«Wild»: Die mit dem Wolf schläft

Eine unglückliche Frau trifft einen Wolf. Zwischen dem Tier und der Frau entsteht Liebe, und ja, es gibt auch eine Sexszene zwischen den beiden. Ein prickelnder und gleichzeitig sehr verstörender Film. Die Schauspielerin Lilith Stangenberg überzeugt auf ganzer Linie!

Frau und Wolf auf einem Hochhaus.

Bildlegende: Den Wolf trifft Ania in der Stadt und streift mit ihm umher. Praesens Film

Ania ist zurückhaltend und gerne für sich alleine. Sie ist nicht die Person, welche sich an der Betriebsfeier irgendeinen Kollegen für die schnelle Nummer anlacht. Wirklich glücklich mit sich und ihrem Leben ist die junge Frau nicht, einen Ausweg aus ihrer Lethargie findet sie jedoch auch nicht.

Als Ania in ihrem Wohnquartier einem Wolf über den Weg läuft, ist sie komplett perplex und fasziniert zugleich. Sofort will sie alles Mögliche über den Wolf erfahren, will das wilde Tier sogar bändigen und nur für sich haben. Ania und ihr Leben beginnen sich langsam, aber sicher zu verändern...

Sex zwischen Frau und Wolf

«Wild» ist im Kern eine Liebesgeschichte zwischen einer Frau und einem Wolf. Dies geht soweit, dass es zwischen Ania und ihrem Wolf sogar zu einer Sex-Szene kommt. Irritierend und erotisch zugleich!

Der Wolf und das, was er verkörpert, ist in vieler Hinsicht symbolisch zu verstehen, allerdings ist die Beziehung von der Frau und dem Tier im Film eine Tatsache, die für sich steht. Dies ist verstörend und verlangt einiges vom Zuschauer ab.

Man erwartet bei «Wild» stets, dass irgendwann aufgelöst wird, was mit diesem Wolf genau ist. Zum Beispiel, dass sich Ania das Tier nur einbildet und die ganze Situation als Metapher zu verstehen ist. Doch das passiert nicht.

Vom Mauerblümchen zur wilden Frau

Schauspielerin Lilith Stangenberg spielt in «Wild» ganz gross. Die Rolle der Ania scheint ihr wie auf den Leib geschneidert. Schon alleine die Tatsache, dass sie während den Dreharbeiten mit echten Wölfen auf Tuchfühlung gehen musste, verdient Respekt.

Der Wandel der Hauptfigur vom Mauerblümchen zur wilden Frau ist dann auch vor allem wegen der Performance von Stangenberg absolut glaubwürdig.

Eine Frau und einen Wolf trinken zusammen Wasser aus einem See.

Bildlegende: Die Protagonistin nähert sich mehr und mehr dem Wolf an und wird selber wild. OFFICIAL

«Wild» ist irgendwie prickelnd, aber auch gleichzeitig sehr verstörend. Unter dem Strich ist der Film alles andere als zugänglich und benötigt vermutlich eine erneute Visionierung um sich mit dem Konzept und der Thematik tiefer auseinander zu setzen. Fakt aber ist: Der neue Film von Regisseurin Nicolette Krebitz zieht einen trotz Sperrigkeit sofort in den Bann.

3 von 5 Punkten.