Tim Krohns Mammut-Roman

Der Schweizer Tim Krohn hat sich Grosses vorgenommen: Nicht weniger als eine literarische Enzyklopädie der menschlichen Regungen will er schreiben – rund 1‘000 Geschichten zu Gefühlsregungen von «Aalglätte» bis «Zynismus», verteilt auf 15 Bände. Nun ist Band eins erschienen – ein gelungener Auftakt.

Beiträge

  • Herr Brechbühl sucht eine Katze (Coverausschnitt)

    Setting für einen Endlos-Roman

    Band eins mit dem Titel «Herr Brechbühl sucht eine Katze» umfasst 65 Kurzgeschichten. Sie bauen aufeinander auf und erzählen alle von je einer anderen Gefühlsregung.

    Ort der Handlung ist ein Zürcher Genossenschaftsbau mit sechs Wohnungen mit ganz unterschiedlichen Mieterinnen und Mietern. Der Erzähler hüpft von Geschichte zu Geschichte hin und her. Ein denkbar einfaches Setting, das jedoch geeignet ist, um theoretisch endlos weiter schreiben zu können.

    BuchhinweisTim Krohn. Herr Brechbühl sucht eine Katze. Galiani Berlin, 2017.

    Felix Münger

  • Tram in Zürich (Bild: Keystone)

    Der gekränkte Ex-Tramchauffeur

    Die Geschichten in Band eins handeln von so unterschiedlichen Regungen wie «Heiterkeit», «Kunstsinn» oder «Abschiedsschmerz».

    Die eindrucksvolle Erzählung «Kränkung» etwa schildert die ambivalenten Gefühle des pensionierten Trämlers Hubert Brechbühl, der am Gefühl leidet, nicht mehr gebraucht zu werden.

    Felix Münger

  • Röbi Koller (SRF / Oscar Alessio)

    Leserinnen und Leser als Unterstützer

    Tim Krohn finanziert sein monumentales Buchprojekt via Crowdfunding: Leserinnen und Leser geben dem Autor gegen ein Entgelt von ein paar hundert Franken die Geschichte zu einem ausgewählten Gefühl in Auftrag.

    Der Moderator Röbi Koller beispielsweise hat «Demut» bestellt - und liess sich vom Resultat überraschen.

    Felix Münger

  • Tim Krohn (Bild: Susanne Schleyer)

    Schreiben im Auftrag

    Er habe auf das Crowdfunding zurückgegriffen, weil er zu Beginn des Schreibprozesses für seine Familie dringend Geld gebraucht habe, erzählt Tim Krohn im Interview.

    Und: Er habe mit dieser für den literarischen Betrieb ungewöhnlichen Form der Finanzierung gute Erfahrungen gemacht, sie habe seine Kreativität als Autor beflügelt.

    Felix Münger