Biestmilch: dick, nahrhaft und fast vergessen

Die erste Milch der Kuh nach dem Kalben gehört dem Kalb. Doch hat es genug davon, wird oder wurde sie gerne auch in der Küche der Bäuerin gebraucht. Kranke Kinder machte sie munter, für die anderen war es eine leckere Abwechslung. Doch heute ist sie fast vergessen.

Eine Schale voll Biestmilch.
Bildlegende: Biestmilch in der Milchschüssel: Kippt man die Schüssel, läuft die Milch durch die Öffnung raus, der Rahm bleibt drin. zvg Therese Lehmann

Biest, Biescht, Briescht, Briemscht, Brienscht oder sogar Priester: Die erste Milch der Kuh hat verschiedene Namen, jede Region nennt sie etwas anders. Was aber überall gleich ist: Man sagt ihr Heilungskräfte nach.

«Ich erinnere mich, dass Mütter von kranken Kindern mit dem Milchkesseli durch das ganze Dorf gelaufen sind, um beim Bauer Brieschmilch zu holen», sagt Anna Schnyder, die im Emmental aufgewachsen ist, «und eine Seniorin erzählte mir, dass sie die Brieschmilch an Hühner verfüttert hat und diese am Tag danach viel mehr Eier gelegt haben.»

Gelb, dickflüssig, nahrhaft und mit einem sehr eigenen Geschmack haben Bäuerinnen die Brieschmilch «entweder gehasst oder geliebt», sagt Anna Schnyder. Heute ist die Milch in vielen Gebieten fast vergessen.

Anna Schnyder sammelt Koch-Geschichten und -Erinnerungen. Als Aktivierungsfachfrau in den Thurvita-Altersheimen in Wil hat sie eine Seniorinnen-Gruppe gegründet, die alte Rezepte wieder hervorholt und nachkocht, die «Chez Grand Mamans».

Redaktion: Brigitte Wenger