AKW werden unabhängig vom Wohnort als gefährlich eingestuft

61 Prozent der Befragten beurteilen Atomkraftwerke als «sehr gefährlich» oder «extrem gefährlich».

Grafik der Schweiz mit kreisförmig eingezeichneten gefahrenzonen rund um die AKW in der Schweiz und im grenznahen Gebiet in Frankreich.

Bildlegende: AKW Gefahrenzonen: bis 5 km, bis 20 km und neu bis 100 km rund um ein AKW. Nationale Alarmzentrale / Tages-Anzeiger, 2013.

Damit liegen AKWs an der Spitze[1] von sieben Gefährdungen, die in der Befragung für die SRF/ETH Risikostudie bewertet wurden.[2] So werden Atomkraftwerke als gefährlicher eingestuft als beispielsweise gentechnisch veränderte Anbaupflanzen (53%) oder der Klimawandel (48%). Mit Blick auf die Forschung zur Risikowahrnehmung ist dies nicht überraschend. Generell werden Ereignisse, die nur mit geringer Wahrscheinlichkeit eintreten, aber weitreichende Konsequenzen hätten, als sehr «schrecklich» eingestuft.[3]

Gleichzeitig beurteilen 37 Prozent der Befragten den Nutzen der Atomkraftwerke als «gross» oder «sehr gross». Wie zu erwarten war, hängt die Beurteilung des Nutzens negativ mit der Einstufung der Gefahr zusammen: Wer Atomkraftwerke als gefährlich empfindet, stuft deren Nutzen geringer ein.

Schätzen Befragte, die nahe bei einem Atomkraftwerk wohnen, das Risiko geringer ein als die übrige Bevölkerung? Dies könnte zutreffen, falls Personen eher dort hinziehen würden, wenn sie die Gefahr als gering einstufen. Darüber hinaus ist ein «Gewöhnungseffekt» zu erwarten.

Tatsächlich hat die Auswertung dieser Studie dies nicht bestätigt. Unabhängig davon, ob eine Zone mit Gemeinden von 20 Kilometer Entfernung oder geringer um die Atomkraftwerke gezogen wird: Unterschiede in der Risikoeinstufung sind nicht feststellbar! Atomkraftwerke werden unabhängig vom Wohnort als gefährlich eingestuft.

[1] Die Prozente entsprechen dem jeweiligen Anteil der Befragten, der auf einer Skala von 1 «überhaupt nicht gefährlich» bis 5 «extrem gefährlich» 4 oder 5 gewählt hat.

[2] 1. AKW, 61 Prozent, 2. Terrorismus, 55 Prozent, 3. Gentechnik Anbau, 53 Prozent, 4. Klimawandel, 48 Prozent, 5. Neuartige Viren, 40Prozent, 6. Gentechnik in der Medizin, 37 Prozent, 8. Luftverschmutzung Autos, 34 Prozent.

[3] Slovic, P. (2000). The Perception of Risk. London: Earthscan.

Die Autoren der SRF/ETH Studie

Andreas Diekmann, geboren 1951 in Lübeck, ist seit 2003 Professor für Soziologie an der ETH Zürich. Zuvor lehrte er in Mannheim und in Bern. Umweltsoziologie, Spieltheorie und Methoden der empirischen Sozialforschung sind Schwerpunkte seiner Tätigkeit. Heidi Bruderer Enzler, geb. 1980 in St. Gallen, ist Doktorandin an der Professur für Soziologie.