Das waren die 6 besten Filme am Zurich Film Festival 2015

Die letzten 7 Tage war ich jeden Tag im Kino und habe mir am 11. «Zurich Film Festival» Film um Film um Film reingezogen. Darunter waren viele wunderbare Entdeckungen. Das sind meine 6 Film-Highlights vom ZFF 2015.

Darum geht's:

Cate Blanchett und Rooney Mara spielen ein Liebespaar, welches in den 50er-Jahren nicht nur einen schweren Stand in der Gesellschaft, sondern auch in den eigenen Familien hat. Homosexualität war in dieser Zeit ein Fremdwort und wurde sogar als heilbare Krankheit angesehen.

Der Film setzt der aufblühenden Liebe der beiden Frauen einen bitteren Scheidungskampf entgegen. Die Tragik des Lebens von «Carol» nimmt mit der Zeit immer mehr überhand und die Figuren müssen dadurch schwerwiegende Entscheidungen über ihre Existenz treffen.

Mein Fazit:

Regisseur Todd Haynes («I'm Not There») meldet sich zurück mit einem Film, der bereits jetzt als heisser Oscar-Tipp gehandelt wird.

Haynes hat mit «Carol» ein umwerfendes Werk erschaffen. In diesem Film wirkt so ziemlich alles perfekt - jede Kamera-Einstellung, jeder Musikeinsatz, jeder Blick der Schauspielerinnen.

«Carol» überquillt fast an Grazie, nicht zuletzt wegen der atemberaubenden Cate Blanchett. Ein wunderbar tragischer Film, der die Nomination für die Oscars 2016 bereits auf sicher haben dürfte.

(Der Film läuft ab dem 10.12. in den Schweizer Kinos)

Darum geht's:

«Girlhood» ist eine bezaubernde Coming-Of-Age Geschichte, angesiedelt in den Banlieues von Paris. Die jungen Mädchen wirken echt, natürlich und wirken hochansteckend mit ihrer gelebten Lebensfreude. Umso tragischer sind deshalb auch die Umstände, welche das Leben mit sich bringt und die Mädchen immer wieder auf den Boden der Realität zurückholt.

Mein Fazit:

«Girlhood» ist fantastisches Independent-Kino, und das perfekte Beispiel für Film-Juwelen, für die man an Film-Festivals pilgert.

Darum geht's:

Nach seinem beklemmenden Piraten-Drama «Kapringen» stürzt sich Regisseur Tobias Lindholm mit «Krigen» in den Afghanistan-Krieg.

In «Kapringen» sah man eine Geiselnahme auf einem Schiff, welcher eine Geiselverhandlung in kargen Büroräumen gegenüber gestellt wurde. Bei «Krigen» setzt Lindholm den Fokus auf einen Kommandanten in Afghanistan und zeigt gleichzeitig wie seine Familie zu Hause in Dänemark mit der Situation umgeht.

Mein Fazit:

Tobias Lindholm beweist sich einmal mehr als fantastischer Beobachter. Die Gegenüberstellungen von derselben Situation aus der Perspektive zweier völlig unterschiedlichen Welten, meistert Lindholm erneut mit Bravour.

«Krigen» ist stark erzählt und eine emotional aufwühlende Geschichte. Ein mehr als nur sehenswerter Beitrag im internationalen Spielfilmwettbewerb.

Darum geht's:

Viel zu oft gehen in den Flüchtlingsdiskussionen die Menschen hinter den Zahlen vergessen. Genau hier springt «Mediterranea» in die Bresche. Der Film porträtiert Ayiva aus Burkina Faso, welcher in Europa Arbeit finden will, damit er seine Familie in der Heimat unterstützen kann.

«Mediterranea» zeigt die Reise durch die Wüste, über das Meer bis nach Italien. Dieser Teil des Filmes ist jedoch überraschend schnell abgehandelt und der Film beginnt die eigentliche Geschichte zu erzählen: Die Strapazen der Flüchtlinge in Europa - keine Arbeit, kein Heim und keine Anerkennung.

Mein Fazit:

Europa wird von einer Flüchtlingswelle überrollt und Regisseur Jonas Carpignano liefert den wichtigen Film dazu.

Carpignano vermittelt ein äusserst realistisches Bild der momentanen Flüchtlingssituation. Die Schauspieler wirken authentisch, vor allem die Hauptfigur Ayiva ist ein absoluter Sympathieträger, mit dem man unweigerlich mitfiebert.

Bei «Mediterranea» ist man mittendrin in der Flüchtlingskrise und zeigt die schönen und tragischen Momente der Flüchtlinge auf ihrem Weg ins neue Glück.

(Der Film läuft ab dem 5.11. in den Schweizer Kinos)

Darum geht's:

«Breaking a Monster» ist eine Dokumentation von Luke Meyer und ermöglicht einen seltenen Behind-The-Scenes Einblick in die Maschinerie der Musikindustrie.

Der Film begleitet drei afroamerikanische Teenager, welche vor ein paar Jahren als jüngste Metal-Band der Welt einen millionenschweren Musik-Vertrag unterzeichneten.

Ein Portrait, das aufzeigt, wie das Musikbusiness mit allem Drum und Dran sehr mühsam sein kann, vor allem wenn man es mit bockigen Teenagern zu tun hat.
Denn Jugendliche interessieren sich logischerweise eher weniger für Vertrag-Unterzeichnungen, sondern zocken lieber GTA oder gehen Skaten.

Mein Fazit:

Was passiert auf dem Weg von der Youtube-Sensation bis zum gefertigten Image? «Breaking a Monster» ermöglicht einen äusserst intimen Einblick in den spannenenden Werdegang eines Band-Lebens.

Darum geht's:

Überleben, und dies um jeden Preis. Oder aber auch: ein Mann alleine im Wald. So könnte man den Film «The Survivalist» kurz und bündig zusammenfassen.

Der Film erzählt eine postapokalyptische Geschichte über einen Mann, der in einer kleinen Hütte im Wald lebt. Nachdem die Menschheit die Ölvorkomnisse der Erde fertig geplündert hat, ging neben der Gesellschaft auch der Grossteil der Menschen zu Grunde.

«Survival of the fittest» heisst das neue Motto. Saatgut wird neben Sex zum wichtigsten Handelsgut und nur wer gute Farmkentnisse besitzt, hat eine temporäre Chance zum Überleben.

«The Survivalist» zieht den Zuschauer direkt in diese abgefuckte Welt, in welcher jede fremde Person nur einen Gedanken hat: Dich zu töten. Hinter jedem Busch könnte einer hocken, der nur darauf wartet, deine nächste Unachtsamkeit gnadenlos auszunutzen.

Mein Fazit:

Das Spielfilmdebüt von Stephen Fingleton ist minimalistisch und genau deshalb sehr effektiv. «The Survivalist» macht aus wenig viel und ist dabei von Anfang bis Schluss sackspannend. (Leider gibt es zu diesem Film noch keinen Trailer.)