Kondensmilch – Die Geschichte einer Kindheitserinnerung

Für viele von uns ist die gezuckerte und süsse Milch aus der Tube oder aus der Dose eine Kindheitserinnerung. Zum Beispiel in Form der in den 1960er und 1970er Jahren bekannten Zwieback-Schnitten.

geöffnete Büchse gefüllt mit Kondensmilch.
Bildlegende: Ganz schön süss: Kondensmilch. Colourbox

Um die plötzlich auftretende Lust der Kinder nach irgendeiner Süssigkeit erfolgreich stillen zu können, griff anno zumal so manche Mutter gerne nach der Tube Kondensmilch, die zur Sicherheit immer im Vorrat lagerte.

Sie mischte die Kondensmilch mit fein geriebenen Haselnüssen und strich die Mischung auf Zwieback und schob die Schnitten dann in den Ofen. Goldbraun gebacken, sorgten diese dann für zufriedenen Nachwuchs. Es sei denn dieser bevorzugte es, sich die süsse Kondensmilch zur Stillung des Süssigkeiten-Heisshungers direkt von der Tube in den Mund zu drücken. Auch dies eine Kindheitserinnerung, die viele von uns teilen.

 «Wohltäter der Menschheit»

Frühe Versuche mit der Haltbarmachung von Milch soll übrigens der französische Konditor Nicolas Appert gemacht haben. Dieser hatte 1810 für seine besonderen Leistungen auf dem Gebiet der Konservierung von Früchten von der französischen Regierung 12'000 Franc erhalten.

Mit dem Preis verbunden war die Auflage, ein Buch zum Thema zu veröffentlichen. In diesem beschrieb Appert dann noch im gleichen Jahr, wie man Milch in Dosen haltbar machen könnte.

Mit seiner Kondensmilch wurden auch die Soldaten der napoleonischen Armee beliefert. Und obwohl sein Produkt offenbar geschmacklich noch nicht wirklich zu überzeugen vermochte, erhielt der französische Konditor dafür den Titel «Wohltäter der Menschheit».

Mit Zucker gehts einfacher

Eine wichtige Entdeckung im Zusammenhang mit der Erfindung der Kondensmilch machte 1835 der englische Forscher William Newton. Er entdeckte, dass die Zugabe von Zucker das Kondensierungsverfahren vereinfachte und dass sich dank des Zuckers in der Milch auch weniger Mikroorganismen entwickeln.

Amerikaner haben die Nase vorn

Die industrielle Herstellung von Kondensmilch geht dann auf den amerikanischen Landvermesser, Erfinder und Verleger Gail Borden zurück. Dieser orientierte sich an den Ideen des französischen Konditors Nicolas Appert und koche die Milch bei 55 Grad Celsius in grossem Stil in einem Vakumverdampfer zu Kondensmilch ein. Seine Vorgehensweise liess er 1856 patentieren und eröffnete noch im gleichen Jahr in Amerika die erste Kondensmilchfabrik der Welt.

Übrigens: Die erste Kondensmilchfabrik von Europa, stand in der Schweiz, in Cham (ZG). Gegründet hatte sie unter dem Label «Anglo-Swiss Condensed Milk Company» 1866 das amerikanische Brüderpaar George und Charles Page.

1905 fusionierte die «Anglo-Swiss Condensed Milk Company» in Cham mit Nestlé.

Redaktion: Maja Brunner