Die Näherinnen

Greti Müller und ihre Tochter Marianne sind Näherinnen in der Fabrik. Sie leben während der zweiwöchigen Produktionszeit in einem authentisch eingerichteten ehemaligen Arbeiter-Flarzhaus nahe der Fabrik. Die langen Arbeitstage verbringen die zwei Frauen meist an den historischen Tret-Nähmaschinen.

Marianne und Greti an Nähmaschine

Bildlegende: Marianne und Greti Müller arbeiten als Näherinnen in der Weberei Thaler. SRF/Oscar Alessio

Marianne Müller sitzt an Nähmaschine

Bildlegende: Marianne säumt den Stoff an historischen Tret-Nähmaschinen. SRF/Christian Lanz

Nach einer Einführung in die Handhabung der Nähmaschinen durch den Fachmann Roni Schmied, der SRF die historischen Trouvaillen aus seinem Nähmaschinen-Museum zur Verfügung stellte, sind die Bernerinnen Greti und Marianne Müller schon sehr bald tüchtige Näherinnen. Sie arbeiten von frühmorgens um 06.30 Uhr bis um 18.00 Uhr, säumen den Stoff und verpassen allen Küchentüchern ein gesticktes SRF-Logo. Mit den anderen Fabrikarbeitern sind sie täglich über 10.5 Stunden in der Fabrik, bei Lärm und Staub.

Das Arbeiten mit Stoff liegt Greti Müller besonders gut: als pensionierte Handweberin erledigt sie noch heute immer gerne verschiedene Näh- und Flickarbeiten. Ihre Tochter Marianne ist Innendekorateurin und Fachfrau Betreuung für Behinderte.

Porträtbild Greti Müller

Bildlegende: Greti ist pensionierte Handweberin und lebt in den Sommermonaten jeweils auf der Alp. SRF/Oscar Alessio

Das sogenannte «Freddi-Haus» in Undalen, Bauma ist das Zuhause der beiden Frauen. Das historische Flarzhaus stammt aus dem 16. Jahrhundert. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wurde es während Jahrzehnten von der Textilarbeiterin Rosa Freddi bewohnt. Mit Ausnahme des elektrischen Lichts, dieses liess Rosa Freddi erst 1973 einrichten, weist das Haus den Wohnstandard von der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg auf: es gibt kein fliessendes Wasser, auch kein WC, sondern nur ein Plumpsklo und der Lehmofen ist sogar der letzte des Kantons Zürich. Das kleine Häuschen steht heute unter Denkmalschutz und dient als Wohnmuseum. Es kann in kleinen Gruppen besucht werden. Reservationen nimmt die Gemeindeverwaltung Bauma entgegen.

«  Der Brunnen beim Freddi-Haus hat uns nicht nur das Wasser für den Alltag gegeben, er war der soziale Begegnungsort. Dank diesem Brunnen haben wir viele interessante Begegnungen gehabt und unsere netten Nachbarn kennengelernt.  »

Marianne Müller
Näherin

Kochnische von 1914, mit Holz und Lehmofen

Bildlegende: Zum Kochen im Freddi-Haus mussten Marianne und Greti den Lehmofen einheizen. SRF/Rita Vollenweider

Das Freddi-Haus liegt einen guten Kilometer von der Weberei Thaler entfernt. Marianne und Greti gehen täglich zu Fuss in die Fabrik und zurück. Über Mittag reicht die Zeit nicht aus, um zuhause Mittag zu essen. Darum bleiben die beiden Näherinnen in der Fabrik und essen mit den anderen Fabrikarbeitern am Mittagstisch Suppe, Brot und Früchte.

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Marianne Müller über ihre Erlebnisse

0:34 min, vom 23.7.2014