Wie Secondos das Rätoromanische retten

Vor 75 Jahren wurde das Rätoromanische als vierte Landessprache anerkannt. Seither ist es vielfach totgesagt worden. Doch ein Besuch im Unterengadin zeigt: Die Sprache ist quicklebendig - dank der Kinder der Gastarbeiter aus Portugal und dem Balkan.

Eine Strasse, zwei Sprachen: Rätoromanische und deutsche Beschriftung in einem engadiner Dorf.
Bildlegende: Eine Strasse, zwei Sprachen: Rätoromanische und deutsche Beschriftung in einem engadiner Dorf. Keystone

Momentan besuchen nur 14 Kinder die Gesamtschule von Tarasp. Zu Hause sprechen sie Deutsch, Portugiesisch, Bosnisch oder Rätoromanisch, auf dem Pausenplatz verständigen sie sich auf Romanisch. Nur dank der Kinder der ausländischen Hotelangestellten musste die Primarschule nicht schliessen - und sie tragen auch dazu bei, die vierte Landessprache im Dorf am Leben zu halten.

Das hätten sich die Initianten der Volksabstimmung vor 75 Jahren nicht träumen lassen. Italienische Faschisten erklärten das Romanische damals zu einem italienischen Dialekt. Hitler-Sympathisanten wollten die Sprache sterben lassen zugunsten der «höher wertigen» deutschen Kultur. 

In diesem Umfeld forderten die Rätoromanen die nationale Anerkennung ihrer Sprache. Im Abstimmungskampf wurden die Romanen als heimatverbundene Bergler zu Musterschweizern stilisiert. 1938 nahmen die Schweizer Männer an der Urne das Anliegen wuchtig an: Mit 92 Prozent Ja-Stimmen war es das drittbeste Ergebnis in der Geschichte der Schweizer Volksabstimmungen.

Moderation: Stefan Siegenthaler, Redaktion: Christina Caprez