Warum hat das Greenfield einen deutschen Veranstalter?

Die «lauwarme Bier-Dusche» ist der Moment, in dem wir den Schweizer Festival-Bookern die unangenehmen Fragen stellen. Aktuelles Dusch-Opfer ist Martin Schrader, seines Zeichens Booker des Greenfield Festivals in Interlaken. Warum kommen jetzt AC/DC nicht dieses Jahr?

Hier sind sie noch gut drauf: Greenfield-Booker Martin Schrader wird von Moderatorin Jacqueline Visentin gleich in die Mangel genommen.

Bildlegende: Hier sind sie noch gut drauf: Greenfield-Booker Martin Schrader wird von Moderatorin Jacqueline Visentin gleich in die Mangel genommen. SRF

Das Greenfield-Festival hat einen deutschen Veranstalter. Derselbe, der das Hurricane- und das Southside-Festival organisiert. Warum? Sind die Schweizer nicht gut genug?

Martin Schrader: Doch, natürlich sind die Schweizer gut genug. Also ich bin ja selber auch nicht so schlecht. Glaube ich. Oder? Aber wir machen nicht Halt an der Grenze, das wäre ein bisschen engstirnig gedacht. Ich finde in einer Welt und einem Business, wo es um internationale und Welt-Tourneen geht, muss man auch beim Veranstalter nicht an der Grenze Halt machen.

Mit einem Budget von über 5 Millionen Franken ist das Greenfield eines der teuersten Festivals in der Schweiz. Mit diesem Budget hättet ihr doch mindestens AC/DC bekommen müssen?

Martin Schrader: Nein… (lacht) Eine Band, die zwei Mal das Letzigrund-Stadion in Zürich ausverkauft - und das innerhalb von zwei Mal Husten - die ist leider für kein Festival in der Schweiz mehr erschwinglich.

Die hättest du aber gerne gehabt, oder?

Martin Schrader: Natürlich, natürlich! Wir haben’s ja auch probiert. Aber da ist leider nichts zu machen…

Kommen wir zu den Besucher-Zahlen: Letztes Jahr hattet ihr 3000 Leute weniger als im Vorjahr. Wir rechnen weiter, wir rechnen im Rückwärts-Trend: Dieses Jahr kommen noch einmal 3000 Besucher weniger ans Festival, also 21‘000 Leute. Einverstanden?

Martin Schrader: Diesen Pessimismus teilen wir natürlich nicht. Wir haben noch zwei Wochen vor uns, das sind die wichtigsten. Ich hoffe es wird uns noch gelingen, die Leute fürs Greenfield zu interessieren und zu motivieren. Aber ich meine, wir haben auch eine grosse Stammkundschaft. Die Leute wissen: Wenn man drei Tage lang Party haben will und es mit seinesgleichen ziemlich laut zu und her gehen lassen will, dann ist Interlaken der Ort.

Apropos Interlaken im schönen Berner Oberland: Es ist ein stillgelegter Militärflughafen mit Betonpiste. Wenn es heiss ist, macht einen der Boden fertig, wenn es regnet läuft das Wasser nicht richtig ab. Findet ihr keinen hübscheren Ort in dieser schönen Gegend?

Martin Schrader: Uns gefällt er eigentlich noch. Also ich finde, ein Militärflugplatz ist für diesen Sound nicht der falsche Ort. Und die Kulisse ist eigentlich sehr geil. Und alle, die schon einmal da gewesen sind, die wissen das auch. Das Wetter ist brutal, die Bergkulisse hinter der Bühne ist grossartig und gerade, wenn es regnet, stehe ich also lieber auf einem Betonplatz als auf einer Schlammmatte, wie bei so vielen anderen Festivals in der Schweiz.

Das Greenfield Festival findet vom 11. bis 13. Juni 2015 in Interlaken statt.