Musical Chamäleon Johnny Guarnieri

Er konnte galant von einem Stil zum anderen wechseln, so dass man den Pianisten Johnny Guarnieri gerne als musikalisches Chamäleon bezeichnete. Der Sohn einer berühmten italienischen Geigenbauerfamilie musste allerdings lernen, mit einem musikalischen Handicap umzugehen.

Mann am Klavier.

Bildlegende: Sein grosses Waller Vorbild zwang Guarnieri dazu, sein Handicap zu überwinden. zvg/Collage

Johnny kommt in New York City zur Welt. Als Teenager ist er begeistert von der Musik des legendären Fats Waller. Dieser hatte selbst grossen Einfluss auf den Jazz in den 1920er-Jahren. Als begnadeter Stride-Pianist entwickelte er den Ragtime weiter. Die Griffe, die für Wallers Stil erforderlich sind, setzen lange Finger voraus. Genau hier liegt Johnny Guarnieris Handicap – ist er selber doch nur mit kleinen Händen ausgestattet. Dennoch gelingt es ihm mit grossem Fleiss und Willen, sich Wallers Stil anzueignen.

Nach seiner Ausbildung am Konservatorium wird aus dem 17-jährigen Teenager bereits ein Profi-Musiker. Bei verschiedenen regionalen Bands verdient sich Guarnieri in der Folge seine Sporen ab. Fünf Jahre später spielt er bereits mit Stars wie Count Basie, Fletcher Henderson und sogar dem King of Swing Benny Goodman.

Tod auf der Bühne

Johnny Guarnieri ist der erste Pianist, der das Cembalo in der Jazzmusik einsetzt. Hier wird seine Experimentierfreudigkeit offensichtlich. Während seiner Karriere entstehen mehr als 6000 Aufnahmen. Die amerikanische Autorengesellschaft ASCAP verwaltet zudem über 3500 seiner eigenen Kompositionen. Bis Anfang der 1980er-Jahre ist Guarnieri als Komponist, Pianist und auch Musiklehrer aktiv. Am 7. Januar 1985 stirbt er dort, wo er sich am wohlsten fühlte: während eines Auftritts auf der Bühne. Am 23. März 2017 hätte Johnny Guarnieri seinen 100. Geburtstag feiern können.

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