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Aktuell YouTube und Smartphone: So hören die Kids von heute Musik

Kaufen sich die Kids von heute immer noch «Bravo Hits»-CDs? Sitzen sie noch immer vor dem Radio und nehmen Kassettli auf? Wir haben bei Schülern der 5. Klasse im Zürcher Schulhaus Hofacker nachgefragt, wie und wo sie heute ihre Musik ziehen – und welche Songs bei ihnen rauf und runter laufen.

5. Klasse
Legende: Die 5. Klasse und Jenny. Hm. Wo ist Jenny? (Tipp: Hinterste Reihe) (2. Tipp: In der Mitte) SRF

Die Kids mit den meisten «Bravo Hits»-CDs: Sie waren früher die Kings auf dem Pausenhof.

Denn streamen konnten wir damals noch nix. Und als wir irgendwann herausgefunden haben, wie man mittels Programmen wie «LimeWire» (R.I.P.) illegal Musik downloaden kann, haben wir damit in erster Linie die Computer unserer Eltern mit Viren gefüllt.

YouTube ist das «Bravo Hits» von heute

Heute ist alles viel einfacher. Die Kids können ihre Musik easy online ziehen – und zwar auf legalem und unkompliziertem Weg. CDs und Kassettli waren gestern: Das Smartphone ist der neue Discman und YouTube das neue «Bravo Hits»-CD-Regal.

5. Klasse Hofacker
Legende: Hm, was gibt schon wieder 5+5? Die 5. Klasse des Schulhaus Hofacker an der Arbeit. SRF

«Ich höre das Lied einfach auf YouTube», sagt Gian-Carlo über seinen aktuellen Lieblingssong «Don't You Need Somebody», Link öffnet in einem neuen Fenster von Redone. Gian-Carlo ist 11 Jahre alt und besucht die 5. Klasse des Zürcher Schulhauses Hofacker.

Auch von seinen Klassenkameraden erhalten wir ähnliche Antworten. So hört auch der 10-Jährige Alan seinen Favoriten, «Turn Down For What», Link öffnet in einem neuen Fenster von DJ Snake, primär via YouTube und Smartphone:

Auf dem Pausenplatz hören wir Musik auf dem Smartphone.
Autor: Alan, 10 Jahre alt

Auch von «Hi-Fi» kann hier nicht wirklich die Rede sein. Denn grosse, teure Stereoanlagen sind nicht mehr angesagt. Für die Kids von heute ist Kompaktheit wichtig: «Wenn nicht auf dem Smartphone, dann hören wir unsere Musik ab und zu auf einem kleinen Böxchen», so Alan weiter.

Der eigene Musikgeschmack kommt erst später

Auch das Radio ist für die Fünftklässler noch immer eine wichtige Anlaufstelle. «Das erste Mal, das ich dieses Lied gehört habe, war im Radio», sagt der 11-jährige Meo über «Manhattan», Link öffnet in einem neuen Fenster von Bligg. Auch Lova, 10 Jahre alt, verkündet wie aus der Pistole geschossen: «SRF 3 ist mein Lieblingssender!».

Das ist wenig verwunderlich. Denn das, was bei den Eltern läuft, das hören eben auch die Kids. Und da bei den meisten Eltern im Auto oder Zuhause SRF 3 läuft, ist die Lieblingsmusik der Kids deckungsgleich mit den Charts. Shawn Mendes, Link öffnet in einem neuen Fenster, Bruno Mars, Link öffnet in einem neuen Fenster, Rihanna, Link öffnet in einem neuen Fenster, Bligg , Link öffnet in einem neuen Fensteroder Coldplay, Link öffnet in einem neuen Fenster heissen die aktuellen Favoriten der Schulklasse.

Kinder entwickeln schon vor dem ersten Lebensjahr Präferenzen und Antipathien gegenüber Musik.
Autor: Lutz JänckeProf. für Neuropsychologie, Universität Zürich

Lutz Jäncke, Professor für Neuropsychologie an der Universität Zürich, hat eine einfache Erklärung dafür: «Im Grunde genommen kann man es in einem Satz zusammenfassen: Wir mögen das, was wir häufig hören.»

«Kinder entwickeln schon vor dem ersten Lebensjahr Präferenzen und Antipathien gegenüber Musik. Wobei das häufig Präsentierte dann in der Regel auch das ist, was positive Gefühle und Präferenzen hervorbringt», so Jäncke weiter.

Einen «eigenen» Musikgeschmack entwickeln Jugendliche in erster Linie erst während und gegen Ende der Pubertät.

«Die zweite Musik-Entwicklungsphase ist die Phase der Peergroup. Also dann, wenn Kinder merken, dass sie soziale Wesen sind und die Bedeutung der Zugehörigkeit immer wie grösser wird», erklärt uns Jäncke.

Heisst im Klartext: In wenigen Jahren, oder sogar Monaten werden auch die Kids vom Schulhaus Hofacker ihren Musikgeschmack ändern: «Der treibende Motor ist dann die Peergroup. Man hört das, was der Freundeskreis hört – oder entscheidet sich bewusst dafür, sich davon abzugrenzen.»

Lutz Jäncke

Lutz Jäncke

Prof. Dr. rer. nat. Lutz Jäncke ist seit 2002 Ordinarius für Neuropsychologie an der Universität Zürich. In seinen Büchern und Publikationen untersucht er unter anderem die Wirkung von Musik auf das Menschliche Gehirn.

1 Kommentar

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  • Kommentar von Beni Fuchs (Beni Fuchs)
    YouTube kills the musicians income. Definitely! Wohl 95% aller Konsum-Enten weltweit hören Musik (falls man die miserable Qualität überhaupt als solche definieren kann) nur noch via YouTube(l) meist illegal raufgeladen von Usern, die keine Berechtigung dazu haben, und lasen sich ihren 'Musikgeschmack' vom Algorithmus (de)generieren. Musik wird mehr und mehr ersetzt durch Casting-Show-Brei ohne Inhalt. Die Wertschätzung ist total verloren gegangen. WAS man hört steht in Relation, WIE man es hört.
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