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Frauen im Musikbusiness Die einzig sinnvolle Antwort auf die Gender-Debatte in der Musik

Misogynie und Sexismus in der Musikszene machen Camp Cope schwer zu schaffen. Anstatt Gesprächsrunden zu organisieren oder ihren Unmut via Facebook kund zu tun, nehmen die drei Australierinnen aber lieber die Instrumente in die Hand. Ihr neues Album heisst «How To Socialise & Make Friends».

It's another man telling us we can't fill up the room / It's another man telling us to book a smaller venue
«The Opener»

Camp Cope, Link öffnet in einem neuen Fenster sind wütend. Wütend, weil sie als Frauenband auch im Jahr 2018 noch immer Klischees und Sätzen begegnen, die schon vor 50 Jahren fehl am Platz waren. Wütend, weil sie die lächerlichen Ausreden von Konzertveranstaltern satt haben. Wütend, weil sie aufgrund ihres Geschlechts in der noch immer von Männern dominierten Rock- und Punk-Szene tagein tagaus mit Misogynie konfrontiert werden.

In Facebook-Kommentarspalten oder in Diskussionsrunden sucht man das Trio aus Melbourne aber gottseidank vergebens. Anstatt Theorie predigen Camp Cope viel lieber Praxis: «How to Socialise & Make Friends» heisst ihr zweites Album, welches dieser Tage erscheint.

Yeah, just get a female opener, that'll fill the quota.
«The Opener»

Die grösste Waffe im Arsenal des Trios heisst Georgia Maq. Die beissenden Lyrics der Frontfrau bringen jedes Papier, auf dem sie geschrieben sind, zum lodern.

ZVG
Legende: Camp Cope Georgia Maq, Sarah Thompson und Kelly-Dawn Hellmrich. Naomi Lee Beveridge

Mit ihren unmissverständlichen Texten haben sich Maq und ihre zwei Mitstreiterinnen aber nicht nur Freunde gemacht. Selbst in der vermeintlich liberalen DIY-Szene ihrer Heimatstadt Melbourne ecken sie damit an.

«Sie wollten nichts mehr mit uns zu tun haben, weil wir uns zu unverblümt und frei geäussert haben», erzählt Drummerin Sarah Thompson in einem Interview mit Pitchfork, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Somehow what happened to me was my fault / You can see it in the apologists / And hear it in the songs
«The Face of God»

«How to Socialise & Make Friends» ist aber viel mehr als «bloss» eine Abrechnung mit dem unfairen Musikbusiness. Schliesslich hören Sexismus und Misogynie nicht dann auf, wenn man das Aufnahmestudio oder den Konzertclub verlässt. Im Gegenteil.

Dementsprechend viele Negativbeispiele ausserhalb ihres Musikumfelds können die Australierinnen auf den neun Songs ihres Albums auftischen. Die Hauptdarsteller: Typen, die nach einer Trennung ihre Grenzen überschreiten, oder Männer, die sich bestehende Machtdynamiken zu ihrem Vorteil machen.

Das mag sich jetzt alles wie eine Checkliste von einem dieser einschlägigen Tumblr-Blogs, Link öffnet in einem neuen Fenster lesen, fühlt sich in Kombination mit den leichten und catchy Melodien der Songs aber nie nach Hausaufgaben an.

I can see myself living without you and being fine / For the rest of my life / It's just me on that bike
«How to Socialise & Make Friends»

Camp Cope sind wütend, ja. Trotzdem schlägt einem auf «How to Socialise & Make Friends» kein Punkgewitter entgegen. Camp Cope sind nicht Bikini Kill, Link öffnet in einem neuen Fenster und auch nicht X-Ray Spex, Link öffnet in einem neuen Fenster. Georgia Maq erhebt ihre Stimme nur dann, wenn es auch wirklich zum Song passt. Sie schreit uns selten an – womit die Texte der Platte umso deutlicher ankommen.

«How to Socialise & Make Friends» ist ein Album, das motiviert, inspiriert und anregt. Es regt an, Festivals und Clubs zu boykottieren, die keinen Wert auf ein Geschlechter-Gleichgewicht im Line-up legen. Es regt an, Textzeilen daraus auf ein Plakat oder T-Shirt zu sprayen. Und vor allem regt es an, das Handy beiseite zulegen und (wieder einmal?) selbst ein Instrument in die Hand zu nehmen. Und das ist ja noch immer das grösste Kompliment, das man einem Album machen kann.

«How to Socialise & Make Friends» erscheint diesen Freitag. Unsere Homies bei NPR haben den Stream., Link öffnet in einem neuen Fenster