Stellungnahme von Jochen Schäfer

Im Vorfeld der Berichterstattung vom 7. April 2014 kontaktierte «ECO» den Finanzchef von United Commodity, Jochen Schäfer, und bat ihn um eine Stellungnahme. Jochen Schäfer liess der Redaktion daraufhin eine ausführliche schriftliche Stellungnahme zukommen, die im Folgenden zu lesen ist.

Zur Pressemeldung:

Wir halten unsere interessierte Anlegerschaft immer mit aktuellen Informationen über das Unternehmen auf dem Laufenden – ganz gleich, ob es sich dabei um aktualisierte Imagebroschüre, einen Film, eine Presseinfo oder auch um ein Advertorial handelt. Wir sehen unsere Homepage hierfür als zentrale Stelle. Daher haben wir auch den Hinweis auf das Advertorial hier aufgenommen. Im Übrigen ist eindeutig darauf hingewiesen, dass es sich hierbei um ein Advertorial handelt:

«BÖRSE am Sonntag: Sehen Sie in der Ausgabe vom 16. Februar 2014 auf Seite 11 ein Advertorial der United Commodity AG.»

Aktiva Fonds:

Zu meinen Funktionen bei der Aktiva Verwaltungs GmbH, respektive deren Fonds Aktiva Verwaltungs GmbH & Co. Dritte Vermögensanlage KG gilt es grundsätzlich festzustellen, dass ich in keiner dieser Gesellschaften als Organ tätig war oder bin. Ich war einer der Investmentberater der Gesellschaft und kümmere mich in dieser Eigenschaft unentgeltlich um die eingegangenen Investments, welche ich der Gesellschaft angeraten habe.

Den von der Geschäftsführung der Fondsgesellschaft (Rechtsanwalt Robert Helmes) in der letzten Gesellschafterversammlung vorgestellte Mittelverwendungsbericht kann ich nicht im Detail kommentieren, da ich diesen nicht erstellt habe. Da ich bei der Präsentation anwesend war, kann ich jedoch die Frage von Investorenvertretern nicht ganz nachvollziehen, da der Mittelverwendungsbericht von der Geschäftsleitung ausführlich erläutert wurde.

Die von Ihnen genannten, über 10 Jahre kumulierten betrieblichen Aufwendungen umfassen die prospektierten Provisionen für die Kapitaleinwerbung des Fonds von 1,5 Mio Euro, die Prospektierung (in diesem Fall sogar die doppelten Prospektkosten, da der Gesetzgeber während der Fondslaufzeit für alle am Markt aktiven Gesellschaften einen Nachtragsprospekt mit verschärfter Risikobelehrung verlangte) sowie die laufenden Kosten der Administration des Fonds mit über 700 Investoren über die letzten 10 Jahre.

Ebenso sind die Rechts- und Steuerberatungskosten in diesen Aufwendungen der Fondsgesellschaft über die gesamte Fondslaufzeit enthalten. Somit hat dieser Fonds in dem Berichtszeitraum einen deutlich geringeren Verwaltungsaufwand verursacht als der Branchendurchschnitt.

Zu meinen Beteiligungen in der Aktiva Fondsgesellschaft:

Das Investment der Aktiva Fonds in die Mobile Freshness Holding AG, welche ich als VR leite und initiiert habe, beläuft sich auf 1,525 Mio Euro. Dieses Invest wurde in zwei Stufen erbracht. Die Entwicklung der von mir entwickelten neuartigen Werbeplattform hat der Aktiva Fonds mit 764'000 die via Lakeview Trading AG unterstützt.

Danach erfolgte ein Börsengang um die weitere Expansion zu finanzieren. Zu dieser Expansionsphase hat die Aktiva mit 760'000 Euro beigetragen. Das Investment der Fonds hat sich nach Börsengang somit mehr als verdreifacht, was in den Bilanzen des Fonds in mehr als zwei Jahren auch klar zu ersehen war. Dass sowohl die Aktiva als auch ich die Anteile nicht veräussert haben, sondern die gewonnene Liquidität in die internationale Expansion investiert haben, ist im Nachgang betrachtet sicher die falsche Entscheidung gewesen.

Jedoch halte ich nach wie vor an dem Investment und der Idee fest und habe mit über 2 Mio. Euro eigenem Geld die Restrukturierung und Sanierung des Unternehmens geleitet und finanziert. Ebenso verantworte ich das aktuelle Tagesgeschäft, was sich plangemäss entwickelt.

