Jérôme und Florence streiten sich über den Seidl-Film «Im Keller»

Ulrich Seidl, der Skandal-Regisseur, ist berühmt-berüchtigt für heikle Themen, verstörende Bildsprache und eine ganz eigene Selbstverständlichkeit, mit alledem umzugehen. Das gefällt nicht allen.

Jerome & Florence

Bildlegende: Disclaimer: Bei diesem Fotoshooting kamen keine Florences zu Schaden. SRF

In «Im Keller» geht's darum, was Herr und Frau Österreicher in ihren Kellern tun. Da finden sich Kellernazis, Puppenmütter und Sadomaso-Käfige.

SRF Virus Film-Experte Jérôme Brunner und Moderatorin Florence Fischer haben den Streifen gesehen und sind, ähm, nicht grad gleicher Meinung.

1. Voyeurismus: Einfach nur wäh?

Jérôme sagt: Der Film versetzt mich als Zuschauer in die Rolle eines Voyeurs. Komisches Gefühl. Einerseits wäh, trotzdem will man mehr! Spannende Selbsterfahrung.

Florence sagt: Man ist Voyeur, ja. Aber man will wirklich nicht mehr davon! Auch wenn man menschliche Abgründe sehen will - gefühlte zwei Minuten lang in die Vagina einer unattraktiven Frau schauen, geht zu weit.

2. Tiefgründig oder nur Effekthascherei?

Jérôme sagt: Auch wenn es «gruusige» Szenen hat - das ist nur die Oberfläche. Am Ende verbindet alle Personen ihr Keller und daraus resultierend ihre Einsamkeit. Der Keller wird sozusagen zum Reduit für alles, was nicht in die Gesellschaftsnorm passt.

Florence sagt: Ja, es gibt verschiedene Personen, die aber nicht alle gleichermassen gezeigt werden. Es gibt z.B. eine Frau, die Puppen als Kinderersatz besitzt. Das zeigt den Einsamkeitsaspekt gut auf. Am Schluss setzt Seidl trotzdem auf das Sadomaso-Paar. Und das ist reine Effekthascherei.

3. Mutig oder absurd?

Jérôme sagt: Seidl zelebriert das Hässliche und Abscheuliche und zeigt einmal mehr, was man sonst nicht sieht. Er belebt das Kuriositätenkabinett wieder, in dem man früher die Frau mit dem Bart bestaunte. Mutig!

Florence sagt: Wenn man einen Seidl-Film schaut, weiss man, dass es grotesk und absurd wird. Den Film als Dokumentation zu tarnen ist aber nicht okay, wenn man am Schluss sieht, dass er mit Darstellern und Komparsen inszeniert wurde. Die Menschen sind zwar echt, aber das Gezeigte ist von A bis Z inszeniert. Das ist Vortäuschung falscher Tatsachen.

4. «Man kann einfach nicht wegschauen»

Jérôme sagt: Jede Kameraeinstellung ist wie ein Gemälde. Dies möchte man vielleicht nicht unbedingt im eigenen Zimmer aufhängen, aber wegschauen will und kann man trotzdem nicht.

Florence sagt: Doch! Man will wegschauen! Und zwar für immer! Ich hab die Augen zu gemacht. Andere sind aus dem Kino gegangen. Man muss ein Psycho sein, wenn man diesen Film gut findet. Also Jérôme..ehmm..bei dir ist was nicht ganz okay.

5. «Im Keller» ist eine Grenzerfahrung - so oder so

Jérôme sagt: «Im Keller» hat mich fasziniert. Die porträtierten Menschen und ihre Absurditäten sind eine Grenzerfahrung. Keine einfache, aber eine, die man nicht so schnell vergisst.

Florence sagt: Stimmt. Man vergisst den Film nie mehr. Er bleibt im Kopf kleben. Und man möchte ihn vergessen. Aber es geht nicht. Er ist da. Immer. Wenn man die Augen schliesst. Dauernd. Geht nicht mehr weg.

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