Jost Marty reiste mit den Kernser Singbuben um die Welt

Über 25 Jahre nach seinem Tod geniesst der Innerschweizer Volksmusiker Jost Marty noch immer grosse Bekanntheit: Als Komponist wurde er durch seine Jodlermessen legendär. Dann gründete er aber auch die schweizweit bekannten Kernser Singbuben, mit welchen er Konzerte auf der ganzen Welt gab.

Ein Chor mit Chorknaben in roten Sennenhemden.

Bildlegende: Die heutige Generation Kernser Singbuben 2014 bei einem Adventskonzert. kernsersingbuben.ch

«Was die Wiener Sängerknaben können, können wir auch – einfach im Bereich des Jodelgesangs.» Dies habe sich Jost Marty gesagt, als er als Lehrer 1949 die legendären Kernser Singbuben gründete. Er habe den Kindern und Jugendlichen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung geben wollen, sagte Marty in einem früheren Interview. Damit war der Grundstein für den ersten Knaben-Jodelchor der Schweiz gelegt, den es bis heute gibt.

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Kernser Singbuben 2010

1:52 min, aus Hopp de Bäse! vom 22.5.2010

Dreimalige Japanreise

Die Kernser Singbuben enstanden ursprünglich aus einer Gruppe von Sternsinger- und Choralbuben. Mit viel Hingabe leitete Jost Marty zusammen mit seiner Frau diesen Chor bis zu seinem Tod am 8. August 1988.

Der volkstümliche Knabenchor war in der Schweiz äusserst beliebt und auch im Ausland erfolgreich. Konzertreisen führten Marty mit seinen Singknaben nach Deutschland, Holland, Amerika und Japan. Für diesen Chor schuf Jost Marty seine ersten Kompositionen. Als Komponist hat er sich einen bis heute anhaltenden Ruf geschaffen.

Erste Jodlermesse 1974

Geboren wurde Jost Marty am 29. Dezember 1920 in Einsiedeln, er könnte also seinen 95. Geburtstag feiern. Nach der Ausbildung zum Primarlehrer lebte und arbeitete er aber zuerst im Kanton Obwalden, später im Kanton Uri.
Unglaublich viele Chöre gründete und dirigierte Marty, er amtete zudem auch als Kirchenorganist – alles nebenberuflich.

Schwarz-weisse Fotografie mit Porträt von Jost Marty mit Anzug und Krawatte und grosser dunkler Brille.

Bildlegende: Jost Marty (1920-1988). zvg

Einen besonderen Bekanntheitsgrad erreichte er durch seine Jodlermessen. Früher gab es keine für Gottesdienste passende Jodelliteratur. Jost Marty schloss hier im Jahr 1974 eine Lücke, indem er zu eigenen Texten die erste Jodlermesse komponierte.

Jodlermesse im Petersdom

Sofort wurden diese auf die Liturgie angepassten Jodellieder von vielen Jodelchören aus der ganzen Schweiz gesungen.

Der grosse Erfolg der ersten Jodlermesse von Jost Marty veranlasste ihn dazu, im Jahr 1981 eine zweite Messe zu komponieren, diesmal zu Texten des damaligen Kernser Pfarrers Karl Imfeld. Stolz war er, als im Jahr 1983 diese zweite Jodlermesse im Petersdom Rom im Beisein von Papst Johannes Paul II. aufgeführt wurde.

Auch wenn es heute Jodlermessen von anderen Komponistinnen und Komponisten gibt, nehmen die beiden Werke von Jost Marty einen besonderen Stellenwert ein: Die Melodien sind gut verständlich und die Texte gehaltvoll. Nicht zuletzt dadurch erklingen die beiden Marty-Jodlermessen noch heute in unzähligen Jodlergottesdiensten.