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Film-Review «Madame Hyde»: die elektrisch geladene Lehrerin

Ein sonderbarer elektrischer Schlag verändert das Leben einer Lehrerin und ihrer Schüler schlagartig. «Madame Hyde» erscheint wie die skurille Version des französischen Erfolgsfilm «entre les murs» und ist Gesellschaftsanalyse, Science-Fiction-Film und absurdes Theater in einem.

Die Story

Die zierliche Madame Géquil ist eine ziemlich traurige Gestalt. Als pädagogisch untalentierte Physik-Lehrerin einer Schule in der Banlieue von Lyon, wird sie von ihren Schülern (hauptsächlich Jungs mit afrikanischem oder arabischem Migrationshintergrund) nicht ernst genommen.

Bei einem Experiment in ihrem Labor erleidet Madame Géquil eines Tages einen Stromschlag. Danach ist nichts mehr wie vorher: Plötzlich strotzt die einst zurückhaltende Lehrerin vor Energie und Selbstbewusstsein und schafft es sogar, sich gegen ihre frechen Schüler durchzusetzen.

Der Stromschlag hat jedoch noch andere merkwürdige Folgen: Nachts fängt Madame Géquil an zu brennen und läuft wie eine Feuerhexe schlafwandelnd durch die Gegend – was für ihr Umfeld schnell ziemlich gefährlich wird.

Madame Hyde
Legende: komische Kombo Der Schuldirektor (Romain Duris) mit einem der Schüler. Praesens Film

Das hat funktioniert

Scheinbar endlos ist die Liste von französischen Filmen, welche die Probleme der Banlieues thematisieren oder in denen Figuren aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten aufeinanderprallen. Auch «Madame Hyde» hat diese Themen als Basis. Regisseur Serge Bozon inszeniert das Ganze jedoch auf eine originelle und unglaublich unterhaltsame Art und Weise; nämlich mit schrägem Humor, bizarren Dialogen, einer theaterhaften Erzählweise und einem überästhetischen Dekor.

Isabelle Hupper, aka Königin des französischen Kinos, brilliert wie zu erwarten in der Hauptrolle der Madame Géquil. Ebenfalls phänomenal ist Romain Duris als schauerlich-peinlicher Schulrektor.

Madame Hyde
Legende: keine einfache Bande Die Schüler des Lycées machen sich während des Unterrichts über Madame Hyde lustig. Praesens Film

Das hat nicht funktioniert

Was in anderen Filmen mit viel Pathos und Drama inszeniert werden würde, wird hier oft völlig nebensächlich erzählt. Zum speziellen Konzept des Films gehört auch, dass gewisse banale Szenen übertrieben lang sind. Spannungs-Junkies werden bei diesem Film womöglich schnell mal die Geduld verlieren.

Fazit

«Madame Hyde» ist eine gelungene Neuinterpretation der berühmten Geschichte von Robert Louis Stevenson «Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde» und hält sich dabei an keine Film-Genre-Reglen. «Madame Hyde» ist Science-Fiction-Film, Gesellschaftsdrama, Komödie und bizarres Theater in einem und genau deshalb so schrecklich schön skurril.

Dieser Film ist für

Leute, die offen sind, für unkonventionelle Filme und Fans von Isabelle Huppert.

Rating

4 von 5 Punkten.

Die Fakten

Die Fakten

Regisseur: Serge Bozon
Cast: Isabelle Huppert, Romain Duris, José Garcia
Kinostart: 29.03.2018