True: Warum ist ihr Album «Wrapped in Air» nicht in den Charts?

True aus Zürich und Bern sind musikalische Zufrühkommer. Wahrscheinlich wird man ihr Debütalbum «Wrapped in Air» erst in fünf Jahren so richtig zu würdigen wissen. Wir feiern das Album schon jetzt ab.

Umso weiter man sich von den musikalischen Epizentren dieser Welt weg bewegt, umso weiter weg entfernt man sich auch von aktuellen Trends.

Kleines Beispiel: Ende der 00er-Jahre war der zappelige Indie Rock der englischen Band Foals für einen kurzen Moment lang das Mass aller Dinge. Schweizer Bands, deren Musik sich an den Foals orientiert, scheinen sich aber erst jetzt, rund 8 Jahre später, zu gründen.

Es gibt aber auch gegenteilige Anzeichen für diesen Trend. So scheint die musikalische Weltkarte in den letzten Jahren näher zusammengerückt zu sein - das Duo True aus Bern und Zürich und ihr Debütalbum «Wrapped In Air» sind die beste Bestätigung dafür.

Warum immer dieser unpassende 80er-Vergleich?

In der Vergangenheit wurde die Musik von True oft mit unterkühltem 80er-Wave-Pop in Verbindung gebracht. Ja, auch von uns. Aber, ganz ehrlich, wer sich «Wrapped In Air» in voller Länge anhört, merkt schnell, wie daneben dieser Vergleich eigentlich ist.

Viel eher dürfte «Wrapped In Air» jene Menschen begeistern, die sich schon jetzt darüber Gedanken machen, wie Pop- und Chartsmusik in fünf Jahren klingen wird. «Wrapped in Air» ist zu 0% «Enjoy the Silence», viel eher nennt das Album jene Schnittstelle zwischen Future-RnB, Avantgarde-Pop und Indie Pop sein Zuhause, die zurzeit besonders fruchtbar zu sein scheint.

Kommt dieses Album zu früh?

Die wahren Nachbarn von Produzent Rico und Sängerin Daniela heissen also nicht Depeche Mode oder New Order, sondern Kelela, FKA Twigs, Jessie Ware und Empress Of. In fünf Jahren werden Popstars wie Lady Gaga oder Sia dann genau diese Künstlerinnen als Einflüsse nennen.

Unter den 10 Songs auf «Wrapped in Air» befindet sich kein einziger Ausfall. Unbestrittenes Highlight ist die fantastischen Single «Holiday Tickets», bei der einem der britische Musiker Blood Orange in den Sinn kommt, der zurzeit die weltweite Musikpresse begeistert.

Auf «Capture You» stellen True die Frage «What can I do to capture you?». Damit beziehen sie sich zwar nicht auf die Charts, wir beantworten diese Frage aber trotzdem in diese Richtung: Einfach noch ein paar Jahre geduldig sein, liebe True! Für die Charts reichts momentan noch nicht, spätestens 2020 wird eure Musik dann aber von allen Seiten her abgefeiert. Versprochen!