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DOK «Übergewicht ist schlimm»

Übergewichtige haben nicht nur eine kürzere Lebenserwartung, sie leiden auch häufiger an Depressionen und werden sozial diskriminiert. Wieso werden Menschen überhaupt dick? Und wie kommt es zum Jojo-Effekt? Ein Interview mit Philippe Beissner, leitender Arzt am Diabetes-Adipositas-Zentrum in Zürich.

Ein Paar mit Übergewicht.
Legende: Übergewicht ist eine Epidemie Keystone

SRF DOK: Warum wird man eigentlich dick?

Philippe Beissner: Die Ursache für Übergewicht und die weltweit beobachtete Übergewichtsepidemie in den letzten Jahren, ist nicht vollständig aufgeklärt. Es ist nicht nur die Veränderung des Essens und der Bewegung, die alles erklären würde.

Es gibt aber eine Reihe von bekannten Faktoren: Das Körpergewicht wird durch das Stammhirn reguliert, nicht durch das Grosshirn. Das heisst, der Körper regelt das Gewicht so, wie er die Körpertemperatur, den Blutdruck oder die Atemtätigkeit kontrolliert. Das ist kein willentlicher Entscheid. Verschiedene Faktoren stören diese Feineinstellung oder Regulation des Körpergewichts. Das heisst, eine veränderte Nahrungsbeschaffenheit mit industriell hergestellter Nahrung, aber auch Umweltgifte oder Medikamente, haben einen Einfluss auf das Körpergewicht.

Ausserdem gibt es eine Neigung zur Gewichtszunahme je nach Vererbung und wie der Energiestoffwechsel programmiert ist. Und diese Programmierung entsteht bereits im Mutterleib während der Schwangerschaft. All diese Faktoren können zu einer übermässigen Gewichtszunahme während des ganzen Lebens führen.

Ist Übergewicht nicht auch ein Zeichen unserer Überflussgesellschaft?

Ja. In den westlichen Ländern gibt es einen klaren Zusammenhang zwischen der Zunahme des Körpergewichts und der Überflussgesellschaft. Wie genau der Mechanismus funktioniert, ist weniger klar. Wir sehen aber auch eine rasante Zunahme des Übergewichts in Entwicklungsländern, wo sich Hunger und Übergewicht parallel entwickeln, auch wenn dort noch keine Überflussgesellschaft herscht, wie wir sie kennen.

Gibt es Diäten, von denen sie sagen würden, die wirken 100 Prozent?

Nein, selbstverständlich nicht. Im Prinzip funktioniert keine Diät, denn diese ist eine vorübergehende Ernährungsmassnahme. Eine Diät funktioniert, so lange man sie einhält. Und die beste Diät ist die, die man am längsten einhalten kann. Schliesslich helfen nur Veränderungen des Lebensstils, die man ein Leben lang aufrechterhalten kann.

Wer also eine Diät startet, muss sie ein Leben lang einhalten, sonst kommt das Übergewicht mit dem Jojo-Effekt wieder zurück?

Das Körpergewicht ist reguliert, das heisst, der Körper wird immer versuchen, mit aller Gewalt zu seinem Maximalgewicht zurückzukehren. Denn eine Gewichtsabnahme wird vom Körper prinzipiell als Bedrohung wahrgenommen, denn er könnte verhungern. Alle Massnahmen, die das Gewicht senken, bringen das Gewicht zurück, wenn sie eingestellt werden. Das heisst, es ist völlig sinnlos, sechs Monate zu leiden, wenn das Gewicht nachher wieder zurückkommt. Das bringt viel Frustration – ohne Resultate.

Legende: Video «Übergewicht ist schlimm» – Interview mit Philippe Beissner abspielen. Laufzeit 09:31 Minuten.
Aus DOK vom 11.01.2017.

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Philipp Beissner leitet seit 2011 das Diabetes-Adipositas-Zentrum Zürich mehr...

«DOK» am Mittwoch

14 Kommentare

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  • Kommentar von Patrick Schmutz (Patrick Schmutz)
    Ich habe in einem Monat 15kg abgenohmen, in dem ich der Blutzuckerspiegel gesenkt habe auf natürliche Art und Weise, bei tiefen Blutzucker verbrennt der Körper das Fett, bei hohem Blutzuckerspiegel speichert er das Fett! Das geht nur für gesunde Menschen die nicht an Diabetes und und andere Krankheiten leiden! Da man das Bluzucker senkt, was der Körper wieder selber ausgleicht! Jeden Morgen eine Grapefruit, Vitaminebombe auch gut gegen Grippe und Fieber
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    1. Antwort von Florian Recher (Florentinerli)
      Es freut mich, dass Sie lästige Pfunde verloren haben. Allerdings muss ich Sie darauf aufmerksam machen, dass Sie deutlich weniger Fett als 15kg verloren haben. 1g Fett hat einen physiologischen Brennwert von 9.3 Kalorien -> 15kg = 139'500 Kalorien. Folglich müssten Sie 4'650 Kalorien pro Tag verbrennen, was bei 80kg Körpergewicht ca. 21h Gehen (mit 3km/h) oder 6h Joggen (mit 9km/h) entspricht. Das bedeutet, dass Sie vor allem Flüssigkeit verloren haben! Bleiben Sie am Ball ;)
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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Der Stress immer nur ans Essen zu denken um die Lebensmittel die man essen darf auf den ganzen Tag zu verteilen, könnte man verringern, wenn man sich angewöhnt, erst um 15 oder 16 Uhr (einfach so spät wie möglich) etwas zu essen. Dann könnte man eine gesunde +sättigende Mahlzeit einnehmen, die einem bis am Abend zufrieden hält. Wenn nötig, vorher/nachher Salat oder Hafersuppe essen. Ein Hund brachte mich auf diese Idee, er bekam 1x pro Tag Fressen +war trotzdem den ganzen Tag nicht zu bremsen.
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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Essen kann wie Rauchen zur Sucht werden. Vielleicht sollte man deshalb mit ähnlichen Mitteln gegen zu viel essen vorgehen. Raucher können nicht einfach 2 bis 3 Zigaretten im Tag rauchen, oder Alkohliker können nicht einfach nur 1 Glas pro Tag trinken, was ja dann nicht schlimm wäre. Wenn nun ein Mensch schon am morgen früh sein Frühstück isst (so wenig wie möglich) muss er den ganzen Tag überlegen, wie viel er am Mittag, am Nachmittag und Abend essen darf. Das ist Stress wie ihn ein Raucher hat.
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