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Einstein Online Strom-Revolution aus der Wüste?

In Nevada, USA, entsteht eine riesige Batterienfabrik. Dahinter steckt der amerikanische E-Auto-Konzern Tesla. Seine Strategie: Millionen Akkus für heimische Garagen und sogar Industrieanlagen sollen Strom aus erneuerbaren Energien effizient speichern – und so den Strommarkt umkrempeln.

Luftaufnahme der im Bau befindelichen Grossfabrik von Tesla in Nevada.
Legende: Gestatten? Gigafactory: Mehr als 6500 Mitarbeiter sollen ab 2017 in der Batterienfabrik von Tesla in Nevada einen Job finden. Reuters

Der amerikanische Tesla-Gründer Elon Musk ist bekannt dafür, dass er unkonventionelle Grossprojekte in Angriff nimmt. Die neuste Geschäftsidee präsentierte er im April: Ein wandmontierter Lithium-Ionen-Akku für die heimische Garage, die sogenannte «Powerwall» – in Massen produziert in einer neuen «Gigafactory» im US-Bundesstaat Nevada. Über diesen Akku soll man sein Elektro-Auto jederzeit rasch aufladen können – einerseits.

Silhouetten von Menschen vor einer Grossbatterie, die von der Firma Tesla entwickelt wurde.
Legende: Zukunftstechnologie? Die «Powerwall», hier bei einer Präsentation, soll helfen, flexibler mit Strom umzugehen. Reuters

Andererseits soll der Akku als Reserve-Stromquelle dienen: So liesse sich etwa Strom aus der eigenen Photovoltaik-Anlage darin speichern und bei Bedarf abrufen. Die kleinste «Powerwall» hat eine Kapazität von rund 7 Kilowattstunden – und sie ist skalierbar. Das bedeutet: Bis zu neun Akkus lassen sich zusammenschliessen, um die Kapazität zu vergrössern.

Diese Wand-Akku-Einheiten werden mit geplanten 3000 bis 3500 US-Dollar extrem günstig sein. Sie sollen bei Markteinführung 2016 alle einschlägigen Sicherheitsnormen und Richtlinien für elektrische Installationen erfüllen. Allerdings braucht es für die Installation zu Hause einen qualifizierten Elektriker und es entstehen weitere Anschlusskosten.

Produktion in ungekanntem Masstab

Mit der Lancierung eigener Akkus wittert der Konzern sogar das Potential, den gesamten Strommarkt aufzumischen: Die neu gegründete Division «Tesla Energy» bietet gleichzeitig auch das «Powerpack» an: einen Batteriespeicher für grössere, industrielle Anlagen. Mehrere solche Akku-Blöcke könnte man ebenfalls zu Grossbatterien mit einer Kapazität von bis zu 10 Megawattstunden zusammenschliessen.

Um diese ehrgeizige Vision wahr zu machen, baut Unternehmer Musk gerade für fünf Milliarden Dollar die Batterien-Gigafabrik, Link öffnet in einem neuen Fenster in der Wüste von Nevada auf. Sie soll laut Hersteller die grösste Fertigungsanlage der Welt für Lithium-Ionen-Batterien werden. Alleine von hier sollen ab 2020 über eine halbe Million Gross-Akkus jährlich in den Markt fliessen.

Auch andere Konzerne investieren

Die Batterie-Massenproduktion hat ihren guten Grund: Tesla bereitet sich derzeit auf den Bau seines «Model 3» vor. Nach einem Sportwagen, einem Luxusklasse-Sedan und dem aktuellsten SUV-Model X soll dieses Mittelklasse-Elektroauto die grosse Masse erobern, mit einem prognostizierten Kampfpreis von rund 30‘000 Dollar.

Legende: Video Elon Musk: Milliardär mit einer Vision abspielen. Laufzeit 04:51 Minuten.
Aus 10vor10 vom 08.07.2015.

Dafür benötigt Tesla genügend Batterien – und will mit dem Bau der Batterie-Gigafabrik diesen Markt zugleich massiv anschieben. Konzerngründer Musk ist überzeugt, dass damit die Preise für Lithium-Ionen-Akkus fallen werden. Und er hofft, dass auch andere Anbieter nachziehen, denn vermutlich ist der geplante Ausstoss alleine gar nicht zu schaffen. Seit Juni ist bekannt, dass auch Daimler eine solche Heimbatterie anbieten will, genauso wie der deutsche Energiekonzern RWE.

Es ist also damit zu rechnen, dass in den kommenden Jahren eine wahre Flut von Hochleistungsbatterien auf Hersteller und Verbraucher zukommt. Doch ob diese Entwicklung bereits mit wenigen Anbietern möglich wird und auch zu Preisstürzen führt, bleibt abzuwarten.

Stromspeichern daheim? Würden Sie in solche Systeme investieren? Schreiben Sie uns Ihren Kommentar dazu.

Legende: Video Mit der Drohne über die Rekordfabrik («Einstein») abspielen. Laufzeit 01:28 Minuten.
Aus Einstein vom 27.11.2015.

18 Kommentare

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  • Kommentar von brigitte weingartner de vera, venezuela
    In Venezuela und wohl in vielen anderen, sonnigen Laendern koennte man doch endlich die Sonnenenergie einfueren. Ich weiss ja nicht ob die Sonnenpanels auch, auf irgendeine Weise die Umwelt schaedigen, aber ich gaebe viel, dass diese Kabelsalate ueberall, aus dem Blickfeld kaemen. Und in den Laendern, wo es halt nicht so viel Sonne hat, koennte man ja dann diese Batterien einsetzen. Die Frage ist auch, wie lange sind sie haltbar? Wie oft muss man sie ersetzen?
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  • Kommentar von Michael Walder, Oxapampa Peru
    Eine gewagte und innovative Idee von Tesla. Nur schade, dass hier wieder eine amerikanische Firma dieses spannende Geschäftsfeld dominieren wird. Bestimmt wird die erste Generation von Akkus, nicht perfekt sein, aber während die anderen Firmen warten bis ein makelloses Produkt auf dem Markt ist, wird es bereits zu spät sein eine Neuentwicklung zu lancieren.
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  • Kommentar von Rico Broder, Thalheim an der Thur
    Man darf einfach die bisher erheblichen Umweltschäden beim Abbau von Lithium nicht ausser acht lassen. Laut Experten drohen durch den Abbau in Südamerika nicht mehr zu behebende Umweltschäden. Was hierzulande ein Segen sein mag kann global schwierig sein.
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