Wir haben eine Kundenzufriedenheit von über 90 % und verfügen über 300 sehr gute Kundenbeziehungen. Lediglich die zu schnelle Expansionspolitik hatte in der Frühphase des Unternehmens zu Ablaufproblemen und Umsatzeinbrüchen geführt. Ein Börsenlisting war jedoch aufgrund des Schliessens der Frankfurter Vorbörse nicht mehr sinnvoll und wurde daher suspendiert.

Somit bin ich bei der Mobile Freshness Holding AG inzwischen deutlich stärker investiert als alle Fondsinvestoren zusammen.

Die Investition in die XC Consult AG vertragskonform mit einem sehr guten Zins an die Aktiva Fonds zurück gezahlt (sic!) und stellt daher eines der gut funktionierenden Investments das.

Die Cavalier Reitsport GmbH & Co KG aA war eine 100%tige Tochtergesellschaft der Aktiva Fonds, und ich habe lediglich vom Gründer und Betreiber des Reitsprortlabels die dann nicht mehr benötigte und leere Mantelgesellschaft übernommen. Alle Assets und Rechte etc. gingen damals in die Gesellschaft über, welche die Aktiva Fonds gegründet haben.

Dass das Reitsportlabel und der Börsengang nicht erfolgreich war, lag sicher daran, dass der vorgenannte Gründer nach Verkauf an die Aktiva vertragswidrig ein neues Label aufgegleist hat und die operative Tätigkeit im Unternehmen der Aktiva nicht umgesetzt wurde.

Ermittlungen gegen mich:

Jeder Investor hat das gute Recht, eine Anzeige zu erstatten und eine Ermittlung einzuleiten, wenn er meint, dass mit seinem Investment nicht vertragskonform umgegangen wurde. Wenn alles vertragskonform abläuft, wird aus Anlegersicht leider oft vergessen bzw. verwechselt, dass dem potentiellen wirtschaftlichen Erfolg auch ein übernommenes Risiko entgegensteht.

Im Falle von öffentlich angebotenen Publikumsfonds hat der Gesetzgeber explizit die Prospektgestaltung plakativ darauf ausgerichtet, was auch der Aktiva Fonds umgesetzt hat. Es ist in den 10 Jahren der Fondslaufzeit bisher keine Anklage aufgrund einer Untersuchung gegen mich erhoben worden. Es wurden jedoch Ermittlungen eingestellt, da diese ergeben haben, dass keine Umstände (speziell die von Ihnen erhobenen) vorlagen, die eine Anklage gerechtfertigt hätten.

Sollte eine weitere Sendung erfolgen, so verlange ich, dass diese in allen Teilen der Wahrheit entspricht und keine falschen Behauptungen oder Schlüsse darin erscheinen. Gerne bin ich deshalb zu weiteren Auskünften bereit, verlange aber, dass allfällige Zitate aus meiner Stellungnahme vorgängig mit mir abgesprochen werden.

Jochen Schäfer

Die Stellungnahme erfolgte per E-Mail am 5. April 2014.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • United Commodity: Die Altlasten des Jochen Schäfer

    Aus ECO vom 7.4.2014

    Der Deutsche Jochen Schäfer ist Finanzchef von United Commodity. Das Unternehmen mit Sitz in Zürich recycliert Gold und Silber aus vergiftetem Minenschutt in Kanada. «ECO» berichtete im Februar darüber. Neue Recherchen zeigen: Jochen Schäfer kämpft mit Altlasten. Vor 10 Jahren lancierte er den Aktiva-Fonds mit Rendite-Versprechen von bis zu 15 Prozent. Anleger fragen sich, wo ihre 10 Millionen Euro geblieben sind, und die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt.

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  • United Commodity: Der Schatz im Minenschutt

    Aus ECO vom 17.2.2014

    Einst war er ein begehrter Manager der Schweizer Wirtschaft, mit Stationen bei Derendinger, Valora und Feintool. Heute sucht Reto Hartmann sein Glück als Unternehmer im Recycling von Minenschutt. Im kanadischen Cobalt gewinnt seine United Commodity aus Minenabfällen Silber und Gold und entgiftet gleichzeitig die Umwelt. Der Aufbau des Unternehmens kostet viel Geld. Bei der Finanzierung gehen Reto Hartmann und sein Finanzchef Jochen Schäfer unkonventionelle Wege.

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