Die «Selbst-Bewussten»: Vier Tiere, die sich im Spiegel erkennen

Sich selbst im Spiegel erkennen – Kinder können es mit 18 Monaten. Im Tierreich ist die Fähigkeit rar. Beim Spiegeltest geht es darum, wie sich jemand vor dem Spiegel verhält: Erkennt er, dass das Spiegelbild kein Fremder ist, sondern er selbst? Wir stellen vier Tierarten vor, die den Test bestehen.

    • Bild eines Orang Utan

      Bildlegende: Menschenaffen wie Orang-Utans haben gelernt, sich selbst im Spiegel zu erkennen. Imago

      Menschenaffen

      Schimpansen, Bonobos und Orang-Utans bestehen den «Markierungstest» vor dem Spiegel problemlos. Forscher markieren das Tier dabei an einer Stelle, die es nicht sehen kann – zum Beispiel auf der Stirn. Versucht es vor dem Spiegel, den Farbpunkt wegzuwischen oder zu untersuchen, heisst das: Das Tier erkennt sich. Erfinder des «Spiegeltests» ist der US-Psychologe Gordon Gallup. Seine erste Studie führte er 1970 mit Schimpansen durch. Anders als andere Menschenaffen scheitern Gorillas oft beim Test. Dies liegt in ihrer Natur: In freier Wildbahn meiden dominante Männchen den Augenkontakt – das bedeutet nämlich eine Kampfansage.

    • Elefantenherde

      Bildlegende: Die Sozialordnung der Elefanten könnte laut Forschern dazu beitragen, dass sie ein Ich-Bewusstsein entwickeln. Imago

      Asiatische Elefanten

      Im Elefantengehege des New Yorker Zoos haben Forscher 2006 einen Spiegel aufgestellt. Elefantenkuh «Happy» entdeckte daraufhin eine zuvor angebrachte Markierung im Gesicht und versuchte, sie mit dem Rüssel wegzuwischen. Ein klares Indiz: Happy hat verstanden, dass sie sich selbst im Spiegel sieht. Elefanten besitzen ein hoch entwickeltes Gehirn. Ähnlich wie Delfine und Menschenaffen pflegen sie dauerhafte Beziehungen und zeigen Empathie. Forscher glauben, dass soziale Ordnung hilft, ein Ich-Bewusstsein zu entwickeln.

    • Zwei Delfine im Wasser

      Bildlegende: Delfine sind extrem intelligent – kein Wunder also, dass sich im Spiegel erkennen. Imago

      Grosse Tümmler

      Auch Delfine erkennen ihr Spiegelbild: US-Wissenschaftlerinnen haben mit ihnen den gleichen Test durchgeführt – mit einem kleinen Unterschied: Weil Delfine keine Hände haben, können sie die Markierung nicht berühren. Die Forscher bemalten die Delfine deshalb mit schwarzen Punkten. Vor dem Spiegel drehten und wendeten sich die Tiere, um die bemalte Stelle besser sehen zu können. Die Delfine verbrachten viel Zeit vor dem Spiegel, betrachteten sich, streckten die Zunge raus und liessen Wasserblasen steigen. Ihre Selbstinszenierung bedeutet, dass sie sich im Spiegel erkannt haben. Laut den Forschern entwickeln Delfine ihr Ich-Bewusstsein im selben Alter wie Menschenkinder, also mit ungefähr 18 Monaten.

    • Bild einer Elster mit Zweig

      Bildlegende: Die Elster ist das erste Nicht-Säugetier, das den Spiegeltest bestanden hat. Imago

      Elstern

      Die Elster ist das bisher einzige Tier ausserhalb der Säugetier-Gruppe, das den Spiegeltest bestanden hat. 2008 haben Forscher der Ruhr-Universität Bochum die Hälse von Elstern mit farbigen Punkten bemalt. Vor dem Spiegel versuchten einige Tiere, die Punkte mit den Krallen zu entfernen. Das Gehirn der Elstern gehört zu den höchstentwickelten unter den Singvögeln. Die Forscher wollen den Test nun auch mit anderen Vögeln durchführen.

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