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Fünfmalklug Sind Füchse wirklich schlau?

Reineke Fuchs hat Imageprobleme. Ein verschlagener, schlauer Dieb soll er sein. Dabei stehen auf seinem Speisezettel vor allem Mäuse. Doch wenn ihn seine Nase zu fetter Beute führt, ist der Rotschopf kein Kostverächter: Federvieh und Essensreste aus Müllsäcken verputzt er auch.

Ein junger Fuchs mit seinem Muttertier auf einer grünen Wiese.
Legende: Gewiefter und geselliger Jäger: Auf Grasland fühlen sich Füchse, wie dieses Muttertier mit Nachwuchs, genauso daheim wie im Wald – und in menschlichen Siedlungen, wo es leichte Beute gibt. Keystone

Seit dem mittelalterlichen Versepos «Reineke Fuchs» ist sein Ruf zementiert: Ein listiger Lügner soll er sein,  schlauer als jeder Fünf- und Neunmalklug und sein Charakter voller Verschlagenheit. Das Werk hat viele Dichter inspiriert; sogar Goethe hat den pelzigen Gesellen literarisch gemobbt. Was Meister Reineke verbrochen hat? Nun, er zwängt und gräbt sich in lottrige Hühnerhäuschen, wo er die Geflügelhalter um Eier und Braten bringt. Darum sind bei ihm die Attribute «schlau» und «listig», die bei Menschen mitunter als Qualitäten gelten, immer negativ gemeint: Keine Fabel besingt seine Schläue im selbstlosen Einsatz für Mensch und Tier. Dass Füchse jahrhundertelang gejagt, geschossen und vergiftet wurden, verwundert also nicht.

Legende: Video Schlau wie ein Fuchs abspielen. Laufzeit 3:54 Minuten.
Aus Einstein vom 13.06.2013.

Dabei sind Begriffe wie schlau und listig bei Tieren kaum angebracht. Sie setzen ein Bewusstsein voraus, das die Bedeutung einer Tat für das Opfer einschätzen kann. Doch wie soll der Fuchs wissen, dass er kein Recht auf Hühner hat? Dass ihre Eier Menschen ernähren? Er weiss nicht, dass er stiehlt. Er riecht ganz einfach nur «den Braten». Die Nase des Rotschopfs ist besser als die der meisten Jagdhunde und rund vierhundert Mal sensibler als die des Menschen: Beutetiere, Nahrung überhaupt, aber auch Hunde oder Menschen – Jäger! – wittert er von Weitem und Spuren «liest» er, indem er sie beschnüffelt. Wer so gut riecht, wird vorsichtig und überlebt manche Gefahr, doch im menschlichen Sinne «schlau» ist er nicht.

Gleichwohl hat der Fuchs noch einen Trumpf: seine Anpassungsfähigkeit. In der Verhaltensbiologie gilt er als «Opportunist»: eine Kreatur, die keine Veränderung schreckt; flexibel, wie sich das Manager von Angestellten wünschen. Ob im Wald oder Grasland, ob auf Äckern oder Feldern – der Fuchs passt seinen Menüplan den Gegebenheiten an. Zwar ist er auf Mäuse spezialisiert, denn die gibt's das ganze Jahr über. Aber bei einem Tagesbedarf von 15 Nagern verspeist er dann doch fast alles, was ihm vor die Schnauze kommt: kein Wurm, keine Schnecke, die vor ihm sicher wäre; erst recht kein Hase! Süsse Früchte mag er über alles – und längst zählt der Überlebenskünstler auch Städte zum Revier: Seine Supernase zeigt ihm, wo es leckere Komposthaufen hat und nahrhafte Speisereste im Abfallsack.

2 Kommentare

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  • Kommentar von Pia Müller, 9444 Diepoldsau
    Der Fuchs wird in jeder Beziehung miserabel von uns gehandhabt ! Fallwild gibt es kaum mehr, im Winter leidet er unter enormen Hunger und geht dann logischerweise nahe an die Häuser betr. Abfall. Eine Fähe findet in Regen-Monaten wie dieses Frühjahr kaum noch Futter für sich oder für ihren Nachwuchs. Er wird gejagt und gejagt - vergiftet durch vergiftete Mäuse. All das, obwohl der Fuchs ein scheues Nachttier und gegen Menschen nie angriffig ist. Wir sollten Sorge tragen für den Fuchs ! PM-CH
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    1. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      Alle Eingriffe in die Natur haben Folgen.Zu sehen zZ im Norden,wo man meinte,die Wasserläufe den Menschen anpassen zu müssen.Auch Gifteinsatz hat keine Zukunft!Mangelnde Einsicht od.u.Intelligenz der Benutzer von Pesti-,Herbiziden,Giftköder usf.verhindern ein Interesse an den Folgen.Hauptsache bequem.Auch Überbevölkerung zerstört Ökosystem+Vielfalt.Aber es gibt noch Refugien,wo Fuchs noch Fuchs sein kann.Zugegeben,"meine"Jungfüchse beklauen mich nach Noten,aber in charmanter Unschuld.
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