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DOK Tibet: Kampf für Freiheit und Selbstbestimmung

Selbstverbrennungen sind eine neue, erschütternde Form des tibetischen Protests gegen die chinesischen Machthaber. Ein «DOK»-Film porträtiert den Exil-Tibeter Loten Namling und seinen Kampf für die Unabhängigkeit seines Volkes. Filmautor Dodo Hunziker über Widerstand und Buddhismus.

Legende: Video Der tibetische Krieger abspielen. Laufzeit 51:38 Minuten.
Aus DOK vom 11.02.2015.

SRF DOK: Warum ein Film über den Berner Exiltibeter Loten Namling?

Dodo Hunziker: Als Loten mir von seinem Vorhaben erzählte, hatte ich sofort dieses starke Bild im Kopf: Ein heimatloser Tibeter zieht einen schwarzen Sarg durch das heile Schweizerländli. Ich war auch an der Idee des gewaltfreien Widerstandes interessiert. Die Geschichte hat sich dann mehr und mehr in Richtung einer grossen Frage entwickelt – wie kann ein Einzelner mit Fremdbestimmung, politischer Unterdrückung, ja der Gefahr einer Auslöschung seines ganzen Volkes, umgehen? Während den Dreharbeiten wurden gewisse Fragen immer dringlicher: Funktioniert der gewaltfreie Widerstand? Ist der Prozess der Radikalisierung unumgänglich? Bis hinein in Formen extremen gewalttätigen Widerstandes?

Spannend ist dabei der kulturelle Hintergrund. Der besteht hier ja nicht aus alttestamentarischem «Auge um Auge oder Zahn um Zahn». Auch nicht aus den bekannten Kampfaufrufen im Koran. Nein, die Frage des Widerstandes stellt sich für Loten auf der Basis des tibetischen Buddhismus. Der Buddhismus hat über die Jahrhunderte kriegerische Bergler und Nomaden zu befrieden versucht. Hat in einem zutiefst menschlichen Sinn zivilisatorisch gewirkt. Der Dalai Lama sagt im Film:

Gewalt führt immer ins Verderben.
Autor: Dalai Lama

Nimmt der Film Partei für die Sache der Tibeter?

Ich mache Filme über Dinge, die mir ans Herz gehen, mir ein Anliegen sind. Die Auslöschung der tibetischen Kultur wäre eine Katastrophe, die Unterdrückung der Minoritäten in China verletzt meinen Gerechtigkeitsinn. Ich verstehe mich aber nicht als Kämpfer für ein politisches Ziel. Und ich bin kein Buddhist. Ich wollte herausfinden, was hinter dem spezifischen Fall Tibet, hinter der Geschichte von Loten steht. Ich stiess auf Grundsätzliches: Selbstbestimmung, Freiheit und wie man dafür kämpfen soll. Welches sind die Mittel? Rechtfertigt ein hehres Ziel jeden Weg?

Wie haben Sie sich als Autor eingebracht?

Ich habe als Autor meine Interpretation dessen zu geben versucht, was ich an Erlebtem bei meinen Protagonisten dokumentarisch eingefangen habe. Zuerst bin ich mit der Kamera also mitten in der Welt meiner Protagonisten gegangen, habe beobachtet, begleitet, Gespräche geführt und Bilder dazu gesucht. Was zum Schluss als filmisches Produkt über die Leinwand oder den Bildschirm geht, ist dann meine Interpretation.

Legende: Video Loten Namling trifft den Dalai Lama abspielen. Laufzeit 03:21 Minuten.
Aus DOK vom 11.02.2015.

Zum Autor

Zum Autor

Dodo Hunziker (*1973) ist Filmemacher und Produzent. Er lebt und arbeitet in Bern.

«DOK» am Mittwoch

«DOK» am Mittwoch

«Der tibetische Krieger», Mittwoch, 11. Februar, 22:55 Uhr, SRF1. Der Kinostart des Films ist am 12. Februar 2015.

