Bad Bitches & der coolste Mutterf****r der Welt

Ein Monat ist es her, seit dem Daye Jack sein Majordebut «No Data» gedroppt hat. Dem 21-Jährigen geht es primär darum, wie man sich im digitalen Zeitalter als junger Erwachsener zurechtfindet, wenn einem nonstop gesagt wird, wie man sich zu verhalten hat und was cool ist und was eben nicht.

Durch das Album hindurch unterhält sich der in Nigeria geborene, in Atlanta aufgewachsene und an der NYU studierte Daye Jack immer wieder mit einer Siri-artigen A.I.-Stimme namens «Sam» - irgendwie erinnert das an eine 2017er Version der legendären Robot-Interludes auf A Tribe Called Quests «Midnight Marauders». Ähnlich wie bei den Legenden wirken die «Interludes» auf «No Data» verspielt und ernstgemeint zugleich, Jack nutzt seine Sam wie eine Art Kreuzung aus Google und Seelsorgerin, und stellt die Fragen, die ihm offenstehen: Wie wird man der coolste Mutterf****r aller Zeiten, oder wie macht man eine Million $ – und wie coppt man sich dabei eine «Bad Bitch»?

Funk der nicht nervt

Schade, dass so eine grundlegende und Hip-Hop mitauslösende Musikrichtung bei mir auf so viel aufgeraute Nervenenden trifft, aber so ist es nunmal: Funk kann, in der Jam-Session-Variante der niederen Sorte, schneller auf den Wecker gehen als schlechte DJs, die nicht aufhören mega schnell und falsch zu scratchen. Aber: Daye Jacks Musik, obschon sie sich extrem oft aus Funk & Disco bedient, schafft es durch gute Texte und sorgfältig dosierten Portionen Futureness der Funk-Repetitions-Loop-Depression zu entweichen.

Musikalisch klingt es nach einem Blend aus Hip-Hop, Funk, Jazz und einem Ritalinschmeissenden Nerdproduzenten mit einer zu grossen Videospiel-SFX-Datenbank. Synthbretter treffen auf funky ass Drums, ein wenig als hätte man The Weeknd, Pharrell und ein Quäntchen Goldlink ausgepresst und vom Destillat in jeden Track eine Kleinstmenge injiziert.

«I’ll be a fighter punching like the Karate Kid/Bully bully fight for your life, I said»

Bully Bully»)

Dem Album entspringt eine gehörige Portion Energie und Ambition, die musikalischen Eckdaten/Orientierungspunkte (irgendwo zwischen Daft Punk, Frank Ocean und Weeknd) und Zwischenzielfahnen sind wohl gesetzt und Daye liefert viel Befriedigendes aus – vor allem seine Refrains sind oft stark und bleiben hängen.

Dass er eine etwas eindimensionale Sicht auf das teils vergötterte, teils ehrfürchtig kaum angefasste und dann wieder als emotionsloses Stück Roboter bezeichnete andere Geschlecht besitzt, ist seinem Alter zuzuschreiben, und stört mich nicht gross.

Die herausragendsten Songs für mich sind «Deep End (Jayvon Remix)», bei dem die Produktion nach Timbaland meets Glitch klingt, die stampfige Electrofunk Nummer «Finish Line» und «Lady Villain» (siehe oben). Sicher kein perfektes Produkt, Songs wie «Raw» sind einfach eine Runde zu wenig abwechslungsreich und Platitüden-reich, aber nochmal: der Dude ist 21. Da kommt noch viel und in der Zwischenzeit rewinde ich «Lady Villain» 3-4 mal am Tag.