«Suburra»: Roms dunkle Unterwelt

In «Suburra» wird Rom zum Glücksspielparadies und Austragungsort von Machtkämpfen zwischen einer einflussreichen römischen Familie, der Mafia und korrupten Politikern. Der düstere und teils schockierende Film taucht sehr glaubwürdig in die Welt der italienischen Mafia ein.

2006 sorgte der Film «Gomorra» dank seiner glaubwürdigen Darstellung der modernen Mafia Neapels für Aufsehen. Nun, acht Jahre später, folgt mit «Suburra» ein neuer und nicht weniger schockierender Italo-Mafia-Film.

In den Gassen von Rom

Bildlegende: In den Gassen von Rom praesens.com

Schauplatz ist dieses Mal aber nicht Neapel, sondern die Hauptstadt Italiens: Rom. Mittelpunkt der nationalen Politik und natürlich Heimat der katholischen Kirche. Rom ist aber vor allem auch eine Brutstätte von Korruption und Umschlagplatz der hiesigen Mafiosis. So wird die Stadt zumindest im neuen Film von Regisseur Stefano Sollima dargestellt.

«Suburra» erzählt im episodenhaften Stil von Prostituierten, korrupten Politikern und abgebrühten Mafia-Banden. Im Zentrum der Geschichte steht ein riesiges Bauprojekt, durch welches im Quartier Ostia ein italienisches Las Vegas entstehen soll. Jeder will in dieses lukrative Projekt involviert sein und davon profitieren. Und nicht Wenige gehen dafür sogar über Leichen...

«Gomorra» vs. «Suburra»

Die beiden italienischen Mafia-Filme teilen überraschende Ähnlichkeiten. Beide Filme basieren auf sehr erfolgreichen Büchern und auf beide Filme folgt(e) eine Serie (Von «Gomorra» läuft zurzeit die 2. Staffel auf Sky, «Suburra» kommt 2017 von Netflix). Dies ist wenig überraschend, die episodenhafte Erzählweise beider Filme eignet sich ideal für eine serielle Auswertung. Ausserdem wirkte bei der Serie von «Gomorra» der «Suburra»-Regisseur Stefano Sollima mit und dürfte sich dabei wohl eine gehörige Portion Inspiration gegönnt haben.

Trotz inhaltlicher Parallelen - die beiden Filme könnten nicht unterschiedlicher sein. Während «Gomorra» von Matteo Garrone sich vor allem dem Gebilde, den Strukturen und den Wirkungsbereichen der Mafia annimmt, ist «Suburra» ein durchgestylter und gnadenloser Thriller im Umfeld des italienischen Untergrunds.

Rom, nein danke

Wenn man sich die neuste Regie-Arbeit von Stefano Sollima ansieht, dann vergeht einem die Lust, irgendwann einmal in die Hauptstadt Italiens zu reisen. Das Porträt, welches der Regisseur hier zeichnet, ist von absolut desaströser Natur. An jeder Ecke zieht irgendeiner ein krummes Ding, hinter jedem Vorsprung können potentielle Killer lauern und vertrauen kann man weder der Polizei, noch der Kirche und schon gar nicht der Politik.

So grässlich die Welt von «Suburra» ist, umso effektiver wird dadurch der Film. Man wird richtiggehend in diesen düsteren Moloch reingesogen, die Spannung lässt einen nicht mehr los. «Suburra» strahlt eine faszinierende und abstossende Wirkung aus. Bleibt nur noch eine Frage zu klären: Wann startet die Serie auf Netflix? 4 von 5 Punkten.