7 Kommentare

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  • Kommentar von Tsering Zora, Flawil
    Ja, der Film ist einseitig. Doch wenn Sie die Absicht des Regisseurs kennen (siehe Interview oben), dann soll der Film keine historische und gerechte Aufarbeitung des "China-Tibet-Problems" sein, sondern die Geschichte von Loten interpretieren. Dies ist meiner Meinung sehr gut und auf eine unterhaltsame Art gelungen.v Haben Sie sich übrigens mal gefragt, weshalb die grosse Mehrheit der Tibeter in Tibet sich gegen die Chinesen wehren? Weil es ihnen materiell VIELLEICHT besser geht, aber ohne
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    1. Antwort von Hans Witschi, Minusio
      Ich verstehe Ihre Reaktion. Aber offensichtlich nehmen Sie nur für sich freie Meinungsäusserung in Anspruch! Da Sie mir Ratschläge zu erteilen geruhen. Beispielsweise lässt die Affäre Dorje Shugden den Dalai Lama nicht als religiös tolerant erscheinen...ich stütze mich nicht einzig auf Herrn Scholl-Latour. Habe mich recht intensiv mit Tibet beschäftigt. Ich wünsche dem Tibetischen Volk eine glückliche Zukunft, jedoch nicht mehr Leibeigenschaft unter einem Gottkönig.
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    2. Antwort von Hans Witschi, Minusio
      1. Herr Scholl-Latour ist ein international anerkannter Experte, der Tibet womöglich besser kennt als Sie. 2. Ich habe mich persönlich mit Tibet und seinen religiösen Strömungen beschäftigt. (Übrigens die Dorje Shugden-Affäre ist nicht eben ein Toleranzprunkstück des Dalai Lama). 3. Ein Kollege von mir war kürzlich in Tibet. Hat mir die Situation geschildert: Die religiösen Tibeter können unbeschadet ihre religiöse Praxis vollziehen. Er hat Fotos des Dalai Lama verteilt. Gruss Hans Witschi
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  • Kommentar von Hans Witschi, Minusio
    Der Film ist einseitig. Vor Einmarsch Chinesischer Truppen in Tibet, war das Tibetische Volk unter der absolutistischen Herrschaft eines allmächtigen Gottkönigs. Viele Tibeter waren Analphabeten und Leibeigene. Dem Tibetischen Volk geht es heute besser als vor 1950. (S. auch das Gespräch mit Herrn Scholl-Latour (auf You Tube)). Religionsausübung ist in Tibet frei. Ich kann mir kaum Vorstellen, dass ein Grossteil des Tibetischen Volkes das Rad der Geschichte zurückdrehen möchte.
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    1. Antwort von Tsering Zora, Flawil
      .. ohne Freiheiten und in ständiger Angst zu leben, ist Gift für einen (geistigen) Frieden. Kennen Sie überhaupt solche Gefühle wie sie meine Landsleute seit vielen Jahren erleiden müssen? "... geht es besser als vor 50 Jahren.." - Diese Aussage trifft für fast jedes Land in der ganzen Welt zu! Ausserdem sagt Scholl-Latour, dass es den Tibetern WIRSCHAFTLICH besser geht; also was wollen Sie mit dieser Aussage? Ausserdem: Wie können Sie behaupten, es bestehe Religionsfreiheit, wenn der ...
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    2. Antwort von Tsering Zora, Flawil
      ... Bilder vom Dalai Lama (zur Erinnerung: geistl. Oberhaupt des tib. Buddhismus) streng verboten sind & zur Verhaftung führen?!!! Das Internet ist ein freies Forum & jeder kann schreiben, was er will, aber bitte kritisch hinterfragen statt alles was z.B. Scholl-Labour sagt als 1:1-Wahrheit weiter zu verbreiten!! Geniessen Sie lieber das schöne Tessin in der wunderschönen & zum Glück freien Schweiz. Tashi Delek!
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    3. Antwort von Kurt Meier, St. Galen
      Die Tibeter wollen nicht ins Mittelalter zurück. Sie wollen eine echte Autonomie, wo sie ihre eigenen Angelegenheiten selber bestimmen können. Der Dalai Lama sollte zurückkehren können. Mit der Lhasa-Bahn kommen immer mehr Chinesen nach Tibet. Die Tibeter sind in ihrem eigenen Land bald in der Minderheit. Die Tibet-Flagge sollte gleichberechtigt neben der China-Fahne aufgehängt werden können, wie bei uns die Kantonsfahnen neben der Schweizerflagge.
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