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Über 100 Jobabsagen: Liegt es am Handicap?
Aus Rehmann vom 29.06.2020.
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Rehmann Über 100 Jobabsagen: Liegt es am Handicap?

Debbie (23) leidet an Spina Bifida und sitzt im Rollstuhl. Seit April letzten Jahres ist sie auf der Suche nach einem Job. Schon über 100 Bewerbungen hat sie abgeschickt, über eine Zusage konnte sie sich bisher aber nicht freuen. Dies führt Debbie hauptsächlich auf ihre Krankheit zurück.

Seit Geburt lebt Debbie mit Spina Bifida. Die Rückenmarkerkrankung kann bei Betroffenen von Beschwerden beim Gehen bis hin zur Lähmung reichen.

Spina Bifida

Spina Bifida ist ein Geburtsfehler. Bei Betroffenen wird eine Fehlbildung des Rückenmarks und der Wirbelsäule festgestellt. Dies führt dazu, dass Nervenstränge beschädigt werden. Je nach Ausmass der Beschädigung können Symptome von Sensibilitätsstörungen bis zu einer kompletten Querschnittlähmung reichen.

Bis zu Debbies 14. Lebensjahr, ist sie durch ihre Krankheit kaum eingeschränkt. Sie ist Fussgängerin und besucht die öffentliche Schule. Nach einer Rückenoperation, die man wegen ihrer Krankheit durchführt, wird aber klar, dass Debbie das Gehen nochmals neu lernen muss. Ihre Muskulatur jedoch lässt nur noch kurze Strecken zu. Seither ist sie deshalb auf einen Rollstuhl angewiesen.

Ich wollte immer zu den ‹Normalen› gehören.

Lange hat Debbie nur Freunde ohne Handicap. Mit Menschen mit Behinderung kommt sie das erste Mal in der Reha in Kontakt. Von da an tastet sie sich an das Anderssein heran, auch wenn es ihr nicht leichtfällt.

Die Inklusion als neue Rollstuhlfahrerin gestaltet sich für Debbie einfach: Ihre Oberstufenklasse nimmt sie so, wie sie ist und vor allem die Lehrer setzen sich für ein gutes Arbeitsklima ein. Debbie sieht Autoritäten als wichtigen Teil der Inklusion. Sie können Schüler oder Arbeitnehmer aufklären, ein normales Zusammenarbeiten gewähren und so die Integration erleichtern.

100 Bewerbungen ohne Erfolg

Trotz ihrer Selbstständigkeit, guter Integrationsfähigkeit und der abgeschlossenen KV-Lehre, ist Debbie seit letztem Jahr auf der Suche nach einem Job. Immer wieder kriegt sie Standardabsagen. Dass diese mit ihrer Behinderung zu tun haben, kann Debbie nur vermuten.

Sie glaubt, dass sich Unternehmen oft gar nicht vorstellen können, eine Person mit Handicap einzustellen. Betriebe trauen einem beeinträchtigten Menschen die Arbeit, trotz hinreichender Qualifikation, meist gar nicht zu.

Dies kriegt Debbie so zu spüren, dass sie selten zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wird oder dass man ihr keine Chance auf einem Probearbeitstag gibt. Debbie meint, Quoten könnten dieses Problem regulieren, solange jedes Unternehmen gleichermassen dazu beitragen müsse.

S.O.S. – Sick of Silence

S.O.S. – Sick of Silence

Wie sieht das Leben junger Menschen aus, nachdem es durch eine chronische Krankheit ausgebremst wurde? Robin Rehmann leidet selbst an einer chronischen Krankheit und unterhält sich in seiner Sendung mit Betroffenen.

Jeden Dienstag, 18-19 Uhr bei SRF Virus oder hier als Podcast.

Instagram als Hilfe für die Jobsuche

Um Leute über ihr Handicap aufzuklären, ist Debbie auf Instagram als Inkluecerin aktiv. Auf ihrem Profil zeigt sie, dass sie ganz normale Dinge trotz Rollstuhl kann. Auf Bildern sieht man Debbie im Wald oder am Schreibtisch. Damit möchte sie Leute darauf hinweisen, dass eine Inklusion in der Arbeitswelt kein Problem ist und kaum einen Aufwand darstellt.

Inkluencer*innen

Inkluencer*innen sind Menschen, die sich aktiv für Inklusion auf Social Media einsetzen. Die Posts werden von den Beeinträchtigten selbst veröffentlicht. Sie behandeln meist Themen, die mit ihrer Behinderung zu tun haben.

Debbies Traumjob wäre, beim Radio zu arbeiten. Aber auch im KV-Bereich kann sie sich eine Anstellung vorstellen. «Jemandem mit Handicap eine Chance zu geben, ist eine Bereicherung für den ganzen Betrieb. Jeder kann daraus lernen» und fügt an: «Jeder hat einen Rucksack, der eine sichtbare oder unsichtbare Einschränkung mit sich bringt.»

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Katharina Studer  (gino)
    Ich las mal einen Bericht in der Zeitung. Da sagten unter anderem Firmen , dass Angestellte, Mitarbeiter das Aushängeschild seien. Also schon was hergeben müssten an Aussehen. Ich war damals von diesem Bericht schockiert!
    Ich denke schon, dass viele Firmen sich scheuen, Menschen mit Handycap einen Job zu geben! Warum bloss?? Debbie ist intelligent! Aber eben, der Rollstuhl......
    Ich wünsche Debbie auf diesem Weg alles Gute, dass sie einen Job erhält!
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  • Kommentar von Markus Kohli  (MarkusK)
    Ich kenne einige Personen, die in den letzten 5 Jahren einen Job gesucht und jeweils weit über 100 Bewerbungen schreiben mussten, ganz ohne irgendwelche Behinderungen/Einschränkungen und trotz passender Qualifikationen.
    Vielleicht liegt es also auch einfach an der Arbeitsmarktsituation in entsprechenden Bereich? Gerade im KV Umfeld scheint es ein frappantes Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage zu geben.
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  • Kommentar von Yvonne Zimmermann  (Yvonne Zimmermann)
    Mein Herz blutet, nach dem ich den Text über Debbie gelesen habe. Und ich bin schockiert, weil ich geglaubt habe, dass wir in der "sozialen" Schweiz viel weiter sind.
    Ich hoffe sehr, dass ganz viele Menschen die Geschichte von Debbie hören/sehen und sich darunter Arbeitgeber befinden, welche etwas gehen dieses unglaubliche Armutszeugnis und etwas für Debbie tun. Debbie, Dir wünsche ich viel Kraft und alles Glück der Welt für Deine Zukunft! ❤ Herzlichst, Yvonne
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