

Wo ist der andere von Rohr, Chris?

Wo ist der Chris von Rohr, der einen in Interviews mit leuchtenden Augen davon überzeugen kann, dass er Musik liebt?

Wo ist der Chris von Rohr, der sich ernsthaft für Themen und Menschen interessiert und diese nicht nur benutzt, um sich selbst zu produzieren?

Wo ist der Chris von Rohr, der auch mal Fragen stellt, anstatt bloss Parolen und Slogans zu platzieren? Ja Chris – wann hast du einer Person eigentlich zum letzten Mal eine Frage gestellt?

Ich hätte noch viele Fragen Chris. Mich würde auch interessieren, wie sich deine Mitmusiker fühlen, wenn du als Mogul über die Marke Krokus und dessen Image im Alleingang bestimmst. Aber das geht dann vielleicht doch etwas weit.

Auf jeden Fall stimmte es mich sehr nachdenklich, wie du am Freitag an den Swiss Music Awards die Bühne betreten hast, nachdem der von dir geplante Mini-Skandal durch die Laudatio von Roger Köppel ziemlich gut funktioniert hat. Was dann nämlich nicht wirklich gut klappte, war deine Dankesrede. Du hast sie durchgezogen, als wäre nichts passiert. Doch du hast gespürt, dass da etwas kaputtgegangen ist. Du hast es gespürt, bist aber nicht darauf eingegangen. «That’s Showbiz Baby» murmelst du jetzt vielleicht vor dich hin. Ja Chris. Das ist Showbiz und «e biz Show» ist auch ok, aber «show biz» was von deiner anderen Seite. Das wäre auch ganz nett – also, falls es diese andere Seite noch gibt.

Die Replik von Chris von Rohr