130-jähriger Portwein - Geschmackserlebnis der besonderen Art

Wer erwartet hätte, dass 130-jähriger Portwein modrig schmeckt und nach Medizin, sieht sich getäuscht. Kulinarik-Redaktor Daniel Böniger vom «Tages-Anzeiger» hatte unlängst Gelegenheit, einen so alten Portwein zu degustieren. Und er staunte nicht schlecht über die Lebendigkeit dieses alten Tropfens.

Portwein-Keller mit vielen Fässern.
Bildlegende: 130-jähriger Portwein - Ja, bei so vielen Fässern kann schon mal eines vergessen gehen. Colourbox

Jetzt müssen Sie sich das mal vorstellen: Die Trauben für diesen 130-jährigen Portwein wurden im selben Jahr gepresst, als Vincent van Gogh seine Sonnenblumen malte. 1888. Damals wurde auch die SP Schweiz gegründet, und in Deutschland bestieg Kaiser Wilhelm II den Thron. Eindrücklich, nicht? Und ebenso eindrücklich ist auch das Aroma dieses Portweins, der weder modrig noch nach alter Medizin riecht, sondern unter anderem nach gedörrten Zwetschgen, Rosinen und Caramell.

Stolzer Preis

Von diesem Wein, der auch für einen Portwein aussergewöhnlich viele Jahre auf dem Buckel trägt, hat das portugiesische Weingut «Quinta do Vallado» anlässlich seines 300-Jahr-Jubiläums zu Ehren des Weingut-Ahnen, Antonio Bernardo Ferreira, 300 Flaschen auf den Markt gebracht. Zum stolzen Preis von 3700 Franken die Flasche. Einen Wein also, sagt der Tages-Anzeiger Kulinarik-Redaktor Daniel Böniger, für Freaks, Sammler und nekrophile Portliebhaber, die selbstverständlich alle auch mit dem entsprechenden Portemonnaie ausgestattet sein müssen. Alle andern erfreuen sich an der hübschen Geschichte dieses Portweins, der zu Zeiten Van Goghs gekeltert worden ist und heute noch wunderbar schmeckt.

Marketing-Coup?

Und wer jetzt vermutet, die Geschichte mit dem alten Port sei doch nur ein mehr oder weniger origineller Marketing Coup, muss sich von Daniel Böhniger eines besseren belehren lassen. Es gäbe zwar durchaus 20- oder auch 30-jährigen Port auf dem Markt. Dass man einen Portwein aber bewusst 130 Jahre lang im Fass lasse, davon sei eher nicht auszugehen. Das Risiko, dass der Portwein nach so vielen Jahren, nicht mehr trinkbar gewesen wäre, sei viel zu gross. Vielmehr müsse man annehmen, dass die drei Fässer mit dem alten Port - von deren Inhalt übrigens in all den Jahren fast zwei Drittel verdampft sind - im grossen Weinkeller des Weinguts schlicht und einfach vergessen gegangen und jetzt ganz zufällig wieder entdeckt worden sind.

Redaktion: Maja Brunner